Wo bleiben die Lösungen? Über die #FsA14

Gestern war in Berlin die siebte Demo „Freiheit statt Angst“ und nach einigen Malen „dabei seins“, gar mitorganisierens, bedeutet sie mir inzwischen nichts mehr. Außer Ideenlosigkeit, die an meinem Leben völlig vorbei geht.

Die Schlagwörter um Snowden und Geheimdienste beherrschen die Rhetorik, Angstszenarien statt Freiheitsutopien die Werbebilder. Dabei sind das Überwachungstendenzen, die mit meinem Leben nichts zu tun haben. Es ist kein gutes Gefühl, das potentiell jeder Geheimdienst alles über mich weiß, aber die stehen auch nicht vor meiner Tür.

Überwachung und Angst statt Freiheit sind real. So real, dass vermutlich alle Betroffenen anderes zu tun haben, als die FsA zu organisieren. Abseits von Geheimdiensten ist Überwachung mit sofortigen Konsequenzen an der Tagesordnung. Für Hartz-IV-Bezieher_innen (die sich auch nicht unabgemeldet frei bewegen dürfen) und künftig noch stärker deren Partner_innen. Für Flüchtlinge, die sich manchmal immerhin bundeslandweit bewegen dürfen. Für Nicht-weiße Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe jederzeit mit „anlasslosen“ Kontrollen rechnen müssen. Für Schwangere und Eltern mit kleinen Kindern, die zwischen Übergriffen in die Intimsphäre und als unterstützend empfundenen Untersuchungen abwägen müssen. Für politisch aktive Frauen mit Meinung, denen von doxing bis Morddrohungen alles passieren kann.

Mehr als ein Bett für Snowden und erwartbar konsequenzlosen Forderungen nach Konsequenzen für Geheimdienste braucht es Ideen, Lösungen und Utopien für eine Gesellschaft ohne allgegenwärtige Überwachung. Edward Snowden vor einem Untersuchungsausschuss schafft keine Zählung der Zahnbürsten in WGs ab. Aber ein anderer Blick auf Flüchtlinge, Migration und Nationalität bringt neue Perspektiven in der Polizeiarbeit, die Vorratsdatenspeicherung will, weil sie an Ländergrenzen „scheitert“.

Stattdessen verkauft ihr uns einen Anzugträgerblock als normale Leute. Lösungen sehen anders aus.

PS: Siehe dazu auch Claudia Killian.
PPS: Ich weiß, dass es einen Hurenblock gab. Ein Block mit einem aktuellen konkreten Anliegen macht noch keine gesellschaftliche Utopie.

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HuffPo und Co: Reichweite muss mensch sich leisten können

Die Huffington Post kommt nach Deutschland. In den USA bekannt geworden als Mitteilungsblatt einer Millionärin und ihrer reichen/berühmten Freund_innen, werden nun auch in Deutschland Bloggerinnen und Blogger gesucht, die dort ohne Entlohnung schreiben. Ohne Entlohnung? Aber es gibt doch Reichweite und Bekanntheit! Und ein Meinungstext, vorgebliche Domäne des bloggenden Volkes, sei so schnell hingerotzt, aufbauend auf der Arbeit Recherche von anderen, dass von Aufwand nicht die Rede sein könne.

Wobei: Auch Zeitungen und Nachrichtensendungen leisten sich Kommentatore und Kolumnen. Sie bezahlen Menschen dafür, mit ihrer Meinung das politische Weltbild des Mediums neben der „objektiven“ Berichterstattung deutlich zu machen. Jeden Tag sitzen in mindestens einer Fernsehtalkshow sehr viele Männer und erzählen uns gegen Geld ihre Meinung.

Auf der anderen Seite habe ich selbst, als Bloggerin, schon viel Zeit in Recherche gesteckt. Ich habe nach spannenden Projekten gesucht, habe Leute interviewt und über Monate Quellen zusammengetragen, die am Ende in einem Artikel zusammen­flossen. Hat die Huffington Post jetzt nur Blogger_innen angefragt, die keinerlei „journalistische“ Arbeit auf ihrem Blog leisten? Und explizit darum gebeten, nur Meinungstexte zu schreiben?

