Weihnachtszeit – Spendenzeit!?

Ganz ehrlich: Der jährliche Wettlauf um die weihnachtliche Spendenbereitschaft geht mir auf den Keks. Wer in der finanziellen Position ist, andere Menschen zu unterstützen, sollte dies nicht nur in einem zufälligen Monat des Jahres tun. Daher hier gleich sechs Vorschläge, wen Ihr bei ihrer Arbeit gegen Sexismus, Rassismus und Gewalt unterstützen könnt. Einiges ist gerade aktuell, aber auch darüber hinaus sind die ehrenamtlichen Organisationen auf Unterstützung angewiesen.

  1. Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh
  2. Hat sich der an Armen und Beinen gefesselte Oury Jalloh wirklich in einer Dessauer Polizeizelle auf einer feuerfesten Matratze selbst angezündet? 700 x 50 Euro fehlen der Initiative noch für ein unabhängiges neues Gutachten.

  3. Trotz Allem e.V.
  4. Im Januar zieht die Gütersloher Beratungsstelle für Frauen mit sexualisierten Gewalterfahrungen in neue Räume. Dafür benötigen Sie noch 2000 Euro.

  5. Wunschzettel der Frauenhäuser
  6. Der Name ist wohl selbsterklärend.

  7. Refugee Tent Action
  8. In Berlin haben Asylsuchende in den letzten Wochen auf ihre menschenunwürdigen Lebensbedingungen in Deutschland hingewiesen. Im nächsten Jahr soll der Protest weitergehen. Bis Residenzpflicht und unmenschliche Sammelunterkünfte Geschichte sind.

  9. Ruby Tuesday
  10. Die Ruby Tuesday Camps ermuntern Mädchen*, trans- und intergeschlechtliche Jugendliche, eigene Musik zu machen und ihre Geschichten zu erzählen.

  11. Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess e.V.
  12. Heute saßen wieder einmal viele Menschen in einer Fernsehsendung und haben viele furchtbare, dumme Sachen gesagt. Unterstützt lieber die, die dazu kluge Dinge tun.

Falls es noch eines Anreizes bedarf: Bei Spenden bis 200 Euro genügt der Kontoauszug, um die Spende von der Steuer absetzen zu können. Sparkassen z.B. bieten bei der Online-Überweisung bereits ein anklickbares „Spenden“-Feld an.

Eine kurze Geschichte an Studien: Doppelstandards wissenschaftlich belegt.

[Ähnliche Listen gibt es auf Englisch und speziell für die MINT-Fächer, bzw. über Diskriminierung in der Wissenschaft.]

Mai 1998: The Enjoyment of Sexist Humor, Rape Attitudes, and Relationship Aggression in College Students
Im Rahmen dieser Studie, erschienen in Sex Roles, wurden 399 Studierende nach ihrer Meinung zu sexistischen Witzen und Einstellungen befragt. Männer, die solche Witze lustig finden, waren eher bereit, jemanden zum Sex zu zwingen und zeigten höheres Aggressionspotential. Für Frauen wurde eine Korrelation zwischen Witzen und der Akzeptanz von Gewalt festgestellt.

1999: Language as Prejudice – Language Myth #6 “Women Talk Too Much”
Der PBS veröffentlicht einen Auszug aus dem Buch Languages Myths, das sich mit den Redeanteilen von Frauen und Männern befasst. Danach reden Männer in gemischten Gruppen überproportional viel, besonders wenn viel Redeanteil mit höherem Status verbunden ist.

2000: From unidentified to “misidentified” newborn: male bias in recognition of sex
Laut der in Perceptual and Motor Skills veröffentlichten Studie der Semmelweis-Universität, Budapest, schätzen junge Erwachsene Neugeborene zuerst als männlich ein – lächelt das Baby, wird es eher als weiblich eingeordnet.

2005: Constructed Criteria – Redefining Merit to Justify Discrimination Eine Studie der Yale University in Psychological Science hat sich der Doppel­standards bei Einstellungs­prozessen angenommen. Danach werden bei männlichen Kandidaten unterschiedliche Qualifikationen jeweils so bewertet, dass sie zu einem Job passen – bei Kandidatinnen passiert dies nicht. Diese Doppel­standards lassen sich verringern, wenn Ent­scheidungs­träger_innen sich zu klare Ein­stellungs­kriterien bekennen. Auch interessant: Wer sich als besonders objektiv sah, entschied sich tatsächlich besonders stereotyp.

