Muslime in Kleidung

Ein ziemlich cooler Tumblr ist Pictures of Muslims Wearing Things. Nachdem Radio-Journalist Juan Williams vor kurzem im US-amerikanischen Sender FOX verlauten ließ, er werde nervös, wenn er ihm Flugzeug sitze und „muslimisch gekleidete Leute“ hinzukämen, widmet sich diese Seite der speziell muslimischen Kleidung. Wie alle guten Blogs besticht auch Pictures of Muslims Wearing Things durch die Kommentare. So ist etwa Amina Tariq “…garbed in organic Muslim lettuce” (in muslimischen Bio-Salat gekleidet), während Yousuf Bashir Qureshi “dresses in a dhoti and a kurta wherever he goes. And of course, a traditional pair of red and white sneakers” (überall wo er hingeht Dhoti [Hindi: धोटी] und Kurta [Persisch/Urdu: کرتا; Bengalisch: কুরতা; Hindi: कुरता] trägt. Und natürlich ein Paar traditionell rot-weißer Turnschuhe). Eine ausführlichere Analyse gibt es inzwischen auch bei Muslimah Media Watch.


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Heute im Radio gehört: Muslimischer Feminismus

Ab 18:30 läuft derzeit immer auf DRadio Wissen die „Redaktionskonferenz“, bei der Gäste verschiedener Campusradios zu Gast sind oder neulich Chris vom Missy Magazine und gemeinsam mit den Moderator_innen ein Thema diskutieren. Das heutige Thema war „Islamischer Feminismus“ – leider schienen gleichzeitig alle Beteiligten ein schlechtes oder sogar ambivalentes Bild des Feminismus zu haben, statt explizit Feministinnen zu sein.

Relativ kurz wurde darauf eingegangen, dass auch Feminist_innen versuchten und versuchen, muslimische Frauen zu retten, selbst wenn diese das nicht für nötig halten. Desweiteren bezog sich das Unwohlsein und die Ablehnung vor allem auf Radikalfeminismus. Dabei strebt kaum ein_e Feminist_in eine reine Frauenherrschaft an oder kämpft gegen Männer, gekämpft wird für gleiche Chancen. Die Kritik, mit dem Begriff „Feminismus“ würde man die Frauen erst recht als spezielle Gruppe herausstellen, statt sie als Teil der Gesellschaft zu sehen, kann ich schon eher verstehen. Für mich klingt es dennoch danach, statt der Diskriminierung die feministische Kritik als Problem zu sehen. Don’t blame the problem, blame the messenger.

Während der Redaktionskonferenz zeichnete sich darüberhinaus ab, dass nicht nur das Wissen über modernen Feminismus begrenzt war. Wie lebt es sich überhaupt in Katar oder Pakistan, wie sind die Geschlechterrollen, welche Diskriminierung kommt vor? Da die Berichterstattung aus diesen Ländern oft einseitig und knapp ist, unser Wissen meist begrenzt, müssen diese Fragen überhaupt erst einmal gestellt werden. Eine einfache Antwort, „wie muslimische Länder sind“ und welche feministischen Anliegen dort wichtig sind, gibt es dabei nicht. So wird teilweise sehr viel Wert auf die Frauenbildung gelegt, während in anderen Ländern Kinder an Hunger sterben. Dass Argument, Feminismus müsse manchmal hinter dringenderen Problemen anstehen, teile ich dabei auch nicht. Was passiert, wenn man Gender-Aspekte außen vor lässt, zeigen die jüngst eingestandenen Versäumnisse der UN in Bezug auf die Massenvergewaltigungen in Kongo.

Schließlich kam die Diskussion noch einmal auf muslimischen Feminismus zu sprechen. Im Unterschied zum westlichen Dekonstruktvismus bzw. Gleichheitsfeminismus, betone dieser eher die Unterschiede zwischen Mann und Frau. Dass es auch in Deutschland differenzfeministische Strömungen gab, wurde noch angemerkt, dass es sie bis heute gibt, leider nicht.

