7.2.2019 Hinschauen

Nach fast einer Woche Tagebuchbloggen setzt sie ein, die Sprachlosigkeit. Heute war noch ein guter Tag. Zumindest auf den ersten Blick. Wer genauer hinschaut sieht, wir hier und dort Dinge verloren gehen, Pläne langsam zerbröckeln.

Ich merke, wie mein Kiefer weiter arbeitet und Zähne umstellt. Am Ende sollen sie Joy sparken. Immerhin passiert das gerade auf der Seite mit dem heilen Gelenk, vielleicht ist morgen also wieder ein guter Tag.

Apropos: auf den ersten Blick sah alles gut aus mit dieser Kieferseite, die Schmerzen waren woanders. Erst beim genauen Hinschauen fiel auf, dass eigentlich nichts stimmte.

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6.2.2019: Probleme lösen

„Liebes Tagebuch, heute war wieder ein guter Tag.“ Muss eins ja auch mal sagen. Ich habe gleich für zwei Probleme Lösungen gefunden oder zumindest neue Ansätze, die ich ausprobieren kann. Eines beschäftigte mich schon monatelang. Manchmal liegt über den einfachsten Dinge ein bleierner Schleier. Ich weiß, dass irgendwo in meinem Kopf schon die Lösung liegt, aber ich finde sie nicht. Bei den wichtigeren schubse ich ihn immer wieder an, bis der Knoten sich löst. Alles andere bleibt einfach liegen.

Ein häufiger Ratschlag in dieser Situation ist, „einfach mal loszulassen“. Nur wie etwas loslassen, von dem eins nicht weiß wo es ist, aber dass es da ist? Immer mit der vagen Angst, es könne verderblich sein. Bisher ist das meiste gut gegangen. In den immer lichteren Momenten des letzten Jahres habe ich Stück für Stück selbst uralte Punkte der To-Do-Liste abgehakt.

Loslassen geht danach übrigens sehr einfach.

5.2.2019: Badewanne

Bloggen aus der Badewanne. Geiler Scheiß, den Smartphones da möglich machen. In der Küche köchelt schon mal der Reis im Kocher. Weil ich welchen verschüttet habe, düst darunter der Staubsaugerroboter rum. Heimautomatisierung. Noch so ein geiler Scheiß. Ich liebe diese Maschinen, besonders, wenn sie mit einem Timer passend an- und ausgestellt werden können. Alles, was ich in guten Momenten vorbereiten kann, damit es später egal ist, wie es mir geht.

Gestern hab ich das vergessen. Was nicht schlimm wäre, wenn ich nicht mit fiesesten Kopfschmerzen aufgewacht wäre. Mein Körper verlangte nach Wärme, der Badewanne, einem Tag im Bett. Leider war meinem Kopf klar, dass nichts außer einer Ibu helfen würde. Wofür es Frühstück braucht, damit ich nicht ein medizinisches Problem gegen das nächste eintausche. Statt noch superproduktiv die fertige Spülmaschine auszuräumen hieß es abwarten auf den Moment, an dem mein Körper kurz genug Energie beisammen und die Schmerzen vergessen hatte, um aufzustehen. Ein Stück zu heiß duschen, um die Schmerzen weiter zu vertreiben. Gerade so dass es reicht, endlich zu frühstücken. Hätte ich das gestern mal vorbereitet, alles wär einfacher gewesen.

Tag im Bett ging natürlich nicht, weil ich gestern (als es mir äußerst gut ging) noch eine Last-Minute-Aufgabe angenommen und genau so weit fertig hatte, dass jede Übergabe wiederum eine Menge Arbeit nach sich gezogen hätte. Überhaupt: Gestern. Hatte ich zu lang gearbeitet, weil es ein guter Tag war? Statt zu Haus zu baden einen Workshop weitergeplant, weil sich ein paar Aufgaben anboten? War es beim Joga vielleicht zu kalt im Zimmer? So wird es weniger Tagebuchbloggen als Vortagsbloggen. Kranksein und Schmerzen zwingen eins mit ihrer Unwägbarkeit immer wieder neues Reflektieren auf. Jeder Plan könnte sich gleich in Luft auflösen. Von außen sehen wir oft unflexibel aus, dabei ist das Leben mit chronischer Krankheit von innen hyperflexibel.

