14.2.2019 – Notstand

Gerade erst habe ich endlich einen Podcast über die Wirkung von Wörtern gehört, der wirklich unfassbar gut wäre – wenn die interviewte Wissenschaftlerin nicht Trump als eine Art Genie betrachtete. Und ausklammert, dass er am Ende rund 3 Millionem weniger Stimmen beisammen hatte als Clinton. Rhetorik, die seine Fans wollen und das politische Klima vergiftet, die kann er. Ein Wahlsystem, dem seine rassistischen Wurzeln bis heute anzusehen sind, tut sein übriges. Aber Genie? 🙄

Jetzt droht Trump mit einem nationalen Notstand. Es ist schon fast absurd, wie schnell nach den Congresswahlen er beim letzten Mittel angelangt ist, während Obama bis heute Häme einstecken muss, dass er in einer schlechteren Ausgangsposition immer noch einiges an Politik gewuppt hat. Morgen werden sie dann kommen, die Thinkpieces, über Trump das Genie, das endlich einmal den Notstand ausruft. 🙄

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13.2.2019 – Zeitlupe

Nach zu wenig Schlaf völlig verkrampft aufgewacht. Durch solche Tage gehe ich wie in Zeitlupe. Einen Schritt vor den anderen. Schlimm ist das Gefühl der Unproduktivität. Fast nichts geschafft und das im Schneckentempo. Warum nur tackern wir soviel Wert auf ominöses Schaffen? Warum lege ich soviel Wert darauf?

Manchmal ist der radikalste Akt das Überleben – irgendwo in feministischen Debatten der letzten Jahre habe ich diesen Gedanken aufgeschnappt. Wenn ich in die Produktivitätskrise gerate, hole ich ihn wie ein Mantra hervor. Erstmal Überleben. Aufräumen kann ich morgen noch.

13.2.2019 – Papier für die Bürokratie

Einen Riesen Stapel Papier mit meinem Leben ausgefüllt und unterschrieben und gelocht, damit ich ihn morgen zur Post bringen kann. Neben den toten Bäumen und der vielen Zeit eine Menge emotionaler Arbeit mit ungewissem Ausgang.

Und: ein emotionales Nackigmachen. Lebensqualität gibt’s hierzulande nur bei heruntergelassener Hose. Nein, das widerspricht sich doch.

Also, etwas mehr Lebensqualität gibt es nur, wenn eins woanders darauf verzichtet.

Wer chronisch krank ist, begegnet dieser Einstellung leider immer wieder. Irgendwer(TM) könnte das System ausnutzen und sich das Leben ungerechtfertigt zu schön machen. Also leisten wir uns riesige bürokratische Apparate mit Kontrollen vorher und hinterher und alle innendrinnen stehen unter Rechtfertigungsdruck, zusätzlich zum Kranksein. Kostet sehr viel Geld und macht niemandem Spaß – ein umwerfender Deal, den wir uns da leisten.

11.2.2019 – Aufklärung aus dem Gesundheitsministerium

Gerade eine Mail geschickt, ans Bundesministerium für Gesundheit. Seit über 10 Jahren schaut dieses Ministerium mehr oder weniger zu, wie immer mehr Kreißsäle die Türen schließen. Wie die ambulante Versorgung der Schwangeren und frischgebackenen Eltern durch Hebammen zusammenbricht – bis sie demnächst mit ihren Winzlingen ohne ausgebildetes Immunsystem in den Praxen zwischen den Kindergartenkindern mit ihren grippalen Infekten und Rotznasen sitzen müssen. Ach ne, seit zwei Jahren ist „Kinderarztmangel trotz ‚Überversorgung‘“ eine wiederkehrende Schlagzeile und befreundete Eltern lassen sich nach Hebamme und Krippe auf weitere Wartelisten setzen. Mit Kind_ern hat eins garantiert Besseres zu tun, aber so isses halt.

Es gäbe also wahrlich genug zu tun. Stattdessen gibt es fünf Millionen Euro für die Erforschung eines Syndroms, für das es nach vorhandenen wissenschaftlichen Studien keinen Beleg gibt (#junkscience). Darüber informiert zum Glück noch eine Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die eine Behörde des Gesundheitsministeriums ist. Sinnvolle Maßnahmen gegen beobachtete Probleme wären laut Forschung übrigens die Entstigmatisierung von Abtreibungen und bessere soziale und medizinische Unterstützung der Betroffenen. Vorschläge zur Umsetzung aus dem Ministerium: Erstmal keine. Also habe ich es einigen Freundinnen gleich getan. Nur weil die deutsche Gesundheitspolitik seit Jahren unterirdisch ist, muss sie das ja nicht bleiben.

Weitere Fragen, die es dabei zu klären gilt:

Wer bekommt das Geld, um diese Studie durchzuführen? Nach welchen Kriterien wird die Studie durchgeführt? Nach welchen Kriterien werden die ausgesucht, die sie durchführen, wie unabhängig sind sie? Sitzt gerade jemand mit dem Po auf der Kante eines_ihres Bürostuhls und wartet auf die Details, um als erste_r einen Drittmittelantrag zu schreiben?

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9.2.2019 – Schlaf

Eigentlich bin ich schon zu müde, doch mein Unterbewusstsein lässt mich nicht schlafen, wie sonst eigentlich nur, wenn ich vergesse, den Wecker zu stellen.

Heute war so ein 50-Prozent-Tag. Keine Schmerzen, nur so eine Grundanspannung, die Energie frisst. Der Tag war leicht schief. Gerade so, dass alles rumpelt, immerhin nichts komplett daneben geht aber es einfach zu anstrengend wäre, alles wieder gerade zu biegen. Ich muss mir die Arbeit gut einteilen. Immer wieder.