Empfehlenswert ist der Beitrag auf jeden Fall, vor allem, weil einmal Musliminnen selbst reden, statt dass wie üblich über sie gesprochen wird. Noch schöner wäre es natürlich, wenn muslimische Feminist_innen verschiedener Strömungen debattieren würden.

Die Sendung ist online zum Nachhören verfügbar (der Player ist rechts in der Sidebar), insgesamt 1:30 Stunden lang und die Sprache ist Englisch.


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Von, über und ohne Frauen – Veranstaltungen in Osnabrück

Ab nächster Woche gibt es wieder eine Skulpturenausstellung im Hof des StudiOS der Universität Osnabrück. Die Osnabrücker Künstlerin Karin Mackay setzt sich in „fe-mail” mit weibliche Botschaften auseinander. Geöffnet ist der Skulpturengarten, Neuer Graben 27, vom 14. September bis 26. Oktober jeweils von 9 bis 16 Uhr (Mo – Do) und freitags von 9 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Um die „Rolle der Frauen in den Moscheegemeinden” geht es am 13. und 14. September in einer Fachkonferenz der Uni. Themen sind u.a. Frauenbilder muslimischer Philosophen und Mystiker, ihre Arbeit in den Vorständen von Moscheegemeinden oder die Intersektionalität von Islam, Frauen und Feminismus. Solange es freie Plätze gibt, ist die Anmeldung auch noch vor Ort möglich, die Teilnahmegebühr beträgt 5 Euro. Weitere Informationen gibt es auf dem Flyer zur Veranstaltung.

Außen vor bleibt das Thema Frauenrechte leider beim »Colloquium Dritte Welt – Umwelt und Entwicklung«, das sich diesmal der Frage „Kein Friede für Afghanistan?” widmet. Einst einer der medial hervorgehobenen Gründe für den Krieg gegen die Taliban, ist es heute mehr als fragwürdig, ob sich für die Afghaninnen tatsächlich die Situation gebessert hat. Auf Nachfrage wurde ich an den einzigen Vortrag einer Referentin, Nadia Nashir-Karim vom Afghanischen Frauenverein, verwiesen (7. Dezember, 19:30 Uhr, Eintritt frei, Vortragssaal der VHS in der Bergstr. 8). Dabei soll es aber eigentlich darum gehen, ob Hilfsprojekte Afghanistan wirklich helfen können. Polemisch ausgedrückt: „ups, die Frauen haben wir vergessen, aber derailen sie ruhig den Vortrag unserer Quotenfrau”.


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Dinge, die mich nicht überraschen

Die Washington Post berichtet von einem Studenten und einem Journalisten, die beide Probleme haben, ein Visum für die Einreise in die USA zu bekommen – weil sie Moslems sind und muslimische Namen haben.

Mohamed Youcef Mami halfen keine Briefe der University of California in Berkeley, die ihn bereits für ein Masterprogramm akzeptiert hatte, um die Überprüfung seines Antrags zu verkürzen. Erst nachdem er seine Geschichte der Post erzählt hatte, kam Bewegung in die Sache. Schlimmer erging es dem Journalisten Said Mahrane. Er sollte eigentlich mit mehreren Kollegen den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy auf eine Reise in die USA begleiten, bekam aber gar kein Visum und verpasste den Trip. Anrufe des französischen Außenministeriums blieben ohne Erfolg.

„Schuld” sind die muslimisch klingenden Namen der beiden und dass nach dem gescheiterten Anschlag an Weihnachten die Überprüfung wieder einmal verschärft worden ist. Und obwohl auch weiße Christ_innen Terrorschanschläge planen und ausführen, verfangen sich leider fast ausschließlich Menschen in diesem System, wenn sie den falschen Namen, die falsche Hautfarbe oder die falsche Religion haben.