Erste Eindrücke vom Google Co:llaboratory

Menschenrechte und Internet“ – Unter diesem Titel begann am Montag in Berlin das fünfte Google Collaboratory (um das sich analog zur Mädchenmannschaft oder dem PolitCamp nun ein Verein gegründet hat, in Deutschland wird halt alles vereinsrechtlich geregelt). Rund 30 „Expert_innen“ sind diesmal dabei, vor allem Rechts- und Verwaltungswissenschaftler_innen, einige Aktivist_innen und erstaunlich wenig Menschen aus der Wirtschaft.

Nach einer Vorstellungsrunde ging es direkt schon zur Bildung von thematischen Untergruppen, die sich dann einen weiteren Plan erarbeiten sollten. Plan? Was genau wir jetzt eigentlich machen sollen, war irgendwie niemand klar. Aus dem letzten Colab ist ein Buch mit Texten erschienen, diesmal soll es interaktiver werden. Doch wieder Texte, Aktionen oder sogar Softwareideen? Aufgelöst haben wir die Frage am Ende des Tages nicht, aber immerhin sind wir an anderen Stellen weitergekommen.

Zusammengekommen zum Thema „Aktivismus“ entstand die Arbeitsgruppe „Organisationsformen und Durchsetzung“. Ein Titel, der mir besonders gefällt, weil er die politische Arbeit, den Aktivismus, dem ich in den letzten Jahren begegnet bin, konkret beschreibt. Er trifft gleich mehrere Fragen, die sich Aktivist_innen stellen müssen, um gezielt etwas zu bewegen: Wie organisieren wir uns? Auf welcher Ebene müssen wir arbeiten, wenn wir etwas bewegen wollen? Wie können wir andere Aktivist_innen unterstützen?

So haben wir festgehalten, dass politische Arbeit auf mehreren Ebenen ablaufen kann: Aufklärung (im öffentlichen Raum), Lobbyarbeit gegenüber politischen Institutionen und das „Handwerk“, die Benutzung von z.B. Software. Je nach geografischem Ort und Zeitpunkt können verschiedene Punkte wichtig sein. Hier regelmäßig Positionsbestimmungen vorzunehmen ist die erste wichtige Erkenntnis, die ich aus dem Colab mitgenommen habe. Was wollen wir erreichen, auf welcher Ebene müssen wir arbeiten? Haben wir überhaupt die Ressourcen oder fehlt es vielleicht schon beim Handwerk? Fragen, die sich sowohl neue Bewegungen, als auch etablierte Gruppen stellen sollten.

Besonders bei neuen Initiativen schließen sich daran eine Reihe an Überlegungen an – wie genau Aufklärung funktionieren kann, wie Lobbyarbeit, wie überhaupt Voraussetzungen geschaffen werden. Wo das Wissen um Handwerkszeug liegt und wie man daran herankommt. Die ursprüngliche Unsicherheit, worum es im Colab gehen könnte, ist noch nicht ganz gewichen, da beginnt es in meinem Kopf zu brummen. Selbst die Beschränkung auf „Organisationsformen und Durchsetzung“ sprengt eigentlich den Rahmen von drei Monaten. Ich bin gespannt, wie weit wir kommen werden.