„Es werde Stadt“ – Marl und das Fernsehen und die Geschlechterfrage

In der Ecke eines Zimmers steht ein Fernseher auf dem Fußboden. Davor steht ein weißer Ständer mit einer Blume, daneben ein Olivenbaum. An der Wand ist die Ecke einer Leinwand zu erkennen.

Symbolbild 2014

In der Dokumentation „Es werde Stadt – 50 Jahre Grimme-Preis in Marl“ verbinden Dominik Graf und Martin Farkas die Geschichte des Grimme-Preises mit der Stadt, in der er vergeben wird – und im weitesten Sinne mit dem Aufstieg und der Stagnation des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Neben dem überzogenen Aufbau und dem langsamen Verfall der 60er-futuristischen Stadt zeigt der Film vor allem die Frage: Wo kommt das Fernsehen her und was wird damit passieren? An vielen Stellen wird die Tristesse in Marl und auf dem Bildschirm sichtbar, dennoch bleiben einige Leerstellen. Die zu beachten wäre wichtig, um der Idee des unterhaltenden und informierenden öffentlich-rechtlichen Fernsehens wieder gerecht zu werden.

Ein Projekt des Grimme-Instituts für die Ausrichtung auf die Zukunft ist der seit 2001 (in Köln) vergebene Grimme-Online-Award. Der befragte Preisträger der 11freunde bleibt im Rahmen der Doku zwiespältig. 90 Minuten muss ein guter Fernsehfilm haben. Spannend muss er sein, komplett fesselnd. Fernsehen scheint Fernsehen zu bleiben.

2011 war ich selbst bei der Feier nach der Verleihung des Grimme-Online-Awards. Dort kam ein grauhaariger Mann auf mich und Michael Seemann zu. Er wollte wissen, wie uns die Idee des Preises gefalle. Ich glaube (und hoffe) wir sagten ihm, dass dieser Extrapreis, neben dem Grimme-Preis immer noch die Zweitrangigkeit des Internets betone. Wo doch ein großer Teil der jungen Leute gar keinen Fernseher mehr besitze und selbst das TV übers Internet bezieht. Was wir definitiv sagten: Dass hier kleine, ehrenamtliche Angebote neben zeitungs- und gebühren-finanzierten Angeboten bewertet werden, was Chancen hat, aber auch problematisch ist. Am Ende tat es nichts zur Sache, denn erwartet wurde eigentlich eine gewisse Lobhudelei und Dankbarkeit.

Leider macht der Film einen ähnlichen Fehler. Er blendet bei all der Lobhudelei auf die gute alte Zeit aus, wer damals eigentlich seine Geschichten erzählen durfte und wer nicht. Er erwähnt die Praktikumsmisere, die junge Filmmacher_innen unter äußerst vagen Versprechen ausbeutet. Aber nicht, dass darunter z.B. deutlich mehr Frauen sind als früher. Und er erwähnt auch nicht, wer dann, die Karriereleiter heraufgeklettert, in den kommerziellen Tochterfirmen der Öffentlich-Rechtlichen schließlich Kohle macht.

Dabei kommt die Geschlechterfrage durchaus auf. Wenn etwa eine Frau aus der Zuschauerjury des Publikumspreises zitiert wird mit „wir können keine alten Männer mehr sehen“ (sie sagt selbst „ich hab keinen Bock mehr, alte Männer zu sehen“) – der Film aber gleich entgegen setzt „es sind ja nur noch die Alten, die die Historie der Wahrheit in sich tragen“. Sind die alten, weißen Filmemacher der letzten 50 Jahre nun die Rettung? Während gleichzeitig auf „den Alten“ herumgehackt wird, für die das Öffentlich-Rechtliche nur noch produziert?

Dass das jüngere Publikum an vielen Stellen aus den Augen geraten ist, zeigt zuletzt das Scheitern des Jugendsenders (und die Integration in den Hauptsender scheint doch utopisch). Aber dass auch die älteren Zuschauer_innen unabkehrbar an unterdurchschnittliche Fernsehkost gewöhnt seien, übernimmt der Film zu unkritisch aus den Sendeanstalten. Gerade dieses Publikum hat doch schon das „Weitere“ gesehen.

Und dann: Die Verbindung von Fernsehen und Publikum macht der Film an einer fiktiven, äußerst Ansagerin fest. die erst einen Skandal um ihre (nicht-vorhandene?) Unterwäsche übersteht, nach einer Liebelei mit einem DDR-Agenten aber einen Selbstmord versucht und schließlich bei den ernsten Filme im Nachtprogramm untergeht. Wie so oft mündet hier das jahrzehntelange Übersehen und die schließliche Abschaffung einer weiblich konnotierten Tätigkeit in einer mythischen Überzeichnung. Niggemeier nennt es „träumerisch authentisch“. Vielleicht bin ich auch zu spät geboren um die Authentizität beurteilen zu können?

Ich mag die Doku. Keine Frage. Als Beschäftigte einer Einrichtung des öffentlichen Dienstes verstehe ich die Probleme einer etablierten Einrichtung zu gut. Über Marl wusste ich bisher noch nichts, aber das Erbe der 60er und ihrer futuristisch-modernen Bauten, von Bürgermeistern mit Gestaltungswillen auf 1000 Jahre und Sanierungsfällen nach 30 verstehe ich nur zu gut. Dennoch stolpere ich über die vielen männlichen Filmemacher, Preisträger, steten „liebe Zuschauer“. Die einsame Ansagerin. Ein Märchen in einem Dokumentarfilm. So unpassend es scheint, so passender ist es in diesem Film. Steht es für die gute alte Zeit, in der noch ausprobiert wurde, oder soll es ein Seitenhieb auf das moderne Verhunzen sein? Wer 2014 eine Ära betrauert, in der Solidaritätskonzerten für Zechenarbeiter Brennpunkte mit Liveübertragungen eingeräumt wurden, sollte sich für die Zukunft nicht soviel Konservativität wünschen.

