Digitale Demenz dank Depublikation

In den letzten Tagen geistert das Stichwort der „digitalen Demenz“ durch die Gegend. Das Internet macht uns mal wieder blöd und süchtig oder so. Dabei gilt für das Internet das gleiche wie für Fernsehen und Druckerzeugnisse: Welche sich informieren möchte, hat neue Möglichkeiten (Wissensmagazine und Sachbücher), wer abschalten will kann zu Big Brother und Groschenheftchen greifen. Das Medium per se macht weder dumm noch klug.

Was aber nachhaltig verblödet, ist die Depublikationspflicht. So habe ich heute den Link zu einer arte Dokumentation über Intersexualität bekommen. „Tabu Intersexualität“ heißt sie, denn über das Thema wird nicht gerade täglich berichtet. Das einzige Problem: Sie ist nur noch 9 Stunden online, danach verschwindet sie in die Offlinewelt. Alle, an denen das vorbei gegangen ist, haben halt Pech gehabt. Aber warum lassen wir es zu, dass mit unseren (GEZ-)Mitteln finanzierte Sendungen wieder im Nirvana landen?

Wo ist der Bildungsauftrag hin, wenn sich nur wenige bilden können? Nur diejenigen, die in einer kurzen Zeit zufällig von etwas erfahren und genau dann auch Zeit haben, sich damit zu beschäftigen? Warum nehmen wir in Kauf, dass alle anderen nicht von dieser Sendung profitieren dürfen? Wir schreiben jetzt das 21. Jahrhundert und haben mit dem Internet die großartige Möglichkeit, Bildung jederzeit verfügbar zu machen. Dass wir genau das lassen, ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft.

Nein, die digitale Demenz kommt nicht daher, dass Internetnutzer_innen nicht wissen, wie sie mit dem Internet umzugehen haben. Digitale Demenz ist, dass arte das Internet zwingen muss, zu vergessen.

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