Inzwischen ist der „Außenschmerz“ weg, eine Art Schleier, die eine Weile alles überdeckt, bis nur noch kleine Schmerzpunkte überbleiben. Ich merke, wie der Schädelknochen drückt, wo Muskeln und Sehnen ziehen. Vermutlich war gestern völlig egal und mein kaputtes Gelenk hat sich über Nacht ein winziges Stück zurückgeschoben, zurück in seinen Originalzustand. Der Arzt hatte bei der letzten Begutachtung darauf gehofft. Ich hätte es fast lieber, es bliebe bei „nicht ganz heile“, weil jedes Stückchen Verbesserung erstmal so hart erkauft ist. Bis dahin bleibt mir die Badewanne. Sie ist ein bißchen kalt geworden.

3.2.2019

Blogpost überlegt. Über das Aufräumen und wie es mit half, jeden Tag zu überstehen. Genauer gesagt: Das Leben umzuräumen, um den Schmerz herum. An guten Tagen alles so zu legen, dass der Aufwand für die schlechten Tage möglichst klein ist.

Stattdessen gemerkt, wie der Nacken erst piekste und über das Ohr ein Kopfschmerz erwuchs. Jetzt heißt es still zu halten. Aushalten.

2/2/2019

Tagebuchbloggen. Ich jetzt auch? Im Januar habe ich mich jeden Tag auf die Yogamatte gestellt. Es lief Yoga with Adriene, bekannt aus diesem Internet. Ein paar Videos habe ich noch über von den Tagen, an denen mein regulärer Kurs lief. Und nicht jeden Tag: Einen Tag ging es mir zu schlecht, mein Körper hatte sich in Krämpfen verloren. Jetzt trotzdem Tagebuchbloggen. Irgendwann muss eins ja anfangen.

Vielleicht mit der Yoga-Challenge. Zeit-Redakteure mögen sie überflüssig finden – ich habe mittlerweile das dritte Jahr in Folge mitgemacht. Inzwischen sehr erfolgreich, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag. Vor drei Jahren musste ich mich auf die Matte quälen. Mein Körper brauchte jede Bewegung, aber mein Kopf war wie ein Eichhörnchen. Oh, ein Fussel auf der Matte, die Pflanze hat kein Wasser und warum liegt hier noch ein Pulli rum? Wer lange genug um den eigenen Körper kämpft, kämpft irgendwann auch mit dem eigenen Kopf.

Wie habe ich das eigentlich überlebt? Jahrelang jeden Tag verkrampft aufzuwachen, völlig erschöpft von der Nacht, und erstmal damit beschäftigt, wieder Kräfte zu sammeln? Bin jeden Tag zur Arbeit gegangen, merkte, wie mein Kopf fahriger wurde und abends höchstens Law and Order statt The Wire mitmachen konnte. Abends bin ich dann ins Bett gefallen, mit bleierner Schwere in den Beinen. Hauptsache der Tag war vorbei. Vielleicht würde es morgen besser werden. Meistens nicht. Heute schon. Jeden Tag ein bißchen. Vielleicht erzähle ich morgen mehr.

Eheöffnung für (fast) alle – same procedure as always

Eine Wand mit beleuchteten Ikea-Kisten in Regenbogen-Farben

Im Nebensatz hat Angela Merkel am Montag abend vermutlich endlich eine breite Öffnung der Ehe über „Mann und Frau“ hinaus ermöglicht, doch eine „Ehe für alle“ ist damit nicht automatisch gegeben. Je nach Gesetzestext werden intersexuelle Menschen ausgeschlossen, die in Deutschland nicht mehr zwangsläufig ein Geschlecht zugewiesen bekommen. Eine vermeidbare Situation, würden Gesetze rund ums Thema Geschlecht endlich durchdacht.