Der Film noch mal im Fernsehen:
NDR, Dienstag (8. April 2014) auf Mittwoch, 0:00 Uhr
SWR, Mittwoch (9. April 2014), 23:30 Uhr
BR, 3. Juni 2014, 22:45 Uhr
Bis zur Depublikation, Mediathek

Lesetip:
Die Geschlechterverhältnisse der Nominierungen des Grimme-Preises hat SchspIN für 2012 und 2013 ausgewertet.

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Anmerkung:
2009 war ich selbst als Mitglied der Mädchenmannschaft für den Grimme Online Award nominiert und bei der Preisverleihung. Wir haben nicht gewonnen, ich traf keine Promis und der Höhepunkt war die After-Show-Party, als Freundinnen und Bekannte nachkamen.

TV! Sarah Haskins bringt uns ein „Trophy Wife“

Beinahe hätten ein schwieriger Sendplatz und Zuschauer_innen knapp unter der 5-Millionenmarke das Ende von Trophy Wife bedeutet. Zum Glück hat ABC dennoch weitere Folgen der ersten Fernsehserie von Emily Halpern und Sarah Haskins bestellt. Mit Target Women, grandiosen Parodien auf das Werbeelend von „Frauenprodukten“ war Haskins in den vergangenen Jahren zur feministischen Internetikone aufgestiegen.

Auf dem Rasen vor einem Haus stehen die Schauspieler_innen und Schauspieler aus Trophy Wife

Promotionbild von ABC Studios (ABC/Craig Sjodin)

In Trophy Wife verarbeitet sie nun ihre eigene Geschichte als junge Ehefrau eines bereits mehrfach geschiedenen älteren Mannes mit mehreren Kindern. Statt drei Exfrauen gibt es in der Serie nur zwei, dafür allerdings ein Kind mehr. Zum Glück, denn alle lieben Nesthäkchen Bert.

Hauptdarstellerin und Mitproduzentin Malin Åkerman könnte als Kate auf den ersten Blick die sprichwörtliche Trophäenfrau sein: hübsch aber dumm und geldgeil. Doch so einfach macht es uns die Serie natürlich nicht. Selbst nur mit ihrer Mutter aufgewachsen, möchte Kate gerne eine große, glückliche Familie schaffen. Dass sie trotzdem zunächst nicht viel an Familienverantwortung übernehmen darf, liegt an ihrer Verpeilheit – und auch an Exfrau Diane. Die ist perfektionistisch veranlagt und eine ehrgeizige Chirurgin. Bereits die esoterisch-interessierte zweite Exfrau Jackie hatte es schwer mit ihr.

Statt die Frauen nun ständig gegeneinander auszuspielen, zeigt die Serie zwar ihre Konflikte, aber auch ihre Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung. So streng Diane ist, so sehr kümmert sie sich um ihre Kinder, wenn diese Hilfe benötigen. Die Teenager Warren und Hillary etwa müssen sich mit den üblichen Problemen wie der ersten Verliebtheit auseinander setzen. Während Warren noch völlig ziellos bleibt, ist Hillary ebenso ehrgeizig wie ihre Mutter, was bei ihren Freundinnen nicht immer gut ankommt.

Neben den drei (Ex-)Frauen gibt es noch Meg, die beste Freundin von Kate, die weiter feiert. Eine solch frauendominierte Besetzung ist es auch bei Familiensitcoms eher selten. Dass die Geschichten dann nicht in sexistische Klischees abrutschen, ist ebenfalls eine erfrischende Ausnahme. Von Haskins hätten ihre Fans aber wohl auch nichts anderes akzeptiert. Dafür solche Juwelen:

Die erste Staffel läuft derzeit nur auf ABC und CTV. Hier geht’s zum Trailer.

TV! Einblicke in die Fringe Division

[Hinweis zum Inhalt: Dieser Text enthält Spoiler.]

Fringe (in Deutschland: Fringe – Grenzfälle des FBI) bot von 2008 bis 2013 zunächst scheinbar eine Neuauflage von Akte X. Eine FBI-Agentin wird in eine Sondereinheit berufen, um unerklärliche Ereignisse aufzuklären. Ihr zur Seite stehen ein aus der Psychiatrie entlassener Wissenschaftler und sein umtriebiger Sohn. Alle drei haben, wie sich langsam herausstellt, zentrale Rollen in den Vorkommnissen.

Von links nach rechts die Darsteller_innen vor blauem Hintergrund: Jasika Nicole, John Noble, Anna Torv, Joshua Jackson, Lance Reddick and Blair Brown

Promotionbild der 2. Staffel. ©2010 Fox Broadcasting Co. CR: Justin Stephens/FOX

Mit der Zeit emanzipierte sich die Serie allerdings von „eine Mini-Einheit die übernatürliche Phänomene untersucht“. Ein alternatives Universum, eine alternative Zeitlinie und eine mögliche Zukunft (mit ebenfalls jeweils zwei Universen) bedeutete, dass die Charaktere immer neu erfunden wurden – mal gut, mal böse, mal einfach anders waren. Am Ende lässt sich die Serie eher als ständiges „was wäre wenn“ beschreiben.

Einerseits ist das faszinierend. Andererseits scheint es an anderer Stelle an neuen Ideen zu mangeln, so dass bekannte Ereignisse einfach noch einmal neu ausgerollt werden. Vertieft wurde die (nerdige) Atmosphäre in Folgen mit Comic-Einlagen, außerdem gibt es auch einige Comics zur Serie, die einzelne Charaktere beleuchten oder Geschichten aus weiteren alternativen Zeitlinien bieten.

