9.2.2019 – Schlaf

Eigentlich bin ich schon zu müde, doch mein Unterbewusstsein lässt mich nicht schlafen, wie sonst eigentlich nur, wenn ich vergesse, den Wecker zu stellen.

Heute war so ein 50-Prozent-Tag. Keine Schmerzen, nur so eine Grundanspannung, die Energie frisst. Der Tag war leicht schief. Gerade so, dass alles rumpelt, immerhin nichts komplett daneben geht aber es einfach zu anstrengend wäre, alles wieder gerade zu biegen. Ich muss mir die Arbeit gut einteilen. Immer wieder.

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8.2.2019 Wochenende

Nach Speckendicken und Berliner Luft sind Tag und Woche um und etwas unerwartet gibt es keine weiteren Verpflichtungen. Also, außer einem Besuch der Post, Friseurinnentermin, etwas Putzen und „nicht verhungern“. Vielleicht noch Yoga und etwas Self Care. Wenn nicht Schmerzen dazwischen kommen.

Ob die Zeit ausreicht, Grace & Frankie endlich zu schauen? One Day at a Time ist auch wieder da und Russian Doll soll gut sein. Große Pläne, zumindest für mich.

7.2.2019 Hinschauen

Nach fast einer Woche Tagebuchbloggen setzt sie ein, die Sprachlosigkeit. Heute war noch ein guter Tag. Zumindest auf den ersten Blick. Wer genauer hinschaut sieht, wir hier und dort Dinge verloren gehen, Pläne langsam zerbröckeln.

Ich merke, wie mein Kiefer weiter arbeitet und Zähne umstellt. Am Ende sollen sie Joy sparken. Immerhin passiert das gerade auf der Seite mit dem heilen Gelenk, vielleicht ist morgen also wieder ein guter Tag.

Apropos: auf den ersten Blick sah alles gut aus mit dieser Kieferseite, die Schmerzen waren woanders. Erst beim genauen Hinschauen fiel auf, dass eigentlich nichts stimmte.

6.2.2019: Probleme lösen

„Liebes Tagebuch, heute war wieder ein guter Tag.“ Muss eins ja auch mal sagen. Ich habe gleich für zwei Probleme Lösungen gefunden oder zumindest neue Ansätze, die ich ausprobieren kann. Eines beschäftigte mich schon monatelang. Manchmal liegt über den einfachsten Dinge ein bleierner Schleier. Ich weiß, dass irgendwo in meinem Kopf schon die Lösung liegt, aber ich finde sie nicht. Bei den wichtigeren schubse ich ihn immer wieder an, bis der Knoten sich löst. Alles andere bleibt einfach liegen.

Ein häufiger Ratschlag in dieser Situation ist, „einfach mal loszulassen“. Nur wie etwas loslassen, von dem eins nicht weiß wo es ist, aber dass es da ist? Immer mit der vagen Angst, es könne verderblich sein. Bisher ist das meiste gut gegangen. In den immer lichteren Momenten des letzten Jahres habe ich Stück für Stück selbst uralte Punkte der To-Do-Liste abgehakt.

Loslassen geht danach übrigens sehr einfach.

5.2.2019: Badewanne

Bloggen aus der Badewanne. Geiler Scheiß, den Smartphones da möglich machen. In der Küche köchelt schon mal der Reis im Kocher. Weil ich welchen verschüttet habe, düst darunter der Staubsaugerroboter rum. Heimautomatisierung. Noch so ein geiler Scheiß. Ich liebe diese Maschinen, besonders, wenn sie mit einem Timer passend an- und ausgestellt werden können. Alles, was ich in guten Momenten vorbereiten kann, damit es später egal ist, wie es mir geht.

Gestern hab ich das vergessen. Was nicht schlimm wäre, wenn ich nicht mit fiesesten Kopfschmerzen aufgewacht wäre. Mein Körper verlangte nach Wärme, der Badewanne, einem Tag im Bett. Leider war meinem Kopf klar, dass nichts außer einer Ibu helfen würde. Wofür es Frühstück braucht, damit ich nicht ein medizinisches Problem gegen das nächste eintausche. Statt noch superproduktiv die fertige Spülmaschine auszuräumen hieß es abwarten auf den Moment, an dem mein Körper kurz genug Energie beisammen und die Schmerzen vergessen hatte, um aufzustehen. Ein Stück zu heiß duschen, um die Schmerzen weiter zu vertreiben. Gerade so dass es reicht, endlich zu frühstücken. Hätte ich das gestern mal vorbereitet, alles wär einfacher gewesen.