Wie Lena Schimmel gestern auf Twitter anmerkte, heißt es im Entwurf des Bundesrats von 2015:

Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.

Mit dieser Formulierung wird voausgesetzt, dass es zwei (oder mehr) Geschlechter gibt und Personen eines davon haben. Bereits 2013 wurde allerdings das Personenstandsgesetz (PStG) § 22 Fehlende Angaben um den folgenden Absatz ergänzt:

(3) Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen.

Dass die Änderung des Personenstandsrechts Intersexen gar nichts bringen könnte, hatten Betroffene nach der Änderung bereits kritisiert. Keinen Geschlechtseintrag zu haben könne Kinder stigmatisieren. so die Befürchtung. Die Gesetzesänderung beruhte auf der Empfehlung des Deutschen Ethikrates – die allerdings eine dritte Geschlechtskategorie vorsah sowie die Möglichkeit, Kindern kein Geschlecht zuzuweisen, bis sie sich selbst entschieden hätten. Anschließend, fast auf den Tag genau vier Jahre her, lehnten CDU/CSU und die FDP Oppositionsanträge ab, mit denen SPD, Grüne und Linke kosmetische Genitaloperationen an Kinder verbieten und die Praxis historisch aufarbeiten wollten – zwei Hauptforderungen der Intersexen-Bewegung.

Was also ist mit Personen, die keine Angabe zum Geschlecht machen können oder wollen? Damals merkte die taz an, es seien in der nächsten Legislaturperiode sicher einige Gesetze anzupassen, die bisher nur von Männern und Frauen sprachen. Nun sind wir am Ende dieser Periode angelangt und es wird deutlich, dass seither nichts passiert ist. Noch viel schlimmer: Wird der Gesetzestext so verabschiedet, wird ausgerechnet beim Schlagwort der Ehe für ALLE ein Teil der Bevölkerung vergessen. Da war die vorige Bezeichnung „Homo-Ehe“ noch deutlich ehrlicher. Die gibt es übrigens bereits seit neun Jahren in Deutschland, weil Teile des Trans­sexuellen­gesetzes wie Zwangsscheidungen nicht mehr angewendet werden dürfen. Auch hier wird seit 12 Jahren rund um das Thema Geschlecht nur stückchenweise und ohne Rücksicht auf Betroffene reformiert.

Dieses schrittweise, gern widersprüchliche Vorgehen ist umso ärgerlicher, weil es immer wieder um dieselben Menschenrechte wie Gleichbehandlung, körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung geht. Sie müssen wiederholt eingefordert werden, statt sie einmal universell umzusetzen und sich danach viele Probleme zu ersparen.

Aber was soll man erwarten, wenn eine Gesetzesänderung nur kommt, weil die Kanzlerin bei einem Medientalk eine Publikumsfrage beantwortet?

[PS: Neben dieser Kritik gibt es bei „Ehe für alle“ auch die Frage nach rechtlicher Absicherung polyamorer oder nicht-romantischer Beziehungen.]

[PPS 1.7.17: Der Ratgeber des Lesben- und Schwulenverbands weist darauf hin, dass verheirateten Frauen nicht automatisch beide als Eltern eingetragen werden, wenn sie ein Kind bekommen. Dagegen sind Männer automatisch Väter, wenn ihre Frau ein Kind bekommt, ungeachtet der biologischen Zeugung.]

Engagieren gegen den Rechtsruck – nur wie?

Aktuell erklären deutsche Medien gerne, gegen die zunehmend rechten Tendenzen in der Gesellschaft bräuchte es mehr Engagement aus der bürgerlichen Mitte. Doch wer bei Bürgerinnen und Bürgern ansetzt, hat nicht verstanden, wie das Internet in den letzten zehn Jahren unsere Gesellschaft verändert hat. Und übersieht die Verantwortung von Politik und Medien.