2. Juli 2006: Investors don’t trust women, WUSTL study finds
Wissenschaftler_innen der Washington University in St. Louis haben für fiktive Pro­jekte um Venture Capital gebeten und in den verschickten Lebensläufen den CEO entweder als Frau oder Mann angegeben. Obwohl beide gleich qualifiziert waren, wurde den fiktiven Männern 300x mehr Kapital angeboten und sie jeweils als deut­lich kompetenter eingeschätzt.

21. August 2007: New research shows that women who haggle over money are seen as ‚less nice‘ by their bosses.
Frauen verlangen bei Gehaltsverhandlungen weniger Geld als Männer. Tatsächlich aus gutem Grund: Denn wenn sie verhandeln, werden sie von potentiellen Arbeit­geber_innen gleich als weniger „nett“ eingeschätzt und ihre Einstellungs­chancen sinken, berichtet der Guardian.

4. September 2009: Even Babies Discriminate: A NurtureShock Excerpt.
Bei der Newsweek gibt es einen Überblick der Rassismus-Forschung unter Kindern. Danach entwickeln bereits Kleinkinder rassistische Vorurteile, wenn niemand mit ihnen über Rassismus und Vorurteile spricht, sondern eine „farbenblinde“ Erziehung versucht. Mitglieder einer Gruppe, der sich Kinder zugehörig fühlen, werden schnell als kompetenter und netter wahrgenommen – ein Phänomen, das sich bereits beim Tragen von T-Shirts beobachten lässt. Für Kinder aus unterrepräsentierten Gruppen oder Minderheiten ist es wichtig, ihre Identität zu stärken, um Diskriminierung und ihre Folgen auszugleichen. Dagegen merken weiße Kinder, dass sie einer privilegierten Gruppe angehören und müssen über diskriminierende Praktiken erst aufgeklärt werden.

27. Juli 2010: Perceived Credibility of Male Versus Female Television Newscasters
Laut einer Studie im Communication Research Reports wird bei vergleichbarer Attraktivität eine Nachrichtensprecherin als weniger kompetent als ein Nachrichtensprecher eingeschätzt.

Oktober 2010: Women Are Over-Mentored (But Under-Sponsored)
Prof. Herminia Ibarra der Business School INSEAD berichtet im Interview mit Harvard Business Review von ihren Studien über Mentoring und Sponsoring. Ersteres bezeichnet das Beraten, z.B. von Berufseinsteiger_innen durch Führungskräfte, während zweiteres aktives Mitziehen durch Personen auf hohen Hierarchieebenen ist. Wie der Titel sagt, bekommen Frauen oft mehr Mentoring, aber kein Sponsoring und daraus resultierende Beförderungen.

12. November 2010: Recommendation Letters May Be Costing Women Jobs, Promotions
In universitären Empfehlungsschreiben werden Wissenschaftlerinnen meist mit stereotyp weiblichen Eigenschaften beschrieben – was wiederrum als schlecht bewertet wird. Der Unterschied besteht auch, so die US News, wenn auf „objektive“ Kriterien wie Anzahl veräffentlichter Paper kontrolliert wird.

Dezember 2010: The Paradox of Meritocracy in Organizations
Laut einer Studie in Administrative Science Quarterly empfehlen Manager_innen bei gleich qualifiziertem Personal eher Männer für eine Gehaltserhöhung – in Firmen, die explizit Wert auf ein strenges Leistungsprinzip legen.

6. Juni 2011: Why Being Thin Can Actually Translate Into A Bigger Paycheck For Women
Sehr dünne Frauen verdienen mehr Geld als die Durchschnittsfrau und mit jedem Kilo sinkt der Lohn: ein Ergebnis der Analyse (PDF) des deutschen Sozio-oekonomischen Panels durch Forscher der University of Florida und London Business School, von der Forbes berichtet.

15. Juni 2011: TU Wien bevorzugt Männer bei Bewerbungen
dieStandard.at berichtet von einer Studie, nach der Frauen schlechtere Chancen haben zu Bewerbungsgesprächen eingeladen zu werden, wenn ihr Geschlecht im Lebenslauf steht. Außerdem ist die Abbruchquote unter Studentinnen höher als bei Studenten, die die gleichen Voraussetzungen haben.