Tag im Bett ging natürlich nicht, weil ich gestern (als es mir äußerst gut ging) noch eine Last-Minute-Aufgabe angenommen und genau so weit fertig hatte, dass jede Übergabe wiederum eine Menge Arbeit nach sich gezogen hätte. Überhaupt: Gestern. Hatte ich zu lang gearbeitet, weil es ein guter Tag war? Statt zu Haus zu baden einen Workshop weitergeplant, weil sich ein paar Aufgaben anboten? War es beim Joga vielleicht zu kalt im Zimmer? So wird es weniger Tagebuchbloggen als Vortagsbloggen. Kranksein und Schmerzen zwingen eins mit ihrer Unwägbarkeit immer wieder neues Reflektieren auf. Jeder Plan könnte sich gleich in Luft auflösen. Von außen sehen wir oft unflexibel aus, dabei ist das Leben mit chronischer Krankheit von innen hyperflexibel.

Inzwischen ist der „Außenschmerz“ weg, eine Art Schleier, die eine Weile alles überdeckt, bis nur noch kleine Schmerzpunkte überbleiben. Ich merke, wie der Schädelknochen drückt, wo Muskeln und Sehnen ziehen. Vermutlich war gestern völlig egal und mein kaputtes Gelenk hat sich über Nacht ein winziges Stück zurückgeschoben, zurück in seinen Originalzustand. Der Arzt hatte bei der letzten Begutachtung darauf gehofft. Ich hätte es fast lieber, es bliebe bei „nicht ganz heile“, weil jedes Stückchen Verbesserung erstmal so hart erkauft ist. Bis dahin bleibt mir die Badewanne. Sie ist ein bißchen kalt geworden.

4.2.2019

Die Ibu wirkte gestern irgendwann soweit, dass ich schlafen konnte. Bis dahin tat der Kopf weh, mein Gesicht, der Nacken sowieso, einige Zähne, mir war leicht übel. Es krampfte im Unterleib, Armen, Beinen. Eigentlich überall. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich ein Muster. Es beginnt rechts oben, von der Schläfe bis in die Nase. Links dann Zähne. Rechts der Nacken. Wieder links in der Schulter. Der Unterleib ziept rechts, aber links kippt die Hüfte, bis zum Ziehen im rechten Fuß. Ich bin aus der Form geraten. Wurde zusammengestaucht und verdreht, falle an den Seiten wieder heraus und reibe mich auf. Die Behandlung ist sprichwörtliches Geradeziehen, seit einem Jahr bereits. Aber oft genug krampft es mich noch zusammen. Mein Körper führt da ein Eigenleben und das Wirken von Jahrzehnten wieder rückgängig zu machen ist nicht so einfach.

Dazu gehört leider auch: Anrufen. Heute morgen wollte ich zwei Dinge regeln. Ich hab’s klingeln lassen. Lange. Ich hasse es so, wenn ich an der anderen Seite in der Arztpraxis stehe und es bimmelt und alle sind beschäftigt. Hilft alles nichts. Neun Anrufe später, nachmittags, habe ich einen Punkt erledigt. Das nächste Mal werde ich angerufen. Immerhin.

3.2.2019

Blogpost überlegt. Über das Aufräumen und wie es mit half, jeden Tag zu überstehen. Genauer gesagt: Das Leben umzuräumen, um den Schmerz herum. An guten Tagen alles so zu legen, dass der Aufwand für die schlechten Tage möglichst klein ist.

Stattdessen gemerkt, wie der Nacken erst piekste und über das Ohr ein Kopfschmerz erwuchs. Jetzt heißt es still zu halten. Aushalten.

2/2/2019

Tagebuchbloggen. Ich jetzt auch? Im Januar habe ich mich jeden Tag auf die Yogamatte gestellt. Es lief Yoga with Adriene, bekannt aus diesem Internet. Ein paar Videos habe ich noch über von den Tagen, an denen mein regulärer Kurs lief. Und nicht jeden Tag: Einen Tag ging es mir zu schlecht, mein Körper hatte sich in Krämpfen verloren. Jetzt trotzdem Tagebuchbloggen. Irgendwann muss eins ja anfangen.

Vielleicht mit der Yoga-Challenge. Zeit-Redakteure mögen sie überflüssig finden – ich habe mittlerweile das dritte Jahr in Folge mitgemacht. Inzwischen sehr erfolgreich, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag. Vor drei Jahren musste ich mich auf die Matte quälen. Mein Körper brauchte jede Bewegung, aber mein Kopf war wie ein Eichhörnchen. Oh, ein Fussel auf der Matte, die Pflanze hat kein Wasser und warum liegt hier noch ein Pulli rum? Wer lange genug um den eigenen Körper kämpft, kämpft irgendwann auch mit dem eigenen Kopf.