Grafitti auf einer hellen Wand: FIGHT SEXISM

Seit Tagen schwirrt mir dieser Text im Kopf herum und immer, wenn ich ihn aufschreiben möchte, überlege ich es mir anders. Ich habe keine Lust, auf das, was danach passiert. Mein Bekanntenkreis wird müde mit dem Kopf nicken, bei Facebook vielleicht “Like” klicken und irgendwann eine private Nachricht schreiben „Respekt, dass Du das immer noch machst.“ Das. Das Engagieren, obwohl auf der anderen Seite des Internets der Hass herrscht.

Vor rund zehn Jahren war alles noch anders. Da begannen wir zu bloggen und zu kommentieren – gegenseitig und auch die Medien eröffneten Kommentarspalten. Doch es dauerte nicht lange, bis die Ersten vor dem Hass warnten, der sich im Internet Bahn zu brechen versuchte. Sprüche, die offline vielerorts verpönt sind, wurden online wieder offen geäußert. Die Utopie eines besseren Ortes zerfiel zusehends als klar wurde, dass selbst die Grundwerte des menschlichen Umgangs im Internet neu ausgehandelt werden mussten.

Leider haben viele Medien die zerstörerische Kraft der Hass-Kommentare zu lange unterschätzt. Eine laut brüllende Minderheit hat hart daran gearbeitet, dass neben ihnen selbst nur die übrig bleiben, denen alles egal ist. Wenn Facebook jetzt mehr Zivilcourage fordert, fehlt das Vertrauen, mit der Zivilcourage nicht am Ende alleine im Regen der Beschimpfungen zu stehen. Genauso sieht es bei den großen deutschen Medienplattformen aus.

Dann ist der Hass aus dem Netz zurückgeschwappt in die politischen Diskussionen der Offline-Welt. Die menschenverachtenden Aussagen rechter Gruppen und Parteien bekamen Nachrichtenwert. In ihrer eskalierenden Rhetorik gibt es derzeit scheinbar keinen Tiefpunkt, ab dessen Unterschreiten die Talkshoweinladungen ausbleiben, ab dem der Verfasser oder die Verfasserin sich für den demokratischen Prozess disqualifiziert hat.

In diesem Klima mehr Engagement zu fordern bedeutet zum Einen, die Konsequenzen nicht zu verstehen. Zum Anderen unterschlägt es die ehrenamtliche Arbeit, die viele Mitmenschen im vergangenen Jahr geleistet haben. Wer wochenlang Kleiderspenden sortiert, einen Sprachkurs organisiert oder eine geflüchtete Familie bei sich aufgenommen und begleitet hat, soll jetzt auch noch die Kommentarspalten der Republik retten?

Während diese Menschen beschäftigt waren, haben die hasserfüllten Schreihälse die politischen Debatten besetzt und Medien und Politik sind weitestgehend mitgegangen. Nun brennen in Deutschland täglich Heime für Asylsuchende (und alles, was danach aussieht), aber verurteilt wird kaum jemand. Längst ist klar, dass viele Täter_innen schon vorher offen rechtsextrem und damit kaum „unaufällig“ waren.

Heute stellt der deutsche Bundesinnenminister dann die Kriminalitätsstatistik vor, nach der es mehr als doppelt soviele rechtsmotivierte Straftaten gibt, die auch noch fast doppelt so stark gestiegen sind, wie die linksmotivierten. Seit Jahren zieht sich der Prozess gegen Beate Tschäpe wegen der Morde und Überfälle des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) hin, aber fünf verstorbene Zeug_innen und die vernichteten Akten des Verfassungsschutzes lassen Aufklärung unwahrscheinlicher denn je aussehen.