Also, was wäre denn, wenn ich nur ne Meinung hinrotze? Ich habe zum Beispiel vom Euro eine Meinung: Finde ich gut, will ich nicht abschaffen. Da das alleine noch keinen Text füllt, bräuchte ich nun noch mehr. Im einfachsten Fall meine Erfahrungen mit dem Euro, warum ich den vom Gefühl her behalten will. Also hinsetzen, erinnern, aufschreiben. Wenn ich die Zeit und die Geräte dafür habe. Sobald ich dann noch etwas mehr schreiben will, etwa, seit wann es den Euro überhaupt gibt oder wie sich die Preise seit seiner Einführung verändert haben, muss ich noch mal nachschlagen. Selbst wenn das andere bereits recherchiert haben, muss ich das noch mal nachlesen.

Das alles kostet Zeit, die ich nicht zum Geld verdienen aufwenden kann. Zeit, die ich nicht für Reproduktionsarbeit aufwenden kann oder um mich zu entspannen. Wenn es immerhin um ein Thema ginge, bei dem ich bereits alles auswendig weiß, dann hätte es vermutlich mit meiner Arbeit zu tun. Wo mich schon jemand bezahlt hat, Dinge zu lesen und zu wissen. Und mich bezahlt man immerhin, zu lesen und zu wissen. Dann bleibt immer noch die Frage: Macht das eigentlich Sinn, was die anderen da recherchiert haben? Wenn ich mir für den Hausgebrauch denke, 2 Prozent Inflation seien ganz schön viel, dann ist das mein Problem. Wenn ich das einordnen will – etwa historisch betrachtet oder mit den Lohnsteigerungen, dann brauche ich … noch mehr Wissen.

Aber aber, ist Reichweite und Aufmerksamkeit für ein wichtiges Anliegen nicht irgendwie doch gut – vorausgesetzt ich habe Ahnung? Also, wenn die Huffington Post genügend Leute überzeugt hat, umsonst zu schreiben, so dass andere Menschen auf die Seite kommen und sich das alles durchlesen. Dann muss mein Text erstmal immer noch gut sein, mit „ich finde wir sollten den Euro behalten“ habe ich noch keinen Blumentopf gewonnen. Gute Texte bedeuten übrigens Arbeit sehr viel Übung. Vermutlich muss mein Text so gar sehr gut sein, um auch etwas zu erreichen. Viele feministische Texte haben in Maskuforen eine unglaubliche Reichweite, ohne jeglichen positiven Effekt.

Apropos. Reichweite ist nicht für jeden gut. Es gibt genügend Frauen, die gerade alles mit Reichweite meiden, denn für sie bedeutet Öffentlichkeit Arbeit Belästigung über @-replies, E-Mail und im direkten Kontakt. Selbst die schlimmen Seiten zu ignorieren bedeutet, sich in irgendeiner Weise damit auseinanderzusetzen und damit keine Zeit für andere Dinge zu haben. Noch gefährlicher sind „Meinungen“ natürlich für alle, denen zunächst einmal weniger Privilegien Reputation zugesprochen werden. Wieviele Transfrauen können sich wohl selbst bei der Huffington Post hinstellen mit einer Meinung, ohne sich Respekt erst erarbeiten zu müssen?

Heraus kommt eine Privilegienmaschine. Erwählt wird, wer bereits hohe Anfangs­investitionen geleistet hat. Annehmen kann, wer freie Zeit für unbezahltes Schreiben und die Nachwirkungen hat. Vielleicht mache ich die gleiche unbezahlte Arbeit für den feministischen Lesekreis sogar sehr gerne – weil ich dort ohne Wissen einsteigen konnte, lernen durfte und nun „zurückzahle“. Für die Huffington Post, bei der für andere dann Geld abfällt, muss ich mir das gleich dreifach überlegen. Vermutlich wird die HuffPo zum Start also noch einen Ticken reicher, weißer und männlicher aussehen, als es die ohnehin schon weiße, männliche deutsche Medien­land­schaft ist.

Rote Lippen, offener Mund, welche Frau läuft nicht dauernd so rum?

Die folgende Werbung habe ich beim Werberat eingereicht, nachdem sich einige Menschen darüber aufgeregt haben. Dieser sieht von weitergehenden Maßnahmen ab, da die Darstellung nicht sexualisiert sei. Auf meinen Vorwurf der Objektifizierung mit all ihren negativen Konsequenzen geht niemand ein. Ich frage mich, welche Kompetenz der Werberat eigentlich zum Thema Diskriminierung hat.

