1.3.2019 – Schlaf

Da war der Monat rum. Tagebuchbloggen, also das mit jedem Tag bloggen, ist vermutlich nicht so meins. Hier und da Zusammenfassen schon.

So langsam sickert auch die Erkenntnis ein, dass es wirklich nie wieder so schlimm wird, wie es zwischendurch war. Vielleicht wegen einer anderen Krankheit, aber das wär eine neue Baustelle. Letzte Woche haben wir Fotos verglichen: vor Beginn der Therapie und jetzt. Wie um wenige Millimeter verschobene Knochen die Muskulatur so kaputt machen können und wie deutlich sichtbar selbst so winzige Abweichungen auf einmal sein können.

Mit einem Ziel in Aussicht, geht es an die nächste Herausforderung. Ich habe mir vorgenommen, mehr zu schlafen. Gesund zu werden und eine über 20 Jahre aufgebaute Fehlhaltung loszuwerden ist unfassbar anstrengend. Jahrelang habe ich außerdem miserabel geschlafen und bin morgens ständig völlig gerädert aufgewacht. Da ist noch einiges nachzuholen.

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17.2.2019 – Abgehakt

Samstag einfach abgehakt. Nichts schlimmes, muss „man“ durch und wenigstens kann ich mir verschlafene Wochenendtage leisten. Dafür den Sonntag ein Kind (nicht meines) an die Hand genommen, Tieren und Bäumen ein Hallo zugerufen, die Hand geklemmt und wieder gekühlt. Gegenseitig die Schuhe zugemacht (Klettverschlusstreter ftw) und die Zähne geputzt* (Zahnspange … naja). Sonntag abgehakt.

*Bald meine Drittkarriere: Eltern teure Workshops andrehen, in denen ihre Kleinkinder mir die Zähne putzen (und ich ihre).

15.2.2019 – Notdienst

Bester Start ins Wochenende: Weil die Zähne schmerzen, am Freitag Abend in die Notfallsprechstunde gegangen. Zwei Zähne sehen plötzlich aus, als sei etwas herausgebrochen. Der Rest vom Kopf schmerzt auch wieder. Alles „normal“ bei Kieferorthopädie, die Schmerzen müsse ich einfach aushalten. Könnte ein schlimmeres Ergebnis sein. Aber.

Ich bin so müde, wie da so ein „Luxusproblem“ durchschimmerte. Selbst wenn ich könnte, will ich nicht 20 Jahre Krankheitsgeschichte auf den Tisch legen müssen. Kann ich nicht mal, die Zeit reicht gar nicht und im kohärenten Zustand bin ich auch nicht mehr. Stattdessen ärgere ich mich noch, nicht morgens in der richtigen Abteilung angerufen zu haben. Der Morgen ging schon für einen Orthopädie-Termin drauf, dann ging es eine Weile besser und schließlich war es Freitag Nachmittag.

Schmerzen interessieren sich nicht für Öffnungszeiten und Papierkram. Ich muss alles drei im Blick haben – plus die Leute, denen das nicht klar ist. Ich bin so müde.

13.2.2019 – Zeitlupe

Nach zu wenig Schlaf völlig verkrampft aufgewacht. Durch solche Tage gehe ich wie in Zeitlupe. Einen Schritt vor den anderen. Schlimm ist das Gefühl der Unproduktivität. Fast nichts geschafft und das im Schneckentempo. Warum nur tackern wir soviel Wert auf ominöses Schaffen? Warum lege ich soviel Wert darauf?

Manchmal ist der radikalste Akt das Überleben – irgendwo in feministischen Debatten der letzten Jahre habe ich diesen Gedanken aufgeschnappt. Wenn ich in die Produktivitätskrise gerate, hole ich ihn wie ein Mantra hervor. Erstmal Überleben. Aufräumen kann ich morgen noch.

13.2.2019 – Papier für die Bürokratie

Einen Riesen Stapel Papier mit meinem Leben ausgefüllt und unterschrieben und gelocht, damit ich ihn morgen zur Post bringen kann. Neben den toten Bäumen und der vielen Zeit eine Menge emotionaler Arbeit mit ungewissem Ausgang.

Und: ein emotionales Nackigmachen. Lebensqualität gibt’s hierzulande nur bei heruntergelassener Hose. Nein, das widerspricht sich doch.

Also, etwas mehr Lebensqualität gibt es nur, wenn eins woanders darauf verzichtet.

Wer chronisch krank ist, begegnet dieser Einstellung leider immer wieder. Irgendwer(TM) könnte das System ausnutzen und sich das Leben ungerechtfertigt zu schön machen. Also leisten wir uns riesige bürokratische Apparate mit Kontrollen vorher und hinterher und alle innendrinnen stehen unter Rechtfertigungsdruck, zusätzlich zum Kranksein. Kostet sehr viel Geld und macht niemandem Spaß – ein umwerfender Deal, den wir uns da leisten.

9.2.2019 – Schlaf

Eigentlich bin ich schon zu müde, doch mein Unterbewusstsein lässt mich nicht schlafen, wie sonst eigentlich nur, wenn ich vergesse, den Wecker zu stellen.

Heute war so ein 50-Prozent-Tag. Keine Schmerzen, nur so eine Grundanspannung, die Energie frisst. Der Tag war leicht schief. Gerade so, dass alles rumpelt, immerhin nichts komplett daneben geht aber es einfach zu anstrengend wäre, alles wieder gerade zu biegen. Ich muss mir die Arbeit gut einteilen. Immer wieder.

8.2.2019 Wochenende

Nach Speckendicken und Berliner Luft sind Tag und Woche um und etwas unerwartet gibt es keine weiteren Verpflichtungen. Also, außer einem Besuch der Post, Friseurinnentermin, etwas Putzen und „nicht verhungern“. Vielleicht noch Yoga und etwas Self Care. Wenn nicht Schmerzen dazwischen kommen.

Ob die Zeit ausreicht, Grace & Frankie endlich zu schauen? One Day at a Time ist auch wieder da und Russian Doll soll gut sein. Große Pläne, zumindest für mich.