Wie habe ich das eigentlich überlebt? Jahrelang jeden Tag verkrampft aufzuwachen, völlig erschöpft von der Nacht, und erstmal damit beschäftigt, wieder Kräfte zu sammeln? Bin jeden Tag zur Arbeit gegangen, merkte, wie mein Kopf fahriger wurde und abends höchstens Law and Order statt The Wire mitmachen konnte. Abends bin ich dann ins Bett gefallen, mit bleierner Schwere in den Beinen. Hauptsache der Tag war vorbei. Vielleicht würde es morgen besser werden. Meistens nicht. Heute schon. Jeden Tag ein bißchen. Vielleicht erzähle ich morgen mehr.

Ein bißchen Menschenfeindlichkeit gibt es nicht

Seit Monaten zeigen Umfragen, dass die Menschen in Deutschland Themen wie der Pflegenotstand, der Mangel an günstigem Wohnraum oder die Zukunft der Bildung umtreiben. Dennoch ließ Jens Spahn, der als Gesundheitsminister die Hauptsorge „Pflege“ verantwortet, am Mittwoch verlautbaren, das Ticket zum CDU-Vorsitz sei die Flüchtlingsdebatte. Sein Konkurrent Friedrich Merz erzählte zwar zur gleichen Zeit, er wolle den Leuten zuhören, ließ dann aber die Gelegenheit verstreichen, mit dem dokumentierten Interesse an anderen Themen zu punkten. Das zeigt: Hören auf den Bürgerwillen ist derzeit nur eine hohle Phrase.

GroKo: Wir müssen den Leuten zuhören.
Leute: Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, wohnortnahe medizinische Versorgung und Maßnahmen gegen den Klimawandel.
GroKo: Ah, Flüchtlinge!

The End.

Stattdessen ernten wir die Saat, die AfD und rechte Initiativen in den vergangenen Jahren gesät haben, um den Diskurs zu vergiften. Wir haben sie solange reden lassen und ihrer Menschenfeindlichkeit zugehört, dass es kaum noch denkbar scheint, dass die Meisten in diesem Land andere Ansichten haben.

Klar könnte wir weiter über Flüchtlinge reden. Über die mehr als 1500 Flüchtenden, die alleine in diesem Jahr im Mittelmeer umgekommen sind. Über die rund drei Millionen Flüchtlinge, die in der Türkei trotz Milliardenzahlungen oft obdachlos sind. Über die tödlichen Grenzen in Afrika, für die die EU ebenfalls Milliarden ausgibt. Das ist natürlich nicht gemeint. Vermutlich eher Fragen, ob diese Geflüchteten nicht doch alle Kriminelle seien, dass wir noch mehr von ihnen in Lager sperren sollten und am Besten gleich alle abschieben müssen. Kurz: menschenverachtende Fragen.

Aber „ein bißchen Menschenfeindlichkeit“ gibt es nicht. Einmal aus der Flasche gelassen, sickert sie durch alles hindurch. Wer anfängt, einige Menschen auszuschließen und dabei ihren Tod in Kauf nimmt, hat jeglichen Anstand und Respekt vor Menschenleben schon verloren. Jedes einzelne Leben als Kollateralschaden wäre schon zuviel und mit tausenden Toten sind wir darüber lange hinweg. Wo sollte man dabei aufhören? „2000 Tote im Mittelmeer sind im Jahr genug, dann probieren wir etwas anderes“. Nein. Bei dieser Politik gibt es keine Obergrenze, sie nimmt die Toten einfach hin, bis keiner mehr über bleibt.

Die Sorgen um Klimawandel, Wohnraum und Pflegenotstand sind keine Luxusprobleme, sondern um die Erfüllung von Grundbedürfnissen. Sie stehen für die Angst um das eigene Überleben und das unserer Kinder und Enkel. Dass diese Themen hintenan stehen, zeugt im besten Fall von Respektlosigkeit gegenüber der Bevölkerung und im schlimmsten Fall von menschenfeindlicher Verachtung.