Besonders die Hauptdarstellerin Anna Torv und ihre verschiedenen Interpretationen der Agentin Olivia Dunham machen die Serie zu einem Highlight. Klug, kräftig und mitfühlend ist sie oft der Inbegriff einer „starken“ Frau. Wirklich stark macht sie allerdings, dass sie auch Schwäche zeigt. Als Überlebende häuslicher Gewalt als Kind und nach einigen schlechten Erfahrungen tut sie sich mit Beziehungen schwer, kümmert sich aber sehr um ihre Nichte und arbeitet immer daran, Hindernisse zu überwinden. Dass alles auch ganz anders hätte kommen können, zeigt „Fauxlivia“, wie ihre Alternativversion genannt wird.

Für ihre Arbeit rekrutiert Dunham den Wissenschaftler Walter Bishop. Nach einer Mordanklage für 17 Jahre in einer psychiatrischen Klinik eingesperrt, fällt es ihm schwer, sich in die Gegenwart einzufügen. Zusammen mit seiner Genialität und dem ursprünglichen Mitwirken an verschiedenen Phänomenen scheint er einen Freifahrtschein für sexistisches Verhalten und Drogenkonsum zu haben.

In einem grün beleuchtetem Lagerraum stehen Astrid (Jasika Nicole), Walter (John Noble), Peter (Josh Jackson) und Olivia (Anna Torv,)

Promotionbild der 5. Staffel ©2012 Fox Broadcasting Co. CR: Liane Hentscher/FOX (Ja, Olivia Dunham trägt schwere Stiefel!)

Zentrales Thema der Serie ist dabei die Beziehung zu seinem Sohn Peter. Er ist der einzige komplett einzigartige Charakter über alle Universen und Zeitlinien hinweg. Damit wird er im Verlauf der Serie langsam zum zentralen Charakter statt Olivia, obwohl er teilweise nicht so rund und glaubwürdig erscheint. Immer wieder geht er auf brutale Rachefeldzüge, die aber weitgehend konsequenzlos bleiben. Für die Liebe nimmt er schließlich hin, in einer Zeitlinie zu verbleiben, die ihn nicht kennt, in der er keine Kindheit und keine Freund_innen hat.

Die Junioragentin Astrid ist einerseits einer der coolsten Charaktere, die das Fernsehen je erfunden hat. Sie spricht fünf Sprachen, auch Latein, fließend und nimmt seit Kindesbeinen Computer auseinander. Leider gibt es nur eine einzige Folge, die sie in den Mittelpunkt stellt und ansonsten werden ihre Fähigkeiten fast nie gebraucht. Dass sie trotzdem nur die Kuchenback­assistentin von Walter bleibt, ist ein unfassbares Relikt sexistischer und rassistischer Fernsehtraditionen. Bereits ihre „Vorgängerin“, die tote Assistentin Walters, hatte drei Studienabschlüsse und war promoviert!

Chef der Einheit ist Phillip Broyles, der zunächst dem Stereotyp „der mysteriöse schwarze Boss“ entspricht. Ist er einer von den Guten oder vielleicht doch von den Bösen? (Hallo NCIS, Castle und noch mal Castle.) Das klärt sich natürlich, so dass es mit der Zeit auch Einblicke in sein Privatleben gibt. Leider ist er in der 5. Staffel fast komplett verschwunden.

Aus deutlich nachvollziehbareren Gründen bleibt „Cyborg“ Nina Sharp ambivalent. Sie leitet den Riesenkonzern Massive Dynamic, der vom ehemaligen Laborpartner Walter Bishops, William Bell, gegründet wurde. Warum sie, selbst Wissenschaftlerin, in der 4. Staffel ihren cybernetischen Arm nicht reparieren kann, bleibt ein Rätsel.

„Geschlechtertechnisch“ interessant ist besonders die 5. Staffel, ohne das dies in irgendeiner Weise in der Serie reflektiert wird. Sie sind „künstlich verbesserte“ Menschen, denen zunächst die „bösen“ später auch die „guten“ Emotionen entzogen wurden, um ihr Denkvermögen zu erhöhen. Sie sind alle weiß und männlich und werden in Tanks herangezogen. Ohne Haupthaar und immer in Anzügen gekleidet, entsprechen sie einem hyper-maskulinem Stereotyp. Dass sie in einer faschistischen Gesellschaft enden, die ihren Planeten ruiniert, erscheint fast logisch, wird aber nicht kritisch eingeordnet. Stattdessen gibt eine übernatürlich begabte Schwarze Frau Olivia ihre Weisheiten mit (hallo TNG-Guinan, hallo Matrix-Oracle)

Insgesamt ist Fringe eine schöne Science Fiction-Serie, deren mysteriöse Ereignisse nicht unbedingt lückenlos, aber immerhin stringenter ausfgeklärt werden, als in anderen Serien. Sie lebt besonders von den Darsteller_innen, die die immer neuen Facetten ihrer Charaktere umsetzen.

Die Serie ist nach fünf Staffeln abgesetzt worden. Sie ist auf DVD und im iTunes Store erhältlich.

TV! Miss Fisher’s Murder Mysteries

„Was für eine Schlampe“ – auf Netflix erregte Lady Detective Phryne Fisher die Gemüter und damit mein Interesse. Denn mit dem Heiraten und Häuslich werden hat es die Kriegsveteranin und Erbin nicht so. Stattdessen tauchen in ihrer Nähe ständig Tote auf, deren Ableben es zu erklären gilt. Lebende, gut-aussehende junge Männer zum Glück aber auch.

