Termine in Braunschweig!

In der nächsten Zeit ist tatsächlich was los in Braunschweig.

Morgen gibt es neue Lightning Talks im Stratum0.

Am 26. März lädt die dib-Regionalgruppe mit dem Haus der Wissenschaft zu einem Kennenlerntermin mit der Fotografin Verena Brekenkamp, die das Projekt „Die Welt der Ingenieurin“ gestalten wird. Außerdem gibt es im April noch mal einen Stammtisch (Termin steht noch nicht fest) und am 12. April einen Stand bei der WoMenPower.

Vorher, am 4. April treffen sich die VDI fib (Frauen im Ingenieurberuf) auf der After-Work-Party im Tiziano.

Neben Kneipenabenden, Café am Sonntag und anderen Standardterminen gibt es im Onkel Emma am 1. April wieder das Queer Cinema und am 30. April den Tanz in den Mai.

Die Frauenbibliothek der TU Braunschweig hat jetzt neue Referentinnen und damit wieder feste Öffnungszeiten, sowie auch immer wieder Veranstaltungen.

Und ein etwas anderer Langzeit-Tip: In der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel gibt es noch bis 24. August 2013 die Ausstellung
Rosenkränze und Seelengärten: Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern“ zu sehen.

Ein Dank an all die Quotenerklärbärinnen!

Der Focus trollt uns zum Wochenstart mit einer Anti-Frauenquotengeschichte. Lauter Frauen, die als Schauspielerinnen oder Unternehmenserbinnen davon eh nicht betroffen wären, sind dagegen. Knaller. Zum Glück gibt es viele kluge Frauen, die das nicht so sehen und gleich dagegen erklärbärinnen, warum:

(Queer-feministische) Veranstaltungen in Braunschweig

Es gibt wieder was zu tun in Braunschweig. Am 29. Oktober ist Studentinnen-Vollversammlung der TU Braunschweig im Café Eusebia, am 30. dann der Queere Semester-Start-up-Brunch (beides vom Autonomen FrauenLesbenReferat).

Einmal im Mittwoch gibt es auch wieder den Themen- und Lesekreis der Frauenbibliothek. Deren Webseite ist kaputt, aber hier die abgetippten Termine:

  • 24. Oktober „Biologischer Unterschied zwischen Mann und Frau im Sport“
  • 21. November „Frauenquote“
  • 19. Dezember „Schönheitsideale vs. Natürlichkeit“
  • 23. Januar „Polyamorie“

Immer um 18 Uhr in der Frauenbib (Zimmerstr. 24d, Grotrian 1. Stock)

Nicht feministisch ist das BarCamp Braunschweig, aber immerhin geht es da am 24. und 25. November um DIY und Hacking. Im Haus der Wissenschaft in der Pockelsstr. 11.

Post-#rp12: Diskutieren like it’s 1970

Die re:publica 2012 ist um, dieses Mal mit weniger Feminismuspanels, aber weiter den gleichen Diskussionen. Nach vier Jahren „Frauendebatten“ lag der Anteil der Speakerinnen nun bei ca. 30 Prozent. (Zur Erinnerung: 2009 ~19%, 2010 ~20%, 2012 ~27%) Schuld daran war unter Anderem die Aufforderung, bei Podiumsdiskussionen mit 5 Teilnehmenden, mind. 2 Frauen darunter zu haben. Das war in diesem Fall aber mehr als Flexi-Quote zu betrachten, denn wie z.B. das nuf zeigt, wurde die Vorgabe noch lange nicht immer erfüllt. Siehe auch eins, zwei, drei, vier, fünf und sechs Beispiele, die ich in 1 Minute zusammengesucht habe. Auch nichts neues: In Fernsehbildern wurden vor allem männliche Nerds und Hipster abgebildet.

Bezeichnend schließlich der Tagesspiegel zu Feminismus und Frauenfrage. Aufhänger ist das „Troll“-Panel, auf dem es wenigstens einmal auf dieser re:publica um Feminismus ging. Oder auch nicht oder doch? Auf der zweiten Seite des Artikels geht es dann ins Eingemachte.

Es sind schrille Frauen, wie die amerikanische Werberin Cindy Gallop, die im brechend vollen größten Saal über ihr Projekt „Make love, not porn“ spricht. […] Über sich selbst sagt Gallop, dass sie Pornos liebt und dass sie Beziehungen ausschließlich mit „furchtbar hübschen, jungen Männern“ eingeht.