19. Juli 2012: Women may have deck stacked against them when it’s pay raise time
Haben Manager ein Budget zur Verfügung um ihren Angestellten mehr Lohn zu geben, geben Sie den Großteil an Männer. Für Frauen, die um ihr Gehalt verhandeln wollen, sind die Ausgangsbedingungen also schon schlechter, so The Globe and Mail.

9. August 2012: Frauen haben schlechtere Chancen auf Forschungsförderung
Schlechtere Vernetzung in „informellen Kreisen“, Schwierigkeiten bei der Ver­ein­ba­rung von Wissenschaft und Familie – dass Wissen­schaftler­innen weniger For­schungs­för­derung erhalten liegt aber auch daran, dass sie seltener unbefristete Stellen haben und weniger oft gefragt werden, für Zeitschriften Editorials u.ä. zu schreiben, so dieStandard.at.

4. September 2012: Die Bewerberin ist besser geeignet als er. Trotzdem bekommt der Bewerber die Professur.
Die Zeit über eine Juristin, deren Qua­li­fi­ka­tio­nen bei einer Bewerbung nicht an­er­kannt wurden. Bonuspunkt: Die Gleich­stellungs­beauftragte der Hochschule wurde von dieser genötigt, ihre Aussage zurückzuziehen, nach der die Bewerberin ein­deutig diskriminiert wurde. Wer einmal mit Gleich­stellungs­be­auf­tragten gesprochen hat, weiß leider, dass dies kein Einzelfall ist.

18. September 2012: Forscherinnen werden als inkompetenter eingeschätzt
Aus der beliebten Reihe: Gleicher Lebenslauf, aber anderer Vorname. Schon ist der eben noch so kompetente Kandidat auf einmal eine ungeeignete Bewerberin. Be­grün­det werden kann dies natürlich immer. Nur dass bei Frauen die „schlechten“ und bei Männern die „guten“ Seiten betont werden. Auch in der Naturwissenschaft ist nie­mand gegen Vorurteile gefeit, so dieStandard.at.

1. November 2012: Eine Frage der Sprache
Werden in einer Sprache automatische Geschlechterassoziationen verwendet (z.B. durch das generische Maskulinum) fällt es zwei-sprachigen Proband_innen jeweils schwer, die mitgemeinten Personen zu identifizieren, erläutert dieStandard.at. Dabei ändern sich, je nach Sprache, die Geschlechterstereotypen.

8. November 2012: More Women, but Not Nearly Enough
Tali Mendelberg und Christopher F. Karpowitz berichten in der New York Times von ihren Studien zur Repräsentation von Frauen in politischen Gruppen. Sind sie bereits zahlenmäßig unterrepräsentiert, reden sie auch individuell noch einmal weniger als Männer und ihre Arbeit wird als schlechter eingestuft. Für Männer liess sich dieser Effekt nicht zeigen. Dominieren Frauen eine Gruppe, werden sie seltener unterbrochen und diskutieren andere politische Themen.

23. November 2012: Studie entlarvt Vorurteile von Primatenforschern
Organisieren Frauen eine Konferenz, entspricht der Anteil der Speakerinnen dem der Frauen in der veranstaltenden Gemeinschaft/im Verband. Je mehr Männer an der Organisation beteiligt sind, umso geringer und unrepräsentativer der Frauenanteil. Der Spiegel ist etwas überrascht.

3. Dezember 2012: The Ambition Myth: Debunking a Common Excuse for the Gender Wage Gap
Übersichtsartikel im Atlantic mit verschiedenen Studien, die das angeblich schlechtere Verhalten von Frauen bei Gehalts­verhandlungen untersuchen.

4. Dezember 2012: Study: “Slut-shaming” won’t go away
Gleiche Geschichte – einmal mit Protagonist, einmal mit Protagonistin. Und, Über­raschung: Lässt sich eine Frau auf unverbindlichen Sex ein, gilt sie als promiskuitiver, weniger intelligent, mental instabiler, weniger kompetent und „mit mehr Risiko be­haf­tet“. Dass es so kommen wird, sehen Frauen dabei voraus und ent­scheiden sich gegen unverbindlichen Sex, berichtet Salon.

