Lesestoff zu den (feministischen) Debatten derzeit.

Ist es Timing das gerade jetzt ein Artikel über vermutliche Übergriffe von Rainer Brüderle erscheint? Total egal, denn um ihn geht es nicht, sagt Ninia LaGrande. Stimmt. Trotzdem geht die Debatte erstmal noch einen vorhersehbaren Weg, der nichts mit inhaltlicher Auseinandersetzung zu tun hat, beschreibt Frau Dingens. Maike fordert bei Kleiner Drei mehr Sichtbarkeit der Übergriffe. 2011 hatten wir bei der Mädchenmannschaft schon einmal Vorfälle alltäglicher Grenzüberschreitungen gesammelt.

Und dann hatte ich das alles schon geschrieben und konnte die halbe Nacht nicht schlafen, weil auf einmal soviele ihre Erlebnisse auf Twitter unter dem Hashtag #Aufschrei posteten.

Dazu passend: Zahlen! Denn auch im Netz erfahren Frauen Übergriffe. Unüberraschenderweise besonders dann, wenn sie sich zu frauenpolitischen Themen äußern. Bei Wirtschaftspolitik wird ihnen gern die Kompetenz abgesprochen, trotzdem sind sie gegen Klarnamenpflicht, steht es in Karins Notizen. Wieviele Frauen wir in der österreichischen Kunstszene finden, berechnet Sonja Ablinger. Die Zahl der Vergewaltigungen in England und Wales hat der DataBlog des Guardians visuell aufbereitet. Bei sexualisierten Übergriffen und Vergewaltigungen gegen Männer liegen die Verurteilungsraten übrigens höher als bei weiblichen Opfern. Nicht messbar ist dagegen die angemessene Rocklänge (pun intended). Sie liegt im Auge des Betrachters (extra nicht geschlechtergerecht geschrieben). In der Konsequenz haben Frauen Unmengen an Röcken, Hosen und dazu passenden Schuhen und können es doch niemandem recht machen. (Sociological Images, auf Englisch).

Den Mittwoch ruinierten gleich zwei Techcrunch-Meldungen. Die iPhone-App „Playbook“ lässt heterosexuelle Männer ihre Eroberungen mit ihren Bros teilen. Die Fotos der Frauen geraten da vermutlich ohne ihr Einverständnis hinein. Dass Techcrunch mit „aber die Kerle machen sowas ja sowieso“ reagiert ist dabei so wenig überraschend, wie der Fail von seiten Apples. Da passte das Video einer Venture-Capital-Firma gleich super. Tech-Firmengründer sind wieder einmal männlich, weiß, heterosexuell und super potent. Warum dann ein „Nerd-Dream“-Kalender mit „keine Sorge, die Mädchen sind nur Deko“ eben nicht lustig Zwinkerzwinker ist (großartig: Lucies Text dazu), sondern sich in die lange Liste sexistischer Vorfälle in der Tech/Nerd/Geek-Community einreiht, verstand getDigital nicht ganz. Melanie erklärt es noch mal bei den Femgeeks. Danach kam dann noch irgendwas mit Axe (und einem coolen Video).

Was wir dagegen brauchen, sind mehr Offene Briefe kluger Mädchen. So schrieb Sadie, 11, für Präsident Obama den fehlenden Teil seiner Amtsantrittsrede zu transgender Personen. In Deutschland schrieb Ishema Kane, 9 Jahre alt, an die Zeit wegen deren unsäglicher Titelgeschichte zur aktuellen Debatte um Rassismus, „Zensur“ und „Sprachpolizei“. Weitere Links zur aktuellen Debatte und Hintergrundinformationen gibt es bei Noah Sow und Astrodicticum simplex.

PS: Ich bin für den „Warmen Händedruck des Jahres 2012“ als Spielejournalistin nominiert. \o/ Ihr könnt auch für mich abstimmen.

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Wenn man nicht mehr weiter weiß, einfach zuschlagen (TW)

Der Bonner Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) hat ein Problem damit, dass manche Menschen von Studierenden statt Studenten sprechen. „Leben und leben lassen“ böte sich da natürlich an. Aber nicht im Wahlkampf zum Studierendenparlament und den Uni-Gremien (ab dem 14. Januar wird gewählt). Da wird das Kampfthema „Gendern“ rausgeholt und auch gleich passend illustriert.

Comic-Panel, in dem Batman Robin ins Gesicht schlägt, dazu Wahlwerbung für den RCDS

„Statt über Grammtik und gendergerechte Sprache reden wir über Inhalte.“ heißt es da. Von denen ist allerdings nicht viel zu sehen. Stattdessen schlägt Batman Robin ins Gesicht und bellt ihn an: „STUDENTEN!“ Gesprochen wird also weiter über (nicht-)geschlechtergerechte Sprache, von Inhalten ist nichts zu sehen, dafür körperliche Gewalt. Aber wer will da schon kleinlich sein?

So will der RCDS gegen „den Gender-Wahnsinn“ vorgehen und verwendet, ganz hipster-flockig, ein beliebtes Meme. Vielleicht hätte man da noch einmal recherchieren sollen. Das ursprüngliche Bild entstammt einer “Imaginary Novel”, in der Batman eine Zwangsstörung entwickelt. In dieser alternativen Realität hält er Superman für den Mörder seiner Eltern. Er schlägt Robin, als dieser versucht mit ihm zu reden, und löscht anschließend sein Gedächtnis aus.

Beschämender sind da nur noch die Facebook-Kommentare: „Ich hoffe auf ähnlich handfesten Einsatz während der Wahlwoche ;)“, „SEHR STARK! GLÜCKWUNSCH!“ oder „da muss ich auch als LHG-Mann den Hut vor ziehen ;)“ Endlich macht mal einer wieder Witze, dass man auf politische Korrektheit mit Gewalt antworten muss, hihi, zwinker zwinker – denn wir wissen ja, dass ihr wisst, dass wir das eigentlich besser wissen. Aber warum besser machen, wenn es auch daneben geht?

Beschweren kann mensch sich bei info@rcds-bonn.de und auf der Facebook-Seite des RCDS – der dortige Kommentar der Fraktionsvorsitzenden ist leider das übliche wir haben auch eine Vertreterin im Gleichstellungsbeirat, wir können gar nicht sexistisch sein!!einself! und „Dieses Plakat ist ein Aufruf dazu, sich auf die hochschulpezifischen Themen zu konzentrieren, die absolute Priorität haben.“ Priorität für den nächsten Wahlkampf: Gleich die Themen aufs Plakat drucken.