Schrille Frauen. Weil sie über Pornos und ihre Vorliebe für junge Männer reden! (Ehrlich, ihre Kleidung, ein dezentes graues Kleid, war’s nicht.) Hallo, 2012 und wir wundern uns, dass auch Frauen über Sex sprechen? Immerhin wird gleich mit Jillian C. York das Beispiel einer politischen Frau hinterhergeschoben. Also einer seriösen politischen Frau, die für „Netzfreiheit“ kämpft. Dass Gallop als Unternehmerin gewaltigte Kritik an Wirtschaft und Politik übte, die ihre Geschäfte allein aufgrund des Wortes „Porn“ erschweren und gesellschaftlichen Wandel forderte, gilt als… schrill? Politisch kann eben nicht alles sein.

Nur Feministin will offenbar keine hier sein.

Hat nicht noch vor zwei Wochen Julia Schramm, die im Satz zuvor erwähnt wird, sich bei Wir Müssen Reden als Feministin bezeichnet? Und auch Cindy Gallop das mehrfach betont in ihrem Vortrag? Egal, schließlich gilt auch hier: Diskutieren like it’s 1970. Der Fortschritt kommt später.

[Update: @cindygallop hat es noch einmal klargestellt.]

Kristina Schröder – nichts erreicht, außer Protest

Am Dienstag abend war ich, Twitterverabredung sei Dank, spontan bei der Buchvorstellung von Kristina Schröders Buch „Danke, emanzipiert sind wir selber“ (und damit potentiell dem BKA gemeldet). Gewappnet mit den gruseligsten Zitaten sah ich schon das Schlimmste voraus.

Tatsächlich raunte es schon nach zwei Minuten BINGO, als Schröder verlauten ließ, „auch ihre beste Freundin sei Feministin.“ Danach folgte eine Weile das, was schon die Süddeutsche beschrieben hat. Schröder schilderte jede Menge Probleme, sieht sich jedoch nicht in der Lage, dagegen etwas zu tun. Rollenbilder machen es jungen Leuten heute immer noch schwer, ihre Lebensentwürfe durchzusetzen? Schlimm, aber was kann da die Familienministerin schon machen? Mini-Jobs sind eine Sackgasse und eigentlich bedarf es eines Rechtsanspruches, aus Teilzeit wieder in Vollzeit zurückkehren zu können? Schröder weiß darum, allein, sie tut nichts.

Dass „Happening“ von Extra3, samt Goldener Schürze und Chorständchen bot dann den ersten Höhepunkt des Abends. Peinlich berührt war Schröder dann auch bei den weiteren Aktionen (Kaviar!) und Nachfragen. So führte Laura Dornheim an, dass es sehr wohl Studien gäbe, die verpflichtende Quoten unterstützten – bei derartigen Fakten wich Schröder dann aus und unterstellte, nur ihre Flexi-Quote würde sich auch an Vorstände richten. Der letzte Gesetzesvorschlag der SPD zum Frauentag ist wohl an ihr vorbeigegangen.

Danach brachte ich das Osnabrücker Krippenproblem an. Hier wird die 35 Prozent-Marke erfüllt werden, der weitere Ausbau wird vom Bund allerdings nicht weiter unterstützt werden. Auch hier konnte man sich bei Schröders Antwort nur an den Kopf fassen. So sagte sie ganz klar, dass es einen Unterschied zwischen Bedarf in Städten und auf dem Land geben würde – und beschwerte sich dann, dass noch nicht alles an Bundesgeldern abgerufen worden sei. Dabei sitzt sie hier am Hebel und könnte etwas ändern, etwa die auf dem Land nicht gebrauchten Gelder für die Städte frei geben.

Wie auch bei anonymen Bewerbungen setzt sie hier auf „die Politik des Nichteingreifens“. Vorgaben aus den positiven Ergebnissen für Frauen und Migrant_innen lässt sie bleiben. Dass ihr Ministerium jetzt bei anonymen Bewerbungen bleibt, muss als Vorbild für alle anderen reichen. Firmen die diskriminieren, wäre das irgendwann peinlich. Auf Peinlichkeit setzen, oder auch Politik 2.0!?

Vermutlich das Beste am Abend waren die zahlreichen Wortmeldungen junger Feministinnen, die sich gegen die Diffamierung „des Feminismus“ durch Schröder wehrten. Ihren Reaktionen nach zu urteilen, hat sie das allerdings nicht gehört. Schade.

Seit heute gibt es nun einen Offenen Brief an Dr. Schröder, der sie aufgrund des vielfältigen Nichtstuns zum Rücktritt auffordert. Die Mädchenmannschaft hat ihn mitunterzeichnet und auf nichtmeineministerin.de ist es auch allen anderen möglich! Mehr auch unter #nichtmeineministerin und facebook.com/nichtmeineministerin. Und: Bloggt darüber, Karnele hat es z.B. auch schon getan!

