Das war Babylon 5 – und dann?

Schon vor einiger Zeit habe ich Babylon 5 nun schon zu Ende geschaut. Nach den ersten gemischten Gefühlen ging es leider so weiter. Einerseits sind etwa Lyta Alexander und Susan Ivanova starke Charaktere und machen spannende Entwicklungen durch. Andererseits werden diese Entwicklungen in einem Maße an ihren (intimen) Beziehungen zu Männern aufgehangen, wie das umgekehrt nicht der Fall ist.

Zum einen setzen Fernsehserien leider viel zu oft darauf, dass die Protagonist_innen Single bleiben. Vermutlich aus der gleichen Logik heraus, aus der das Boybandsängern vorgeschrieben wird, damit sie als Projektionsflächen für die Zuschauer_innen und ihr Bedürfnis nach Beziehung dienen können. Dabei wird dann allerdings fast immer bei den männlichen Charakteren kein großes Ding daraus gemacht – Männer sind halt so und wollen nichts festes. Bei den weiblichen Charakteren ist es dagegen erklärungsbedürftig. Ivanova hat eine Bindungsphobie (als Frau!!einself!) und Alexander ist als Telepathin isoliert (und leidet sichtbar darunter).

Bei Captain Elizabeth Lochley, die im Vergleich zu den anderen Charakteren etwas zu kurz kommt, fiel mir noch etwas anderes auf. Im englischen Wikipedia-Eintrag der Darstellerin Tracy Scoggins heißt es, Lochley wäre in der fünften Staffel der “competent, troubled commander”, also kompetent, aber problembeladen. Im Charaktereintrag klingt das dann schon gemäßigter, dafür wird unglaublich viel auf ihr Äußeres und ihre Beziehungen zu Männern eingegangen. Bei „problembeladen“ musste ich spontan an Garibaldi denken – in seinem Wikipediaeintrag geht es im Überblick dagegen nur in einem Satz um seine Alkoholabhängigkeit und andere Probleme und gar nicht um seine Beziehungen zu Frauen.

Mit vielen guten Ansätzen war Babylon 5 eine super Serie, auch wenn z.B. die damals bestaunten Computergrafiken heute sehr anachronistisch aussehen. Aus feministischer Perspektive hätte man noch einiges besser machen können, aber wie wir bald feststellen werden, ging es in späteren Serien sogar wieder bergab!

Babylon 5 – ein paar feministische Gedanken

Vor kurzem habe ich mir die komplette Babylon 5-Box ausgeliehen und schaue die Serie gerade am Stück. Nach der ersten Staffel habe ich erst den Pilotfilm geschaut und war schon etwas überrascht. Im Vergleich zu der Serie, die sehr nach den neunziger Jahren aussieht, war der Pilotfilm irgendwie futuristischer, in einer achtziger Optik die teilweise sehr an Blade Runner erinnert.

Außerdem hat die Serie recht viel Applaus bekommen für die Behandlung seiner weiblichen Hauptcharaktere. Tatsächlich sind Ivanova und Delenn spannende Protagonistinnen, aber danach sieht es irgendwie düster aus. Talia Winters wurde mehr über ihre Beziehungen zu anderen definiert, denn als eigene Person. Kaum hatten sie und Ivanova eine Frauenfreundschaft etabliert, die zum Glück auch nichts mit Schönheitstips und Männergetuschel zu tun hatte, war wieder alles vorbei.

Ansonsten gibt es kaum weibliche Charaktere – Na’Toth ist irgendwann unerklärlicherweise verschwunden und alle anderen Nebencharaktere sind bisher Männer (Warren Keffer, Vir Cotto, Marcus Cole, Lennier, Bester, Morden, Garibaldis unbenannter Stellvertreter und Attentäter…). Darüberhinaus sind, von Cotto und Lennier abgesehen, diese Charaktere auch ausschließlich weiße, männliche Menschen. Lediglich die Position des Bordarztes scheint für den „Quotenschwarzen“ reserviert. Auf Dr. Kyle im Pilotfilm folgt Dr. Franklin. Außerdem gibt es, zumindest anfänglich, noch eine Frau mit asiatischem Hintergrund. Im Pilotfilm Laurel Takashima, die dem Studio ironischerweise wohl auch nicht weiblich genug auftrat. Auf Sinclair’s Exfrau Catherine Sakai folgt dann keine mehr, was aus ihr wurde, ob sie Sinclair geheiratet hat und ihm nach Minbar gefolgt ist oder weiter von Babylon 5 aus arbeitet, ist in der zweiten Staffel jedenfalls nicht aufgeklärt worden.

Noch ein Detail aus dem Pilotfilm: Als Sinclair mit Lyta Alexander durch den Aliensektor ging, sitzen die Aliens hinter durchsichtigen Folien, wie in einem öffentlichen Zoo. Alle anderen Quartiere sind natürlich mit normalen Türen ausgestattet.

Immerhin gab es seitdem z.B. Battlestar Galactica – dort wurden Gleichstellung und starke weibliche Hauptcharaktere wichtiger bzw. selbstverständlicher. Doch zunächst einmal zurück zur 3. Staffel…