Ein rot geschminkter Mund, geöffnet, darüber die Aufschrift OFFEN!

Feedback gerne an den Werberat.

Parfüm, Getränke, Kleidung: Shit you should not buy

Die Parfümmarke Lolita Lempicka macht ihrem Namen alle Ehre und propagiert in der Kampagne zu „L’Eau Jolie“ neben der Sexualisierung junger Mädchen auch den gefährlichen Mythos der „unabsichtlichen Verführungskräfte junger Mädchen, die gar nicht wissen, dass sie unwiderstehlich sind“. Kampagnenstar ist Elle Fanning, die vor einem Monat ihren 15. Geburtstag feierte. Das Parfüm ist im Übrigen für „pretty girls“.
Beschwerden: Mail-Kontakt, @PLolitaLempicka, auf Facebook.

Villeroy und Boch kramt uralte Geschlechterklischees raus: Frauen trinken „weiche“ Weine aus „bauchigen“ Kelchen, maskuline Weine sind „fordernd“ und „spritzig“.
Beschwerden: Mail-Kontakt, @villeroyundboch, auf Facebook.

Drag ist künstlich und ein Mann also viel schöner, wenn er „natürlich“ durchs Leben geht. Der neue Bionade-Spot zementiert ebenfalls das Bild des cis-gender Mannes.
Beschwerden: Mail-Kontakt, @bionade_gmbh, auf Facebook.

Auch Flensburger Pilsner hat mich als Kundin verloren. Statt in Bier muss ich als Frau demnächst in Feuchtigkeitscreme investieren.
Beschwerden: Mail-Kontakt. [Update, 20. Mai: Flensburger Pilsner bedauerte auf Nachfrage die Etiketten, die von der Geschenkkrüge-Firma stammten und nicht autorisiert wurden.]

Das Klischee, Männer seien alle „einfach“, stirbt auch bei Bacardi nicht aus.
Beschwerden: Mail-Kontakt, auf Facebook.

Werbeplakat von Bacardi: Weil Männer einfach gestrickt sind.

Tchibo fasst die 54 Länder Afrikas von Ägypten über den Kongo bis Südafrika mal wieder zusammen. Eine Giraffe reicht auch und die Bildauswahl rettet nicht, sondern macht alles noch schlimmer.
Beschwerden: Mail-Kontakt, @Tchibo_presse, auf Facebook.

Beim Deutschen Werberat beschweren.

Knutschverbote, Knutschverzicht? Über wirklich unsichtbaren Protest.

Es gibt so Dinge, die „macht man nicht“. Anderen Leuten einfach so auf die Füße treten zum Beispiel. Wenn das dann doch passiert, entschuldigen wir uns, auch wenn die Person noch gar nicht „aua“ gerufen hat. Für Menschen, die gerne anderen auf die Füße treten oder, noch schlimmer, am liebsten auf den blauen Fleck am Schienbein hauen, haben wir verschiedene Bezeichnungen. „Arschloch“ zum Beispiel.

Auf Dinge zu verzichten, die eventuell Spaß machen, anderen aber weh tun, ist also gar nicht so schwer. Besonders, wenn wir es von Kindesbeinen auf lernen. Bei anderen Sachen erfahren wir erst später, dass sie Menschen weh tun. So geschehen, in der aktuellen „Knutschdebatte“. Auch in Deutschland werden gleich-geschlechtliche Paare böser Blicke bedacht, beleidigt oder sogar tätlich angegriffen, wenn sie für gegen-geschlechtliche Paare alltägliche Dinge tun: Koseworte austauschen, Händchen halten und sich öffentlich küssen.

Jedes flüchtig dahingehauchte „Mausi“, jeder Bussi auf die Wange wird da zur Erinnerung, es selbst nicht einfach so zu können. Weil es außerhalb geschützter Räume immer die Möglichkeit gibt, dass ein „ey ihr Schwuchteln, haut ab“ folgt oder auch: „wenn ich Euch rannehm, steht ihr schon wieder auf Kerle“. Macht ein weniger deutliches Hetero-Paar was aus unter den Millionen küssender Hetero-Paare in Deutschland?

Eine_r muss den Anfang machen und aufhören, anderen auf die Füße zu treten. Damit ist natürlich das Problem der Übergriffe auf gleich-geschlechtliche Paare nicht aus der Welt geschafft – dafür bedarf es deutlicher Aussagen gegen Homophobie und Maßnahmen gegen die Täter_innen.