Früher war alles… äh naja, wie auch immer

Nach dem #e_wie_ekelhaft Shitstorm (worum es ging stand bei der Mädchenmannschaft) war es ja wieder nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand nicht entblödet mit folgenden Kommentar zu kommen:

Wisst ihr was in der Vergangenheit alles in der Werbung gespielt wurde?

Schaltet mal einen Gang zurück….

http://owni.eu/2010/11/08/top-48-ads-that-would-never-be-allowed-today/

Lieber Schlaumeier,

„früher war alles besser“ (oder in diesem Fall, schlechter) ist genau so ein hilfloses Argument wie „aber alle anderen machen das doch auch“ (oder nicht). Besser wäre es, wenn Du mal scharf nachdenkst. Warum wohl ist solch Werbung heute eigentlich uncool?

Wirklich uncool ist sie übrigens nicht, sonst wäre der Ausknock-Spot nie gedreht worden. Aber immerhin, es gab nen Shitstorm. Warum? Richtig, weil es diese Bewegung namens Feminismus gab, die seit Jahren unbequem ist und anprangert, wenn Gewalt gegen Frauen als totaaaal witzig dargestellt wird. Und geändert hat sich nur deswegen was, weil wir immer einen Gang hochgeschaltet haben.

Dass das auch weiter dringend nötig ist, zeigen sowohl die Ekelwerbung von E wie Einfach, wie auch Dein Kommentar.

– hanhaiwen

Subjektivität in Feminismus und dem Kampf gegen Vorratsdatenspeicherung

Feminismus und netzpolitischer Aktivismus haben für viele neben dem Aktivismus auf den ersten Blick nicht viel gemein. Wobei auffällt, dass Feminist_innen gerne den geringen Frauenanteil auf entsprechenden Tagungen und in entsprechenden Parteien kritisieren.

Tatsächlich bin ich gerade über ein gemeinsames Problem gestolpert, dass aber in beiden Kreisen (noch) nicht explizit thematisiert wird. Die Frage nach Subjektivität und Objektivität. Darauf gestoßen hat mich Stephanie Mayfield mit einer Analyse über feministische „Generationen“ und die unterschiedliche Bewertung von Subjetivität und Objektivität. Bis heute bewerten wir letzteres immer noch als höher ein, obwohl wir sie faktisch nicht erreichen können:

Es gibt keinen Abstand zur Gesellschaft den Menschen schaffen können, um die überhöhten Maßstäbe der Objektivität zu erfüllen.

Daran anknüpfend habe die Frauenbewegung hart dafür gekämpft, Subjektivität anzuerkennen, denn niemand wisse besser, was wichtig sei, als die Betroffenen selbst – wobei am Ende stets alle betroffen seien. Ein Kampf, der nicht gewonnen wurde, denn auch heute zucken vermutlich viele beim Wort „Betroffenheitspolitik“ zusammen. So dass auch Feminist_innen weiter immer wieder auf Studien, Erkenntnisse und andere vermeintlich objektive Argumente zurückgreifen.

Ein Zwiespalt, der sich auch in den Argumenten gegen die Vorratsdatenspeicherung wiederfindet. Denn natürlich handelt es sich hier um Betroffenheitspolitik. Wir alle sind davon betroffen, wenn jedes Einloggen ins Internet gespeichert wird und sich darauf aufbauend nachvollziehen lässt, welche Seiten wir besucht und mit wem wir kommuniziert haben. So ist das Hauptargument auch, dass derartige Überwachung, die Eingriffe in unser Zusammenleben abgelehnt werden.

Dennoch wird darüberhinaus mit allerlei Statistiken argumentiert – dass die Aufklärungsraten mit Vorratsdatenspeicherung nicht steigen, wie auch keine Straftaten verhindert werden. Auch hier wird also neben der Subjektivität noch eine objektive Ebene bemüht.

Für feministischen Aktivismus schließt Mayfield mit dem Konflikt zwischen den Generationen. Zum einen die Frauenbewegung, die Objektivität als „Metaebene der Politik“ anders definieren möchte. Zum anderen die jüngeren Feminist_innen, die die Freiheit des Individuums mit all seiner Subjektivität noch weiter in den Mittelpunkt stellen.

Ein Zwiespalt, der sicher auch für die netzpolitischen Aktivist_innen von Bedeutung ist.

Aus dem Leben einer Feministin: Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück

Der Tag fing so konstruktiv an – ich las Nadines Blogeintrag zum Thema Rassismus von Migrant_innen und stolperte über

Was Menschen wie Sezgin, Lau, Kaddor, etc. tun ist nichts weiter als der Mehrheitsgesellschaft nach dem Mund zu reden. Nicht, weil sie Rassismus beipflichten, sondern weil sie mit ihren Argumenten einen rassistischen Diskurs stützen, über den sie niemals werden selbstständig bestimmen können.