„Seit ihrer NSU-Rede, in der sie die Opferangehörigen um Entschuldigung bat, hatte [Angela Merkel] diese rote Linie. Sie sagte niemals mehr etwas gegen Muslime, gegen Türken, irgendetwas, das ausschließend wirken könnte. Diese rote Linie ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Denn Deutschland ist nur komplett mit seinen Muslimen, seinen Juden, seinen Arbeitslosen und FDP-Wählern […]. Wenn Angela Merkel auch als Kanzlerin geht, nimmt sie ihre rote Linie mit.“

Das schrieb Mely Kiyak gerade über das nahende Ende der Ära Merkel. Merkel und ihre rote Linie gehen. Über dem Umgang mit Asylsuchenden bestimmen weiter – entgegen allen Umfragen – Seehofer und Maaßen, die mit dem zutiefst zynischen Begriff „Asyltourismus“ die Grenzen des Sagbaren verschoben haben. Schon jetzt zeichnet sich ab, wohin die deutsche Politik in den nächsten Jahren gehen wird, noch dazu die der christlichen Parteien, und es macht mir Angst. Ein bißchen Menschenfeindlichkeit gibt es nicht.

Ein popkultureller Rückblick auf (mein) 2017

Letztes Jahr gab es gar keinen Rückblick hier – zwischen Weihnachten und Neujahr war ich unterwegs und die Zeit lief davon. Dieses Jahr ist es die letzte Sekunde und knapp zusammengestellt, aber immerhin! Dafür habe ich die Kommentare geöffnet für Diskussionen und Fragen zu diesen ausgewählten Empfehlungen. Enjoy!

Bücher

Ich bin endlich zur Science-Fiction zurückgekehrt. Ich habe die Ancillary-Reihe von Ann Leckie angefangen, die Expanse-Serie und die Three-Body-Reihe von Cixin Liu. Bei den Comics habe ich die Bitch Planets von Kelly Sue DeConnick endlich nachgelesen.
Abseits der Sci-Fi habe ich die Bücher von Zitkala-Ša gelesen, die zu den ersten Veröffentlichungen der nordamerikanischen Ureinwohner_innen gehören und den Übergang vom traditionellen Leben zum aufgezwungenen „modernen“ Leben mit christlichen Internaten und Reservaten, in dem möglichst jede Erinnerung an zuvor unterbunden wurde.

Filme

Oh ja, Hidden Figures, Wonder Woman (da gibt’s sogar eine Rezension von mir) und Die letzten Jedi.
Aufgeholt habe ich die Dokus Ukraine is Not a Brothel über Pussy Riot, Paris is Burning über die New Yorker Ballroom-Kultur der 80er, Whore’s Glory über Sexarbeiterinnen, Growing Up Coy über den Kampf einer Familie, damit ihre Tochter als Mädchen zur Schule gehen darf, und Pay it No Mind über Marsha P. Johnson (nicht den Netflix-Mist, der auf der Arbeit einer Schwarzen Trans Filmemacherin aufbaute, ohne dies wirklich deutlich zu machen).
Schon „etwas“ älter ist The Curse of Quon Gwon von einer der ersten Filmemacherinnen, Marion E. Wong, und nicht ganz einfach mit englischen Untertiteln zu sehen Mystère à la Tour Eiffel – ein viktorianischer Krimi mit einem lesbischen, interracial Paar.

Serien

Fund des Jahres ist One Day at a Time auf Netflix, der kubanisch-amerikanische Reboot einer Familienserie mit alleinerziehender Mutter. Star Trek Discovery lässt mich immer noch mit gemischten Gefühlen zurück (I was briefly in a podcast). Nicht so bekannt, aber ebenfalls Highlights waren Crazyhead, Wynonna Earp und iZombie für alle Buffy-Cravings bzw. eine Zombie-Krimiserie. Sci-Fi kann ich hier mit SyFy-Serien gleichsetzen: The Expanse (ja, noch mal), Killjoys und Dark Matter.

Podcasts

Im Zuge von Star Trek Discovery habe ich ALL the Podcasts gehört: Die FREQcast Recaps, Anomaly (siehe oben), Angel Two und Highly Logical. Außerdem den Verity-Podcast zu Doctor Who mit zahlreichen Expertinnen, das neue Popradar (auf Deutsch) und den CNC-Maschinenpodcast G4 hab ich auch nachgehört.

Ansonsten bin ich vor allem immer noch zu Pokémon Go durch die Welt spaziert. JAHA, IMMER NOCH!

Best of Nine 2017: Bilder von den Rocky Mountains, Niagara Fällen, im Ladies is Gender Neutral Shirt und mit Frauenkampftagssymbol auf den Fingernägeln

Guten Rutsch 🙂