Dass wir im Moment noch nicht an diesem Punkt in der Debatte sind, ist ein Armutszeugnis. Stattdessen kreist die Debatte um die Frage, ob jemand „Knutschverzicht“ oder „Knutschverbot“ gesagt hat. Jede Erwähnung, dass eben nicht alle einfach so knutschen können wird umgedreht zu „und was folgt damit jetzt für mich Heterooooo?“ Statt hinzuhören, wenn Lesben, Bisexuelle und Schwule von Übergriffen reden, debattieren wir die Angst Heterosexueller, nun „nicht mehr knutschen zu können“, die sich in „jetzt erst Recht“-Manier versprechen, noch mehr rumzumachen.

„Ficken für den Weltfrieden“ war gestern. Heute knutschen wir heterosexuell gegen Homophobie. Was kommt als nächstes? Männer, die wegen der Frauendiskriminierung Mitglied werden in den Männerbünden dieser Welt? Weiße Menschen, die aus Protest gegen Rassentrennung auf “whites only”-Bänken sitzen? Eltern, die ihre Kinder in die Kita bringen, um gegen die knappen Betreuungsplätze zu demonstrieren?

tl;dr
Niemand, auch ich nicht, fordert „Knutschverbote“. Nicht zu knutschen, kann ein solidarischer Akt mit denen sein, die fürs Knutschen bestraft werden. Stattdessen mehr zu knutschen, ist der wirklich unsichtbare Protest.

Disclaimer:
Das Füße-Gleichnis habe ich bei Naekubi gelesen, die es ihrerseits von @baum_glueck hatte.

Wozu mir die Worte fehlen (Teil 2)

Weils so schön ist, noch ein Gedanke, nämlich der hier weitergesponnen:

@Detmud @hanhaiwen finde ja, auch wenn man nicht ALLES richtig macht, kann man das, was man weiß, ja „richtig“ machen. (bzw dann erst recht)


@HannaGriotte April 02, 2013

Die Dinge, die mensch weiß, richtig zu machen, ist das Eine. Aber wir alle machen manchmal Fehler, gerade wenn es um Sexismus, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit und andere Diskriminierungen geht und eine_r selbst nicht davon betroffen ist. Wir diskriminieren Menschen und wissen es nicht besser. Das ist zwar schlimm, aber nicht furchtbar.

Manchmal werden wir auf unsere Fehler hingewiesen. Was dann passiert, ist das Andere. Es bestimmt, ob es bei „schlimm“ bleibt oder „furchtbar“ wird. Die furchtbare, und leider viel zu häufige Situation, ist die Abwehrreaktion. Ich hab’s ja nicht böse gemeint, also kann das nicht schlimm sein! Jede Verantwortung wird von sich gewiesen, keine weitere Sekunde darauf verwendet, die Kritik nicht persönlich sondern aktionsbezogen und grundsätzlich zu nehmen. Im allerfurchtbar schlimmsten Fall endet es mit einem Bingo aller Derailing-Argumente, denn eine diskriminierte Person kann von Diskriminierung keine Ahnung haben.

Eine gelbe Katze, deren Ohren von der Sonne angestrahlt werden

Warum hast Du so große Ohren? Damit ich besser zuhören kann. (CC BY-ND 2.0 Jorbasa)

Was also tun? Tiiiiief durchatmen. Anerkennen, dass man gerade einer Person weh getan hat und ihre Grenzen überschritten – egal wie schlimm der Vorfall gerade war. Noch einmal atmen. Manchmal erklärt die Person dann auch, was gerade passiert ist. Wenn sie das gerade nicht kann oder will, gibt es heute eine unendliche, ständig wachsende Ressource zum Nachschlagen: Das Internet. Je nach Diskriminierung gibt es dort verschiedene Anlaufpunkte Feminismus 101 zu Sexismus, Den Braunen Mob zu Rassismus, Leidmedien.de zu Diskriminierung von behinderten Menschen oder der Lesben und Schwulenverband Deutschlands zu Homophobie. Auf jeder der Seiten sind viele weitere Seiten verlinkt, auf denen mensch sich über Diskriminierung informieren kann. Die lassen sich genauso recherchieren wie günstige Handytarife und das billigste Onisuka Tiger-Angebot. Sobald an irgendeiner Stelle klar wird, was das Problem war, ist es eine sehr gute Idee, sich zu entschuldigen, sofern die betroffene Person nicht klar gestellt hat, dass jeder weitere Kontakt unerwünscht ist. Und nie wieder das diskriminiernde Verhalten zeigen.