Das klingt so ausweglos, als ob es niemals eine Lösung geben wird. Mir fiel das Panel vom Politcamp 11 ein, das sich um Utopien drehte. Sind Utopien noch zeitgemäß und warum waren sie eigentlich jemals wichtig? Am Ende beschreiben sie doch immer Zustände, die gar nicht Realität werden können. Dann forderte gerade die analyse & kritik neue feministische Utopien. Tatsächlich, so beschloss ich, ist es an der Zeit, neue Utopien zu entwickeln, sich neue Ziele zu setzen und Strategien zu entwerfen – ob sie nun eintreffen oder nicht.

Leider habe ich den Fehler gemacht, vorher noch einmal die Diskussion um den Elektrischen Reporter weiter zu verfolgen. Bzw. den „Frauen und Männer“-Beitrag, der nun davon handelte, wie Frauen jetzt anders wären, oder auch nicht. Als ob der Beitrag an sich nicht schon ein Lehrstück dafür wäre, was schiefläuft in unserer Gesellschaft, wie Menschen Stereotype aufgedrückt werden, um die Stereotype weiter am Leben zu halten, wie kluge Frauen, die sich für verschiedene Themen engagieren aufs „Frausein“ reduziert werden – auch die weiteren Debatten machen wieder schmerzvoll deutlich, dass wir noch keinen Schritt weitergekommen sind.

Da heißt es von einem Kommentator bei Anne Roth, er sehe die Problematik nicht, auch wenn er sich schon länger damit beschäftige und bittet dann:

Hast Du einen Link, in der die Problematik, mit der Ihr Euch (und offensichtlich ich mich) gerade hier beschäftigen, mal genauer erklärt wird?

Junge, dir kann man keinen Link geben, weil „die Problematik“ leider niemandem erläutert, womit Du Dich nun gerade beschäftigst. Kann es wirklich sein, dass jemand, der sich nun schon eine Weile mit Stereotypen und Geschlechtszuschreibungen beschäftigt, nicht auf das Wort „Sexismus“ gestoßen ist? Aber vielleicht meint er das auch nicht, Das übrigens unter einem Text, in dem viele, auch weiterführende, Links waren, u.a.:

Glücklicherweise hat Antje Schrupp das Problem gut zusammengefasst: Die Männer-Frauen-Endlosschleife.

Hervorhebung von mir, just in case. Apropos Diskussion bei Antje Schrupp. Auch dort schafft es ein Mann, seinen gesamten Frust mit, ja was eigentlich, Frauen? Feminismus? der Welt? in einem ewig langem Kommentar unterzubringen. Und aus der themenbezogenen Diskussion einen Debatte über seine Befindlichkeiten zu machen.

Ich mache sowas jetzt über zwei Jahren im Lichte einer größeren Aufmerksamkeit und diese Verhaltensweisen begegnen mir immer wieder und wieder. Kommentatoren kommen aus dem Nichts, könnten gar nicht verstehen, wo da das Problem wäre, ob man ihnen das nicht fix erklären könne („einmal Fast-Food-Feminism on the go“). Manchmal ward nie wieder von ihnen gehört (nicht mal ein Danke), manchmal beginnen dann längere Diskussionen, das sei ja wohl alles doch nicht so schlimm und danach ward nie wieder von ihnen gehört. Manchmal handelt es sich auch um Arschlöcher, bei denen mit der Anzahl der Kommentare auch die Beleidigungen häufiger werden.

Das perfide daran: Reagiert frau bei der 100. Nachfrage mal genervt, gibt es gleich nen Stempel. Zickig und nicht wirklich daran interessiert, für ihre Sache einzutreten ist frau dann. Dabei hatte ich noch kein einziges Mal das Gefühl, mit meinen Erklärungen bei solchen Kommentatoren irgendwas bewegt zu haben. Wenn ich sowas noch beantworte, dann nur, um eben nicht als zickig und arrogant da zu stehen – auch wenn ich damit doch wieder Mechnismen unterstütze, die ich eigentlich abgeschafft sehen will. Ein Teufelskreis aus dem ich noch keinen Ausweg gefunden habe.

Manchmal kriegen wir übrigens E-Mails oder Feedback: „Ich kommentiere ja nie bei Euch, aber seit ich mitlese hab ich angefangen, mir Gedanken darüber zu machen und micht mehr mit Feminismus zu beschäftigen.“ Für Euch, ihr wundervollen Mitdenker_innen, werde ich mich jetzt nicht weiter frustrieren lassen und mir endlich Gedanken über feministische Utopien machen.