Zwei weiße Frauen sitzen auf opulenten Holzstühlen. Dot trägt ihre Haare in Wasserwellen, einen hellbraunen Mantel und darunter ein orangenes Blusenkleid, Miss Fisher einen schwarzen Bob und einen Hut, ein schwarzes Kleid und einen Mantel mit weißen Stickereien, sowie eine schwarze Federboa.

Promotionbild via Facebook

Neben der Hauptdarstellerin und ihrer Begleiter besticht die Serie vor allem durch die Kostüme, die Hintergrundgestaltung und die Musik, die ein fan­tastisches Flair der Zwanziger Jahre zaubern. Sie basiert auf einer Reihe von inzwischen 20 Romanen, die laut dem Internet noch mehr awesome enthalten (ich habe sie leider noch nicht gelesen).

Usprünglich aus einer australischen Arbeiterfamilie, arbeitet Miss Fisher im Ersten Weltkrieg als Sanitäterin für die französische Armee. Der selbe Krieg kostet einige ihrer Familienmitglieder das Leben, so dass sie einen Adelstitel und viel Geld erbt. Mit einigen Jahren Auslandsabenteuern im Gepäck, kehrt sie schließlich nach St. Kilda bei Melbourne in Australien zurück. Dort erwarten sie ihre Freundin Mac, Ärztin an einer Frauenklinik, und ihre Tante Prudence, Mitglied der High Society. Als Personal und Helfer_innen für ihre Arbeit gewinnt sie das streng katholische Hausmädchen Dot, Mr. Butler und die beiden kommunistischen Arbeiter Bert und Cec. Im Laufe der Serie kommt noch die Adoptivtochter Jane dazu.

Die Darsteller_innen der Serie vor einem Weihnachtsbaum: Mr. Butler, Bert, Hugh und Dot, Miss Fisher, Jack Robinson, Cec stehen hinten, vorne sitzen Jane, Tante Prudence und Dr. Mac

Promotionbild via Facebook

Leider ist die Besetzung der Serie sehr weiß gehalten. Ihr chinesisch-stämmiger Liebhaber Lin Chung verschwindet, anders als in den Büchern, mit seiner Hochzeit von der Bildfläche. Stattdessen wird der Polizeiinspektor Jack Robinson ihr love interest, der allerdings mit ihrem Lebensstil nur langsam klar kommt. Außerdem behandeln die Folgen neben dem jeweiligen Mordfall auch sozial-kritische Themen: Rassismus gegen Aborigines, die Rassentrennung in den USA, unsichere Abtreibungen, Vorurteile gegen Schwule und Lesben, Ausbeutung und Gefährdung von Arbeiter_innen…

Wie bereits bei Elementary sind die Mordfälle nicht immer die verzwicktesten, dennoch handelt es sich um eine willkommene Abwechslung unter den Krimiserien. Mehr Fotos, besonders der Kostüme, gibt es auf der Facebookseite der Serie. In Melbourne wurden sie im vergangenen Jahr auch in einer Kostümausstellung gezeigt. Bisher gibt es zwei Staffeln mit jeweils 13 Folgen, über eine dritte Staffel ist noch nicht entschieden.

Da die Serie noch nicht in Deutschland erschienen ist, ist sie bisher nur auf Englisch als DVD-Import aus Großbritannien oder Australien erhältlich.

Links! Model/Programmiererin und Comic-Debatten

TV! Abenteuer mit Sarah Jane Smith

Eine wunderbare Kinderserie von CBBC, die es leider nie ins deutsche Fernsehen schaffte, ist The Sarah Jane Adventures. Fans des britischen Doctor Who ist Sarah Jane Smith natürlich ein Begriff, als eine der dienstältesten und beliebtesten Begleiterinnen verschiedener Inkarnationen des Doktors. Mit dem Wiederbeleben der Serie in 2005 bekam sie 2007 ihre eigene Ablegerserie, in der sie ebenfalls regelmäßig die Erde rettet und das ohne Waffen (nur mit weniger Zeitreisen).

Logo der Serie: "THE Sarah Jane ADVENTURES" in lila vor schwarz-rotem Hintergrund

Ähnlich wie der Doktor ist sie dabei nicht alleine. In der Pilotfolge werden Kinder aus der Nachbarschaft zu ihren Begleiterinnen und Begleitern – und einen Sohn adoptiert sie auch noch. So werden im Verlauf der Serie verschiedene Familienkonstellationen gezeigt. Maria lebt mit ihrem Vater und ihre Mutter kommt öfters vorbei. Clyde ist Sohn einer alleinerziehenden Mutter, sein Vater kommt nur einmal aus Deutschland zu Besuch. Dagegen lebt Rani mit Mutter und Vater. Später, ihr eigener Sohn Luke ist schon wieder ausgezogen und besucht die Uni, nimmt Sarah Jane noch Sky auf.

Rani Chandra und ihre Eltern sind dabei klar indischer Abstammung, ohne wiederrum als Stereotypen überzeichnet zu werden. Dies thematisiert die Serie auch, anders als Doctor Who. So erleben Rani und Clyde bei ihren Reisen in die Vergangenheit rassistische Bemerkungen. In Death of the Doctor nutzt der Doktor dann Clydes Körper und tauscht schließlich mit ihm den Platz – was ihn prinzipiell zum ersten Schwarzen Darsteller des Doktors macht. Außerdem erklärte der Doktor in dieser Folge erstmals, dass Time Lords bei ihre Regenerationen nicht an eine Hautfarbe gebunden sind.