So haben sich stückchenweise öffentliche Debatten und die Grenze des Sag- und Machbaren verschoben und Politiker_innen und Medienleute haben mitgemacht – weil sie den Prozess nicht erkannt haben oder aus Angst, nicht ausgewogen zu berichten. Doch zu Politik und Berichterstattung in einer Demokratie gehört, selbst für ihre Eckwerte einzustehen und Verantwortung zu übernehmen. Das fängt bei unmoderierten Kommentarspalten an und endet bei der Frage, wie über gezielte Provokationen von rechts und fehlende Konsequenzen von eindeutigem Politikversagen berichtet wird. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können wir uns wieder über die Verantwortung der Einzelnen unterhalten.

[PS: Diesen Text schrieb ich im Mai und ließ ihn dann in meinen Entwürfen. In der aktuellen Debatte erscheint er mir wieder hochaktuell, weshalb ich ihn jetzt doch veröffentliche. Ergänzt wurde der letzte Absatz.]

On sexual abuse in Germany

You might have read my posts on Twitter on the shitty German laws when it comes to sexual abuse and worse. While many people (even anarchists) call for law enforcement right now to help them form an opinion, this is the worst idea. Coming with a trigger warning, here’s why:

You’ve probably also read the stories on jacobappelbaum.net. There’s a fair chance some events took place in Germany but unfortunately, right now, I don’t think any of this would lead to a sentence. Yes, forced kisses, even forced intercourse are not necessarily punished by the courts. How bad is it?

Right now, there’s an ongoing case of one woman who was sentenced to pay 24,000 Euros because she lost her case and was accused of false accusations. The attackers taped their assault and it was sent to media outlets as a „rape tape“. Many people who saw it, went to the police. But Gina-Lisa Lohfink only said “stop it” a couple of times and looked like she might pass out and right now, that’s not enough for a conviction. Add to that, that she’s a reality TV star and promoted safer sex for an erotic fair and you get press coverage full of slut-shaming.

Germany has also hotly debated the case of a teenage girl in 2012. She went to see a friend who was visited by her ex-boyfriend and another friend, too. The guy was known to be violent. At one point, he sent the women into the basement to have sex with the girl. She said „no“ but again, that was not enough for the court to rule it a rape. Because he did not lock the flat and she could have tried to run away. She didn’t because she was afraid and for good reason: he later beat up his ex-girlfriend. A crime, for which he was actually sent to jail.

If you look for cases when a rapist gets sentenced, it’s really the worst of the worst. When a guy explicitly tells a 13-year-old it’s either sex or he is going to beat up her boyfriend. Or when the victim jumps out of the window to flee after the attack.

The law requires a rape to be violent but law enforcement personnel usually only has a blurry concept of this violence, as law professor Ulrike Lembke stated in 2011. While there are 30 years of research on sexual abuse, police, prosecutors and jugdes still rely on gender stereotypes, sex myths and victim-blaming tropes, according to her. Yet, attitudes are changing. In 1997, raping your spouse was finally criminalized. But as more victims have come forward, conviction rates have dropped. About 20 years ago, 21.6% of reported rapes led to a conviction. In 2012, the number was down to 8.4% and, as Lembke noted, sentences were often quite lenient.

German feminist activists have called for a law reform for some time. The debate was picked up again after the events in Cologne on New Year’s Eve and other cities. Groups of men were apparently pick-pocketing and assaulting women. Since then, the country has discovered that only one of these accusations is actually a crime. And because many attackers were described as non-white the law on asylum seeking has been tightened while groping is still legal and wasn’t even included in the latest reform draft.

So, if you want to rely on German law enforcement to tell you when someone did something wrong, you’re looking at a broken system that has been failing victims of sexual assaults for years. You’re even putting them in danger of being sued for defamation. Do you really want that?

PS: It’s different at workplaces. There, you can be sued for putting a pin-up calendar on the wall or even making a sexual joke.

