Fußball: Jetzt geht’s loooohooos

Heute ging’s endlich im Berliner Olympiastadion los! Wer in den nächsten Wochen keinen Bock auf Fußballcontent hat, sollte mit „Fußball“ beginnende Überschriften einfach nicht anklicken!

A wie Auftaktspiel

Ach, die Damen, da haben sie es sich heute doch etwas schwerer gemacht als nötig. Gerade einmal ein 2:1 schafften die Deutschen zum Auftakt gegen Kanada. Einerseits völlig verdient, da sie über weite Strecken das Spiel dominierten. Andererseits auch höchst knapp, zeigte Kanada doch schon in den ersten Minuten, dass sie viel Potential besitzen. Erste Chance nach 6 Minuten. Puh! Doch nach der Führung durch Kerstin Garefrekes in der 10. Minute waren die Kanadierinnen erstmal so perplex, dass lange nichts mehr ging. Einzelne Versuche blieben immer in der deutschen Abwehr stecken oder wurden bereits im Mittelfeld unterbunden.

Kurz vor der Pause dann der nächste Treffer von Célia Okoyino da Mbabi. In der zweiten Halbzeit versuchten die Deutschen die Führung zu erhöhen, wirkten aber immer mehr wie der VFL Osnabrück – bemüht, aber ohne Abschluss. Auch die Einwechslungen von Alexandra Popp, Inka Grings und schließlich Fatmire Bajramaj lösten dieses Problem nicht. Dass die Kanadierinnen ihre einzige Chance, auch noch einen Freistoß nutzten, und damit Nadine Angerer mal wieder ein Tor bescherten, überraschte dann nicht mehr. Vorher hatte der TV-Kommentator noch geunkt, ihnen gingen wohl die Kräfte aus, aber so schnell geht das dann im Frauenfußball heute doch nicht mehr.

Location: die B-Note

Geguckt habe ich das alles übrigens im Bonner Frauenmuseum, bzw. dem Hof, der (überall wo man noch halb die Leinwände sehen konnte) voll war. Das Publikum war noch einmal deutlich gemischter als inzwischen bei fußballerischen Großereignissen schon der Fall ist – viele Familien, junge Mädchen und ältere Frauen, dazwischen aber auch einige Männer. Dass es kein Bier sondern nur Kölsch gab, ist wohl eher den strukturellen Gegebenheiten der Region geschuldet…

Die weiteren Spiele mit deutscher Beteiligung gibt es dort auch zu sehen, wer also nicht allein vorm Fernseher hocken will, dem sei das Frauenmuseum empfohlen. In Anbetracht der Tatsache, dass es dort nur nach kurzzeitigem Leinwandausfall und der einhergehenden Abwanderung möglich war, einen Stehplatz mit Sicht zu ergattern, hoffe ich für die Zukunft aber auf weitere Public-Viewing-Locations!

PS: Was sonst noch so war

Zum Auftakt gab es heute auch noch Programm, eine brasilianisch angehauchte Trommelgruppe, sowie Miao Mio. Letztere habe ich heute leider verpasst, aber wenn ich den Auftritt vom Grimme Online Award richtig in Erinnerung habe, sind die ziemlich cool. Außerdem haben sie super Katzenbuttons… Apropos Grimme: Dort war ich mit Kübra bei der Aftershow-Party und wir haben uns über unser „nominiert, aber nicht gewonnen“-Dasein ausgetauscht. (Klick für Foto und man sieht, wir lächeln trotzdem noch!)

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Frauenfußball? Nur in sexääääy!

Im Selbermach-Sonntag bei der Mädchenmannschaft weist Kommentator_in Zoé darauf hin, dass die Deutsche Post auf der Seite des DFB ein wirklich ganz tolles Spiel zur WM bereit gestellt hat. Ich habe mich durchgeklickt und zunächst sieht alles ganz supi aus:

Bild der Frauenfußball-Nationalmannschaft mit einem Logo davor: Deutsche Post Elfmeter Challenge

Mit dem Klick auf „Spiel starten“ jedoch kommen wir zu den Bildern, die Franz Beckenbauers alten Ruf nach „sexy Trikots“ endlich erfüllen!