In einem rot beleuchteten Raum stehen Rani, Sky, Luke und Sarah Jane

Promotionbild der 5. Staffel © BBC

Im Laufe der Serie werden sowohl „Kinder“- als auch „Erwachsenen“themen behandelt. Es geht um die Schule, Freundschaften, das Leben mit Geschwistern und das Erwachsen werden; Eltern sind doof (jedenfalls zu doof, um Außerirdische zu bekämpfen) und verstehen sowieso nichts. Die Kinder Luke und Sky, die Sarah Jane adoptiert, sind beide von Außerirdischen entwickelte Menschen und müssen jeweils lernen, sich in der Welt zurecht zu finden. Dabei wachsen beide über die für sie vorhergesehenen, zerstörerischen, Aufgaben hinaus. Auch Clyde muss erst lernen, seine Talente zu erkennen. Leider erklärt er Luke die Welt teilweise sehr heterosexistisch, mit dem Auftauchen von Sky durchbricht er mit seinem Verhalten dann wieder Stereotype.

Sarah Jane treiben Fragen nach dem Altern, besonders der Einsamkeit im Alter, und ihre neugewonnene Verantwortung für Kinder um. Nachdem der vierte Doktor sie einst nach Schottland statt nach London zurückbrachte, lebte sie lange alleine und zurückgezogen. Kurz vor dem Beginn ihrer eigenen Serie erst stieß sie auf den zehnten Doktor und Rose und entschloss sich bewußt, nun auf der Erde zu bleiben. Weitere ernste Themen sind Obdachlosigkeit, Kritik am Kapitalismus und Sklaverei.

Für Spaß und die gewisse Leichtigkeit einer Kinderserie ist der außeriridische Supercomputer „Mr. Smith“ zuständig, der auf Zuruf mit Getöse und Nebel aus der Wand gefahren kommt. Natürlich wäre ohne ihn die Rettung der Erde meist gar nicht möglich. Unterstützung bieten ferner ein kleiner, aber feiner Ultraschall-Lippenstift und der Roboterhund K-9 (ausgesprochen Canine, engl. für Hund). Auch die Wissenschaftlerin Celeste Rivers, andere (ehemalige) Begleiter_innen vom Doktor und der mysteriöse Shopkeeper helfen Sarah Jane und ihrem Team weiter. Letzterer ist vermutlich wie der Doktor ein Time Lord und lebte auch als Frau.

Leider konnte dies nie abschließend dargstellt werden, denn im Verlauf der fünften Staffel verstarb Elisabeth Sladen, die Darstellerin von Sarah Jane Smith. Die Serie wurde daraufhin eingestellt. Sie ist für sich alleine bereits sehenswert. Wer und welche den zehnten und/oder elften Doktor vermissen, findet hier noch einige Folgen zum Nachschauen. Alle Geschichten sind Doppelfolgen (2x 25 Min.) mit Cliffhanger, was an das Muster der ursprünglichen Doctor Who-Serie erinnert.

Da die Serie niemals in Deutschland erschienen ist, ist sie leider, leider nur auf Englisch im deutschen iTunes-Store sowie als DVD-Import aus Großbritannien erhältlich.

Links! Soziale Netzwerke hacken und einfach mal mit Frauen reden

Frohes Neues mit Lesestoff aus 2013.

  • Das Projekt Gendrr will ein soziales Netzwerk aufbauen, dass die Bedürfnisse der gender-varianten Community berücksichtigt. Grundlage soll Diaspora sein, Hilfe ist gern gesehen.
  • Coole weibliche Charaktere zu erschaffen, ist ein bekanntes Problem der Popkultur (letztes Beispiel: Disney). Autor Neil Gaiman mit einem Tip: Einfach mal mit Frauen reden.
  • 2013 waren Frauen in jeder Menge deutscher Fernsehsendungen unterrepräsentiert. Wer nun die „Goldenen Medienpimmel“ bekommen soll, steht ab sofort zur Abstimmung.
  • Noch bis zum 9. Januar 2014 online nachzusehen: Die Intersexualitäts-Doku von Phoebe Hart Mein Leben zwischen den Geschlechtern.
  • Kevin „Silent Bob“ Smith mit einer Botschaft an seine Fans, die eine Journalistin aufgrund eines Scherzes beleidigten und bedrohten: Lasst das, Frauenhass ist nicht in Ordnung.
  • Über die Bedürfnisse an enge Freund_innen und sich verändernde Beziehungen zu ihnen schrieb die Faserpiratin.
  • Wer profitiert am meisten von Elternzeit für Väter? Alle, die sich eine gleichberechtigte Beziehung wünschen, in der Erwerbsarbeit und Hausarbeit gleichmäßig geteilt werden. Jetzt wissenschaftlich erwiesen.

Die diskriminierenden Klogriffe des @ZDF

Ich würde mich sehr freuen, diese Liste nie wieder aktualisieren zu müssen.