Manchmal wird nicht klar, was genau das Problem war. Das ist dann blöd, aber es ist nicht der Knackpunkt bei der Frage „schlimm“ oder „furchtbar“. Wichtig ist es, die kritikübende Person ernst zu nehmen und auf Gegenangriffe zu verzichten. Das gilt natürlich bei jeder Art von Konflikt, wenn es um Diskriminerung geht, kommt aber noch ein Aspekt hinzu. Hier handelt es sich um ein Ungleichgewicht aufgrund struktureller Macht. Männern wird eher zugehört als Frauen, weißen eher geglaubt als Schwarzen. Die Kritik zu ignoieren oder gar lächerlich zu machen, ist aller Bild-Propaganda zum Trotz, der einfachste Weg. Sich dann damit auseinander zu setzen ist der erste Schritt, Diskriminierung zu erkennen und anzuerkennen.

Das Hackerspaceproblem beginnt beim Namen

Wie inklusiv, wie zugangshürdenfrei sind eigentlich Hackerspaces? Also diese Orte, an denen sich (technikaffine) Menschen treffen können, um an ihre Projekten zu arbeiten oder andere Menschen kennen zu lernen. Gar nicht so dolle, befinden Stephan Urbach und tiefpunkt und mahnen, keine mystischen Orte für Hohepriester daraus werden zu lassen. Einige Punkte hat Lars Weiler schon aufgegriffen, ein weiterer wichtiger Punkt wird aber immer wieder übersehen: Der Name „Hackerspace“.

Schon im Englischen ist das nicht unproblematisch, weil das Bild eines Hackers derzeit „männlich“ besetzt ist. Im Deutschen ist es noch deutlich schlimmer, denn wir haben ein Wort für weibliche Hacker: Haeckse. Dahinter steckt ein langer Kampf um Anerkennung, der es sogar in die Wikipedia geschafft hat. Explizit von „Hackerspaces“ zu reden, ist einer dieser Ausschlüsse, die die Bewegung derzeit produziert. Denn beim generischen Maskulinum werden Frauen nicht mitgedacht und wenn es beim Namen anfängt, zieht es sich durch alle weiteren Bereiche. Dabei hat mensch eigentlich einen höheren Anspruch:

Wir arbeiten mittlerweile in Hackerspaces an so vielen Dingen: Elektronik, Software, mechanische Gerätschaften, hacken Sprache, Kultur und Sex & Gender.

Also, fangt an: Hackt Sprache und redet endlich von Hackspaces. Redet nicht mehr von denen die da sind, sondern von dem, was sie tun. Nämlich hacken.

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Ich war schon öfters als Nicht-Mitglied in der c-base. Da ich aber wirklich nicht in Berlin wohne, wird es beim Nicht-Mitglied-sein erstmal bleiben.

Dinge, die mich nicht überraschen

Die Washington Post berichtet von einem Studenten und einem Journalisten, die beide Probleme haben, ein Visum für die Einreise in die USA zu bekommen – weil sie Moslems sind und muslimische Namen haben.

Mohamed Youcef Mami halfen keine Briefe der University of California in Berkeley, die ihn bereits für ein Masterprogramm akzeptiert hatte, um die Überprüfung seines Antrags zu verkürzen. Erst nachdem er seine Geschichte der Post erzählt hatte, kam Bewegung in die Sache. Schlimmer erging es dem Journalisten Said Mahrane. Er sollte eigentlich mit mehreren Kollegen den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy auf eine Reise in die USA begleiten, bekam aber gar kein Visum und verpasste den Trip. Anrufe des französischen Außenministeriums blieben ohne Erfolg.

„Schuld” sind die muslimisch klingenden Namen der beiden und dass nach dem gescheiterten Anschlag an Weihnachten die Überprüfung wieder einmal verschärft worden ist. Und obwohl auch weiße Christ_innen Terrorschanschläge planen und ausführen, verfangen sich leider fast ausschließlich Menschen in diesem System, wenn sie den falschen Namen, die falsche Hautfarbe oder die falsche Religion haben.