8.2.2019 Wochenende

Nach Speckendicken und Berliner Luft sind Tag und Woche um und etwas unerwartet gibt es keine weiteren Verpflichtungen. Also, außer einem Besuch der Post, Friseurinnentermin, etwas Putzen und „nicht verhungern“. Vielleicht noch Yoga und etwas Self Care. Wenn nicht Schmerzen dazwischen kommen.

Ob die Zeit ausreicht, Grace & Frankie endlich zu schauen? One Day at a Time ist auch wieder da und Russian Doll soll gut sein. Große Pläne, zumindest für mich.

7.2.2019 Hinschauen

Nach fast einer Woche Tagebuchbloggen setzt sie ein, die Sprachlosigkeit. Heute war noch ein guter Tag. Zumindest auf den ersten Blick. Wer genauer hinschaut sieht, wir hier und dort Dinge verloren gehen, Pläne langsam zerbröckeln.

Ich merke, wie mein Kiefer weiter arbeitet und Zähne umstellt. Am Ende sollen sie Joy sparken. Immerhin passiert das gerade auf der Seite mit dem heilen Gelenk, vielleicht ist morgen also wieder ein guter Tag.

Apropos: auf den ersten Blick sah alles gut aus mit dieser Kieferseite, die Schmerzen waren woanders. Erst beim genauen Hinschauen fiel auf, dass eigentlich nichts stimmte.

6.2.2019: Probleme lösen

„Liebes Tagebuch, heute war wieder ein guter Tag.“ Muss eins ja auch mal sagen. Ich habe gleich für zwei Probleme Lösungen gefunden oder zumindest neue Ansätze, die ich ausprobieren kann. Eines beschäftigte mich schon monatelang. Manchmal liegt über den einfachsten Dinge ein bleierner Schleier. Ich weiß, dass irgendwo in meinem Kopf schon die Lösung liegt, aber ich finde sie nicht. Bei den wichtigeren schubse ich ihn immer wieder an, bis der Knoten sich löst. Alles andere bleibt einfach liegen.

Ein häufiger Ratschlag in dieser Situation ist, „einfach mal loszulassen“. Nur wie etwas loslassen, von dem eins nicht weiß wo es ist, aber dass es da ist? Immer mit der vagen Angst, es könne verderblich sein. Bisher ist das meiste gut gegangen. In den immer lichteren Momenten des letzten Jahres habe ich Stück für Stück selbst uralte Punkte der To-Do-Liste abgehakt.

Loslassen geht danach übrigens sehr einfach.

5.2.2019: Badewanne

Bloggen aus der Badewanne. Geiler Scheiß, den Smartphones da möglich machen. In der Küche köchelt schon mal der Reis im Kocher. Weil ich welchen verschüttet habe, düst darunter der Staubsaugerroboter rum. Heimautomatisierung. Noch so ein geiler Scheiß. Ich liebe diese Maschinen, besonders, wenn sie mit einem Timer passend an- und ausgestellt werden können. Alles, was ich in guten Momenten vorbereiten kann, damit es später egal ist, wie es mir geht.

Gestern hab ich das vergessen. Was nicht schlimm wäre, wenn ich nicht mit fiesesten Kopfschmerzen aufgewacht wäre. Mein Körper verlangte nach Wärme, der Badewanne, einem Tag im Bett. Leider war meinem Kopf klar, dass nichts außer einer Ibu helfen würde. Wofür es Frühstück braucht, damit ich nicht ein medizinisches Problem gegen das nächste eintausche. Statt noch superproduktiv die fertige Spülmaschine auszuräumen hieß es abwarten auf den Moment, an dem mein Körper kurz genug Energie beisammen und die Schmerzen vergessen hatte, um aufzustehen. Ein Stück zu heiß duschen, um die Schmerzen weiter zu vertreiben. Gerade so dass es reicht, endlich zu frühstücken. Hätte ich das gestern mal vorbereitet, alles wär einfacher gewesen.

Tag im Bett ging natürlich nicht, weil ich gestern (als es mir äußerst gut ging) noch eine Last-Minute-Aufgabe angenommen und genau so weit fertig hatte, dass jede Übergabe wiederum eine Menge Arbeit nach sich gezogen hätte. Überhaupt: Gestern. Hatte ich zu lang gearbeitet, weil es ein guter Tag war? Statt zu Haus zu baden einen Workshop weitergeplant, weil sich ein paar Aufgaben anboten? War es beim Joga vielleicht zu kalt im Zimmer? So wird es weniger Tagebuchbloggen als Vortagsbloggen. Kranksein und Schmerzen zwingen eins mit ihrer Unwägbarkeit immer wieder neues Reflektieren auf. Jeder Plan könnte sich gleich in Luft auflösen. Von außen sehen wir oft unflexibel aus, dabei ist das Leben mit chronischer Krankheit von innen hyperflexibel.

Inzwischen ist der „Außenschmerz“ weg, eine Art Schleier, die eine Weile alles überdeckt, bis nur noch kleine Schmerzpunkte überbleiben. Ich merke, wie der Schädelknochen drückt, wo Muskeln und Sehnen ziehen. Vermutlich war gestern völlig egal und mein kaputtes Gelenk hat sich über Nacht ein winziges Stück zurückgeschoben, zurück in seinen Originalzustand. Der Arzt hatte bei der letzten Begutachtung darauf gehofft. Ich hätte es fast lieber, es bliebe bei „nicht ganz heile“, weil jedes Stückchen Verbesserung erstmal so hart erkauft ist. Bis dahin bleibt mir die Badewanne. Sie ist ein bißchen kalt geworden.