  • 7. Februar 2017, @heuteplus
    Der deutsche Gehörlosenbund kritisiert die fehlenden Untertitel bei einem Beitrag. ZDF heuteplus reagiert mal wieder patzig.
  • 2. September 2015, @janboehm
    Mitten in der x. Rassismusdebatte in den deutschen Medien versucht Jan Boehmermann auf Twitter, mit rassistischen Worten witzig zu sein und kommt mit Kritik nicht klar.
  • 16. Juni 2014, ZDF
    In den WM fofocas (deutsch: WM-Tratsch) sendet das ZDF „einen brasilianischen Cartoon“ – über Sexarbeiterinnen und FIFA-Funktionäre. Der Witz soll wohl auf Kosten letzterer gehen, aber auch die Frauen werden sehr stereotyp dargestellt. Auf Nachfragen reagiert der Twitteraccount gewohnt souverän patzig. Im Vergleich zum Originalclip fehlen auch die Urheberangaben.
  • 2. April 2014, ZDF
    Im Morgenmagazin darf Akif Pirinçci nett über sein Buch „Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“ plaudern. Das Buch klingt so diskriminierend, wie dann auch die Sendung ablief.
  • 27. März 2014, ZDFneo
    Das Neo Magazin versucht, TV Total „Nachhilfe“ zu geben. Produziert aber nur rassistische Stereotype. Ti… ach ne. Immerhin schlafen die Herren von @ZDF noch gut.
  • 4. März 2014, ZDF
    Die neue Werbekampagne für die Samstagskrimis kann sich stereotyper Bilder von Frauen und Männern nicht erwähren, inklusive anzüglicher Witze über weibliche Mordopfer. @ZDF reagiert auf Twitter wie erwartet „souverän“: TIHI.
  • 24. Januar 2014, ZDF
    Die heute show witzelt, Inklusion sei, wenn inkompetente Menschen auf einmal Jobs bekommen. Tihi. Ich dachte ja, da ginge es um den Abbau von Barrieren für behinderte Menschen. Naiv!
  • 16. Januar 2014, ZDF
    Gast Sarah Wagenknecht wird in Markus Lanz vom gleichnamigen Moderator wiederholt unterbrochen und auf (ihr) Aussehen angesprochen. Nachdem eine Online-Petition gegen dieses Verhalten über 200.000 Unterschriften vereint hat, lobt sich Lanz einfach selbst bei Wetten, dass…? Tihi.
  • 19. Dezember 2013, ZDFneo
    Im Neo Magazin feiert Jan Böhmermann #Aufschreinachten (tihihi), außerdem gehen die Pimmelwitze (siehe 5.12.2013) weiter.
  • 19. Dezember 2013, ZDF
    Auch Urban Priol macht sich am gleichen Tag beim Satirischen Jahresrückblick über #Aufschrei und die Sexismus-Debatte lustig.
  • 17. Dezember 2013, @ZDFneo
    Auf die Ernennung von Ursula von der Leyen zur Verteidigungsministerin reagiert @zdfneo reflexhaft mit einem Minirockwitz. Tihi. Auf Nachfrage scherzt mann weiter, demnächst den für eine ZDF-Sendung als Sexisten prämierten Koch Johann Lafer rekrutieren zu wollen. Tihihihihi.
  • 14. Dezember 2013, ZDF
    In der Augsburger Ausgabe von Wetten, dass… wird für die Saalwette explizit dazu aufgerufen, sich mit Blackface als Jim Knopf zu verkleiden. Das ZDF antwortet bei Twitter nicht auf die Kritik an dieser rassistischen Showpraktik. Stattdessen retweetet der Account einen Hinweis auf den DWDL-Artikel mit „Wetten, dass..?“ im Shitstorm: Nun ist’s mal gut. Weiße Medienmänner, die über Rassismus urteilen…
  • 5. Dezember 2013, ZDFneo
    Die „Satire“-Sendung Neo Magazin greift nach einer 100%-Männergästequote die Nominierung für den „Goldenen Medienpimmel“ auf. Visualisiert wird dieser als „Schlappschwanz“ (tihi). Außerdem ist Moderator Jan Böhmermann so männlich, dass er seinen Penis Ina Müller leihen kann, damit diese ihre Sendungen übersteht. Satire funktioniert ja bekanntlich am besten entlang gesellschaftlicher Machtgefälle nach unten. Tihi. Eine Woche später gibt es erstmals einen weiblichen Gast im nun „gender-sensiblen Pimmelmagazin“. Tihi.
  • 1. Dezember 2013, ZDF
    Unter dem Titel „Frauen, die Geschichte machten“ porträtiert das ZDF immerhin sechs wichtige Frauen der Geschichte. Kleopatra darf aber erstmal vor dem Spiegel stehen und ihr Gewicht kritisieren. Im anschließenden „Frauen-Check“ wird neben weiteren fazialpalmierenden Aussagen auch die Mär von der „alle Männer sind jetzt Professorinnen“ der Uni Leipzig herausgeholt. Recherche war wohl aus.
  • 22. August 2013, ZDF
    Nach 22 Uhr traut man(n) sich beim ZDF mal was und twittert „Fotze Fuck“. Tihi.
  • August 2013, ZDF
    Zur Bundestagswahl 2013 gibt es fünf Sendungen von illner intensiv. Von den 20 Gästen sind nur 3 Frauen, darunter gleich 2 in der Sendung zu Rente & Pflege. Unter den Comedians, die jede Sendung einleiten, ist keine Frau.
  • 7. August 2013, ZDFneo
    In der Game-Show(?) Auf der Flucht – Das Experiment treten die Teams „Irak“ und Eritrea „Afrika“ an, aus den genannten Ländern zu fliehen, um das Schicksal Asylsuchender nachvollziehen zu können. Nachdem die Teilnehmer_innen bereits vor der Sendung im Trailer mit rassistischen Äußerungen auffallen, wird im Netz Kritik laut. Auf Twitter verbittet man sich derartige Kritik, aber auch nach dem Anschauen ist die Sendung noch rassistisch. Eine Beschwerdemailvorlage gibt es bei hier.
  • 20. Juli 2013, ZDF Hyperland
    Ein Blogbeitrag über eine Facebook-Aktion wird betitelt mit „Online-Geständnisse gegen sexuelle Gewalt in Israel“ – dabei handelt es sich um die Opfer, die von Übergriffen berichten, nicht Täter_innen, die Unrecht gestehen. Nach Hinweisen wird der Titel zu „Online-Anklagen“ geändert.
  • 17. Juli 2013, ZDF
    In der Nachrichtensendung heute „sorgt“ sich das ZDF um die Beinkleidung von jungen Mädchen, die heute rumlaufen, wie Männer 1961 Fußball spielten. Damals durften die Frauen das ja zum Glück noch nicht.
  • Juli 2013, ZDF
    Für die Übertragungen der Frauenfußball EM 2013 wirbt das ZDF mit kopflosen Menschen, die Hausarbeit machen. Grundlage sind vermutlich die lustigen, tihi, sexistischen Sprüche von 1970, kurz vor der Aufhebung des Verbots von Frauenfußball.
  • 5. Juli 2013, ZDF
    Die Impro-Show Durchgedreht hat zwar keine Untertitel, macht sich aber über Gebärdensprache lustig. Tihi.
  • März 2013, ZDFinfo
    Lesben sind als Thema für die 140 Sekundenunpassend“.
  • 29. Januar 2013, ZDFinfo
    In die Login-Sendung zu #Aufschrei ist ein sogenannter Pick-up-Artist eingeladen. Er erklärt Männern beruflich, wie sie das Selbstbewußtsein von Frauen kaputt machen, um sie im angegriffenen Zustand leichter ins Bett zu bekommen. Am 16. April werden seine Gäste vor der Sendung Maischberger (ARD) weibliche Gäste belästigen und Rassismus verbreiten.
  • 29. Oktober 2012, ZDF
    Der 600 km-Fußmarsch von Flüchtlingen durch Deutschland, die damit gegen ihre Residenzpflicht verstoßen und die anschließende Polizeigewalt sind für das ZDF „nicht relevant“.
  • 27. Oktober 2012, ZDF
    In einem Beitrag von Mona Lisa wird Transsexualität unhinterfragt als krankhaft dargestellt. Die Bemühungen, u.a. des Europäischen Parlaments, Trans­menschen nicht weiter zu pathologisieren und dennoch medizinische Ver­sorgung zu garantieren, bleiben ausgespart.
  • 4. Oktober 2012, ZDFneo
    In der Sendung neoParadise ist der Übergriff auf eine Messe-Hostess eine (lustige, tihi) Mutprobe.
  • 13. April 2011, @ZDFneo
    Das Thema „Feminismus“ auf der re:publica provoziert die Twitterer so sehr, dass sie sich einen Shitstorm wünschen. Alles nur Spaß natürlich, tihi.
  • September 2010, ZDFneo und @ZDFneo
    Die Serie Mad Men wird mit billigem Sexismus beworben, @ZDFneo findet es witzig, tihi.
  • 18. August 2007, ZDF
    Die ZDF-Sendung Lafer! Lichter! Lecker! wird für sexistische Sprüche über etwa „nougatgefüllte Marzipanpralinen auf zwei Beinen“ auf dem Herbsttreffen der Frauen in den Medien mit der „Sauren Gurke“ ausgezeichnet.