Blonde Spielerin von hinten, das hautenge weiße Shirt trägt die Nummer 11, außerdem trägt sie hautenge schwarze ShortsDie blonde Spielerin von vorn, erneut im hautengen weißen Trikot (ohne Nummer)

Dass es sich hierbei nicht um ein Angebot des DFB, sondern eine Werbung der Deutschen Post handelt, ist nicht ersichtlich, eine Kennzeichnung „Anzeige“ oder „Werbung“ fehlt nämlich!

Wenn Glaube Fußball trifft…

Ein Tannenbaum mit Vereinsweihnachtskugeln, davor ein Gabentisch mit Geschenken von Vereinen. Im Hintergrund ein Bild der Osnabrücker Fankurve, daneben die Beckhams in einem Krippenspiel.

Wo wir gerade beim Fußball sind, hier noch der Hinweis auf eine Ausstellung in Osnabrück, die ich mir beizeiten noch mal ansehen muss: „Im Fußballhimmel und auf Erden”. Sie wird allerdings noch bis zum 21. November gezeigt. Zu sehen im Diözesanmuseum im Domhof 12 immer dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Über die Trolle im realen Leben

Liebe Holstein Kiel-Fans,

wahrscheinlich seid Ihr gestern gar nicht in Osnabrück gewesen, sondern nur ein Haufen Vollidioten, die die Bezeichnung Fan nicht verdienen. Trotzdem hat der Auftritt gereicht, dass ich mich schäme, aus Schleswig-Holstein zu stammen. Ich will schon schreiben, einem Land von schlechten Verlierern aber diese Idioten waren schlechte angehende Gewinner, die Böller und Bengalenfeuer schon mit der eigenen Führung zündeten.

Im Internet haben wir gerade viel über Trolle geredet und diese Vollpfosten sind die Trolle des realen Leben. Ohne Sinn und Verstand versuchen sie, Andere, Schwächere zu stören. Sie sind die Posterboys der weißen, heterosexuellen, cisgender Männer, die ihr Privileg ausnutzen wollen, um Raum und weniger Priviligierte zu beherrschen. Sie spielen ein Spiel, bei dem es keine Gewinner sondern nur Verlierer gibt.

Nachdem das Spiel unterbrochen wurde, spannten die allergrößten Spaßvögel noch ein Plakat „Lieber infantil wie wir, als sich entschuldigen”. Nein, das war nicht infantil, es war gefährlich. Böller in den gegnerischen Fanblock zu werfen, ist kein Witz. Menschen konnten nicht atmen, nichts sehen, kleine Kinder wurden von den Sanitätern abgeholt. Schwächeren das Leben schwer zu machen ist kein Witz, es ist in etwa so rebellisch und aufregend wie ein Wurstbrot zu essen.

Vielleicht wollten sie nicht mal, das Kinder darunter leiden. Vielleicht wissen sie gar nicht, dass sie es getan haben. Wahrscheinlich ist es ihnen aber nur total egal. Denn über diese Konsequenzen ihres Handelns haben sie sich augenscheinlich vorher keine Gedanken gemacht, sonst hätten sie es gelassen. Auch das ist sehr trollig. Von sich selbst auszugehen und allen, die nicht so sind „selbst schuld“ hinterherzurufen. Das Leben Anderer zu gefährden ist kein Witz!

An solchen Tagen sind mir alle Bedenken über die totale Kameraüberwachung und riesige Datenbanken egal. Ich weiß, dass Menschen heute nur zweimal in einem Jahr zur falschen Zeit am falschen Ort sein müssen, um Stadionverbote ausgesprochen zu bekommen, ohne eine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Ich habe keine Konzepte, das besser zu machen. Ich will die auch gar nicht entwickeln müssen, denn ohne Trolle wären sie nicht notwendig.

In diesem Spiel gibt es nur Verlierer.