Computermuseum in Paderborn: Am Anfang war Ada

Letztes Wochenende war ich im Heinz-Nixdorf-MuseumsForum um die Ausstellung „Am Anfang war Ada“ über Pionierinnen der Computergeschichte anzuschauen sowie die Daueraustellung über Computergeschichte. Dazu hier gleich zwei Premieren: meine Bilder von Snapchat, hochgeladen als Story bei YouTube (inklusive dem am wenigsten furchtbaren Vorschaubild).

Eine ausführliche Rezension mit weiteren Bildern gibt es schon bei Femgeeks. In der Dauerausstellung sind mir, neben der äußerst knappen Abhandlung der Pionierinnen, noch weitere Kritikpunkte aufgefallen:

  • Dort wird das Wort „taubstumm“ verwendet, was nicht mehr zeitgemäß ist. Die meisten gehörlosen Menschen sind nur taub, nicht stumm.
  • Die Rolle der automatisierten Informationsverarbeitung im Dritten Reich wird quasi mit einem Satz abgefrühstückt, neben einem hübsch anzusehenden Arbeitsstubendeko. Neben der Hollerith-Maschine hängt ein Bild zur Volkszählung der Nazis, aber die Bedeutung der systematischen Erfassung der jüdischen Bevölkerung bleibt unklar.
  • An einer Wand neben den Schreibmaschinen hängt eine Sammlung an Postkarten aus den 20er Jahren, mit (Werbe-)Motiven über faule, heiratsgeile Sekretärinnen. Mindestens ein Bild zeigt auch Gewalt gegenüber einer Frau. Diese Bilder sind in keiner Weise kommentiert, um die Darstellungen einzuordnen, sondern sollen selbst die Einordnung der Exponate ermöglichen. Das wird, nachdem ich mich beschwert habe, jetzt überdacht.

Insgesamt hatte ich einen unterhaltsamen Nachmittag, habe viel gesehen und mich über 2 Raspberry Pis in einem Museum gefreut. Einiges, wie die alten Schreibmaschinen und Diktiergeräte, finde ich einfach faszinierend. Anderes, wie die nicht ganz so alten Handies und Taschenrechner zeigt, wie schnell sich derzeit unsere Gesellschaft verändert.

Wer noch die Ada-Ausstellung besuchen möchte, hat bis zum 10. Juli 2016 Zeit. Wer darüberhinaus über Informatikerinnen lernen möchte, sollte die Webseite des Projekts „Frauen-Informatik-Geschichte“ durchklicken. Die Exkursion wurde organisiert vom deutschen ingenieurinnenbund.

Das Manifest gegen den Alptraum

Grüner Hintergrund mit Aufschrift #Ausnahmslos

Das Jahr ist keine zwei Wochen alt und manchmal fühlt es sich bereits wie ein absoluter Alptraum an. An Silvester sind in einigen deutschen Städten Übergriffe geschehen, die mich seit jeher großstädtische Silvesterfeiern meiden lassen. Menschen warfen Böller und Raketen auf andere Menschen, Männer betatschten Frauen. Am Neujahrsmorgen schreibt die Polizei, alles sei normal gewesen.

Bei einem anderen Fest ist mir trotzdem so etwas passiert. Ich wartete alleine auf Freund_innen, die noch die letzten Minuten eines Konzerts anhörten. Während ich die Aushänge der örtlichen Tageszeitung studierte, boxte mir ein Mann in den Hintern. Ja, boxte! Als ich mich umdrehte, sah ich zwei Männer. Aus heute unerfindlichen Gründen rief ich ihnen hinterher. Sie versuchten erst, die Schuld einem jungen Schwarzen Mann in die Schuhe zu schieben, der aber einige Meter weit weg war. Anschließend entschuldigte einer der Beiden seinen Kumpel, der sei schließlich Ausländer. Österreicher. Haha. Unter grölendem Lachen zogen sie von dannen. Niemand hatte eingegriffen. Nachdem schon Jahre zuvor ein Veilchen nur zum Fallenlassen meiner Anzeige gereicht hatte, habe ich damals nichts mehr gemacht. Ich musste mir sogar noch von einem Freund anhören, ich solle mich nicht so darüber aufregen.