Tihi. Wie es nervt.

#Genderfocus (Menschen auf @focusonline-Titeln)

Dank eines Probe-Abos flattert mir seit einiger Zeit der Focus ins Haus. Schon nach den ersten Ausgaben ließ sich ein gewisser, mir bekannter Trend von Titelbildern erahnen, den ich nun rückblickend auf das Jahr untersucht habe. So gibt es 2013 bereits 15 Titelbilder, mit einer großformatigen Menschabbildung, bzw. einer Collage (von insgesamt 24 Ausgaben). Davon zeigen 7 Ausgaben eine Frau, 3 zeigen Paare mit einem Mann und einer Frau und 5 einen Mann. Diese Bilder habe ich mir genauer angeschaut, ob die Subjekte sexualisiert dargestellt sind und zu welchen Themen sie gezeigt werden.

Drei Titel des Focus auf Holzdielen. Ein weißer Mann zu „Durchstarten mit 40+“, eine weiße, nackte Frau mit einem iPad vor der Brust zu „So macht das internet gesund“ und eine nackte Frau mit einer Katze vor der Brust zu „Schluss mit Allergie“

Von den einzeln abgebildeten Männern ist keiner sexualisiert dargestellt, drei sind darüberhinaus mit ihrem Namen benannnt. Peer Steinbrück ist als Opfer von Gewalt zu sehen, die er sich selbst zufügen könnte. Die beiden unbenannten Männer illustrieren Stress im Job und „Durchstarten mit 40+“. Unter den Paaren ist ein Mann sehr vage sexualisiert dargestellt: ein Mann mit grauen Haaren im engen T-Shirt unter dem sich seine Muskeln abzeichnen zu „Medizin die jünger macht“.

Von den drei Paaren ist eine Frau sexualisiert dargstellt, im knappen weißen Sporttop, das über der CD „fit bleiben“ nach vorne drängt. Gleich vier der alleine dargestellten Frauen sind deutlich sexualisiert zu sehen: fast nackt mit einem iPad, mit roten Lippen und Kugelschreiber daran, mit dunkel geschminkten Augen und laszivem Blick gleich zwei Mal. Die Themen: Liebe, Gesundheit und Übergriffe. Das Bild zu „Schneller & besser denken“ ist dagegen schon sehr dezent. Außerdem sehen wir ein Jugendbild von Angela Merkel und neun benannte Frauen, überwiegend Erbinnen oder Schauspielerinnen, die sich gegen „die Frauenquote“ aussprechen.

Zwei Focustitel auf Holzdielen. Links eine Frau mit roten Lippen, die einen Tintenfüller daran hält zu „Liebe im Büro“ und rechts ein Mann unter Post-Its zu „Raus aus der Stressfalle“.