Was genau nun in Köln und den anderen Städten passiert ist, ist immer noch nicht rekonsturiert. Rasche Aufklärung wird gern gefordert, aber mit den (vor)eiligen Schlüssen schon debattiert. Ob und in welcher Form den Betroffenen geholfen wird, steht auch nirgendwo. Klar scheint nur zu sein, dass irgendwann jemand beschloß, endlich einmal die Anzeigen ernst zu nehmen. Und das viele der Anzeigen Täter beschrieben, deren Aussehen „nordafrikanisch“ oder Schwarz oder arabisch… jedenfalls nicht weiß war.

Seither ist diese absurde Debatte entbrannt, in der Menschen für Frauenrechte plädieren, die eben noch Blusenknöpfe als Auslöser für Übergriffe sahen und jetzt schon wieder Feministinnen sexualisierte Gewalt androhen, weil diese sich angeblich nicht gegen sexualisierte Gewalt ansetzen. Meine sieben Jahre Aktivismus, sieben Jahre Texte, Interviews und Aktionen sind auf einmal wie weggeblasen, weil ich nicht auf Kommando Stöckchen werfe.

Bevor eine sich umgucken kann, ist der Debattenkarren dann weitergeschoben. Schnellere Abschiebungen, mehr anlasslose Personenkontrollen und mehr Überwachungskameras sollen es richten. Übersetzt gesagt: mehr Rassismus, mehr Menschenfeindlichkeit und mehr Misstrauen. Die anlasslosen Personenkontrollen sind in Deutschland synonym mit rassistischen Kontrollen von Menschen, die nicht weiß aussehen. Sie stellen diese Menschen unter Generalverdacht und zeigen ihnen deutlich, dass sie sich jederzeit für ihre Existenz in diesem Land rechtfertigen müssen. Mehr Überwachungskameras? Mit den vorhandenen Kameras ist bereits ein Datenberg entstanden, der kein Verbrechen verhindert hat, aber viel Zeit für die Aufarbeitung benötigt.

Außerdem habe ich in den letzten Tagen in verschiedenen Städten massive Polizei­aufgebote gesehen. Hat die Polizei in einer Woche gelernt, Übergriffe durchgängig ernst zu nehmen? Geht das so schnell, wenn es sein muss? Selbst wenn – sexualisierte Übergriffe sind in Deutschland vielfach gar nicht strafbar. Der Griff an die Brust oder in den Schritt ist völlig legal. Bestraft wird schnell, wer sich dagegen wehrt. Ein Punkt, der derzeit allzu gerne ausgeblendet wird.

Stattdessen holt Heiko Maas einen alten Gesetzesvorschlag aus der Schublade, der so kurz greift, dass niemand behaupten kann, dort würden feministische Forderungen erfüllt. Der vom Kanzleramt (Chef: Peter Altmeier) erst vor wenigen Monaten abgesägt wurde, obwohl selbst die CDU das durchaus wollte. Der Entwurf schließt eine Lücke, die seit 2012 für viele Debatten und feministische Aktionen gesorgt hat. Ein 31-Jähriger wurde freigesprochen, weil die 15-jährige Betroffene nur Nein sagte und die Tür nicht abgeschlossen war. Am gleichen Abend hatte er eine Frau verprügelt, wofür er später verurteilt wurde, und das Mädchen wusste davon.

Jetzt hat sich die Debatte verdichtet. Leider soweit, dass statt der lange vorhandenen feministischen Forderungen nur rassistische Vorurteile und Überwachungsfantasien über bleiben. Das kann es nicht sein, dabei darf es nicht bleiben. Daher: Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. #ausnahmslos