Politik, Finanzen und Arbeit sind also nur mit Frauen illustriert, wenn es um die Kanzlerin, Liebe oder die Frauenquote geht. Stress oder die Euro-Krise sind dagegen Männersache. Das Thema Gewalt kommt zwei Mal vor und beide sind verstörend: Steinbrück als „Opfer seiner selbst“ und zu sexualisierten Übergriffen sehen wir eine anscheinend nackte Frau, inszeniert als willige Verführerin. Neben dem gleichzeitig in seiner Männlichkeit gestärktem und gepeinigtem Steinbrück wird die DDR-Vergangenheit der Kanzlerin mit einem jungen, schüchternen Mädchen bebildert.

Ferner sind alle abgebildten Personen weiße Menschen, andere scheint es nicht zu geben in der Focus-Welt. Es geht aber eh nur einmal um ein anderes Land, China, das mit einem wütenden Drachen personifiziert wird (wer hätte da keine Angst?). Auch die kleinen Bildchen am unteren Rand weichen von dem Schema nicht ab und lassen sich mit Kindern, Titten (Brustkrebs! Irgendwie muss mann die ja mal aufs Cover kriegen!) und Hoeneß beschreiben.

Filme! ARD-Reportage über die Hartz IV-Maschine

Berichte aus der „Hartz IV-Industrie“ (Bezeichnung einer in dieser Industrie Beschäftigten) sind immer wieder gruselig. Dennoch wird sie kaum diskutiert. Eine Ausnahme davon schien die Reportage „die Hartz-Maschine“ zu sein, die derzeit noch in der Mediathek anzusehen ist. Tatsächlich fängt die Doku gut an: Es wird aufgezeigt, wie Firmen sich die Qualifikation von Arbeitskräften durch die Jobcenter finanzieren lassen. Um diese dann zunächst als, ebenfalls vom Amt finanzierte, Praktikant_innen „auszutesten“. Oft genug ohne den versprochenen festen Vertrag. Das Ganze organisiert von Bildungsträgern, deren Vorsitzende im feinen Zwirn ihren Geldeseln im Blaumann beim qualifiziert werden zuschauen.

Oder die Möglichkeit, als Supermarkt sein verrottetes Gemüse bei einer Tafel abzugeben und dafür noch eine steuerlich absetzbare Spendenquittung zu erhalten. Entsorgungskosten fallen dann natürlich trotzdem an. Bei den Tafeln. Doch hier beginnt bereits das Geschmäckle des Beitrags. Die Chefin wettert über Leute, die zu mehreren Tafeln gehen, um Geld zu sparen! Die Tafeln dürften nur genutzt werden, wenn das Geld nicht mal zum Essen reicht. Dass es ein Armutszeugnis für die Grundsicherung in unserem Land ist, dass es bei diesem Anspruch immer noch Bedarf für Tafeln gibt? Geschenkt.

Eine der 1-Euro-Kräfte in der Tafel(!) äußert anschließend, am liebsten mit 45 in Rente gehen zu wollen. Die Implikation: Faulheit und der Wunsch, es sich auf Kosten der Steuerzahler_innen gemütlich zu machen. Später wird deutlich, dass der Betroffene bereits eine jahrelange Odyssee durch Qualifizierungseinrichtungen hinter sich hat. Peinlich einfache Telefoncoachings inklusive, Hauptsache raus aus den Arbeitslosenstatistiken. Wie soll man denn da noch Hoffnung oder Selbstachtung behalten?

Wenig beachtet wurde leider auch die Frage, warum die Betroffenen immer wieder in ähnliche Qualifizierungsmaßnahmen gesteckt werden – fällt das niemandem auf? Leisten bestimmte Weiterbildungsunternehmen da schlechte Arbeit und eine Maßnahme reicht nicht? Kümmert sich in den Jobcentern niemand um eine Evaluation? Warum ist das immer noch möglich? Sachte wird angesprochen, dass wenige in Maßnahmen sitzen, die ihnen helfen könnten, sondern dass sie dorthin geschickt wurden. Hier ist doch der Knackpunkt zu finden, der diese Hartz-Maschine am Leben erhält. Arbeitslose werden in Durchlauferhitzer namens Maßnahmen gesteckt, die allen helfen – nur ihnen selbst nicht.

Stattdessen wird der Blick in die Niederlande geworfen. Dort zwei Arbeitslose angesprochen, die noch kein Jahr arbeitslos sind; ganz im Gegensatz zu den Langzeitsarbeitslosen in Deutschland! Tatsächlich zeigt sich dort ein ähnliches Bild wie hier. Arbeitslose werden in Maßnahmen gesteckt (allerdings auch in Fitnesskurse), es gibt staatlich subventionierte Arbeit statt echten Beschäftigungen und Sanktionen. Geht es um die Müllabfuhr, scheint es aber ok zu sein, Arbeitslose arbeiten zu lassen, ohne ihnen einen echten Arbeitsvertrag zu geben. Gar nicht erwähnt wird leider, dass auch in Deutschland die Beihilfen zum Lebensunterhalt gestrichen werden können, wenn Hartz IV-Empfänger_innen nicht in der Maßnahme oder zum Gespräch erscheinen. Lieber zeigt man ein sehr junges Mädchen, das sich um seine künstlichen Fingernädel sorgt.

So scheint es am Ende, als hätten sich die faulen Arbeitslosen Deutschlands zusammengetan, um die Maschinerie hinter Hartz IV weiter zu befeuern. Dabei landen von all den großen Summen, die in Projekten und Maßnahmen geschüttet werden, immer nur wenige Euros in ihren Taschen. Trotzdem (und aus Angst vor den Sanktionen) schleppen sich viele in entwürdigende „Qualifizierungen“ und ertragen immer neue Praktika mit vielen Versprechungen aber wenig echten Aussichten auf einen Arbeitsvertrag. Die Profiteure der Hartz IV-Industrie sehen anders aus, liebe ARD!