10. Februar 2013: Overweight Women Continue to Be Judged Harshly for Everything, Everywhere — Including Courtrooms
Eine Studie des Yale Rudd Center for Food Policy & Obesity legte Proband_innen einen hypothetischen Fall von Scheckbetrug vor. Die angeklagte Person wurde entweder als Frau oder Mann, als schlank oder dick angegeben. Dicke Frauen werden danach überdurchschnittlich häufig schuldig gesprochen, berichtet Above the Law.

4. April 2013: Sexistischer Blick auf Studien
Studien werden als qualitativ schlechter eingestuft, wenn sie von Frauen durch­ge­führt wurden. Die bild der wissenschaft beschreibt eine weitere Studie, die identische Arbeits­proben mit ver­schiedenen Vornamen versah. Der Effekt gilt für die Be­ur­tei­lung durch Männer und Frauen und ver­stärkt sich noch, wenn das Wissen­schafts­feld männlich besetzt ist, z.B. Technik. Noch schlimmer wird die unter­schied­liche Ein­schätzung bei Proband_innen mit besonders kon­servativem Ge­schlechter­bild.

10. April 2013: Obamas schöne Staatsanwältin: Vom Schaden, den ein Kompliment anrichten kann
Erwähnen Medienberichte das Äußere einer Politikerin, sinkt der Anteil derer, die sie wählen wollen. Wird das Aussehen noch bewertet, sinken die Werte weiter, egal ob es positive oder negative Kommentare sind. Besonders Männer lassen sich davon beeinflußen. Der Fokus auf Äußerlichkeiten lässt Wähler_innen die Kandidatin auch als weniger qualifiziert einschätzen. Die Kommentatoren bei Stefan Niggemeier sind außer sich.

12. Juli 2013: Kaum Jobs für Lesben in München
In Berlin bekommen hetero- und homosexuelle Frauen ähnlich positive Rück­mel­dungen auf Bewerbungen, in München werden Lesben deutlich be­nach­teiligt, berichtet die Mittelbayrische Zeitung.

17. Juli 2013: Women, leadership and the “glass cliff”: Research roundup
Übersicht des Harvard Shorenstein Center über die wissenschaftlichen Studien zum “Glass cliff” – der Praxis bevorzugt Frauen dann einzustellen, wenn die wirtschaft­liche Situation einer Firma schwierig ist.

22. Juli 2013: STUDY: Men Are More Likely To Be Given Flexible Work Schedules
Wenn Arbeitnehmer_innen nach flexiblen Arbeitszeiten fragen, haben erstaun­licher­weise Männer die besseren Chancen. Geben sie als Grund Kinder­be­treuung an, wurde Arbeitnehmern in Jobs mit wenig Ansehen der Wunsch eher erfüllt. Arbeit­nehmern in Jobs mit hohem Ansehen wird eher entsprochen, wenn sie Weiter­bil­dung angeben. ThinkProgress berichtet weiter, dass Arbeit­nehmer­innen in allen Fällen das Nachsehen haben.

28. August 2013: Madame, Sie haben den Job! Oder wartet noch irgendwo ein Mann?
Die Professorin Christiane Krause beschreibt in der FAZ, wie sie neun Jahre keine Professur bekam, sondern stets auf Platz 2 landete. Berufen wurden unter anderem Männer, die gar nicht habilitiert waren. Sprang die Nummer 1 ab, durfte sie nicht nachrücken, sondern wurde das Berufungsverfahren von vorn begonnen.

30. August 2013: Die Vermessung der Pein
Schmerzensgelder werden für Männer und Frauen unterschiedlich festgelegt erklärt die Süddeutsche. Beim Verlust der Zeugungsfähigkeit liegen die Mindest- und Höchst­beträge für Männer deutlich höher als für Frauen. Narben (und damit „Verlust der Schönheit“) werden wiederrum bei Frauen stärker kompensiert. Wenn auch auf niedrigerem Niveau.

7. Oktober 2013: Geschlechterstereotype geben den Ausschlag: Wirken ‚politische Fertigkeiten’ unmännlich?
Bei der Beurteilung von Betriebsratsmitgliedern spielen Geschlechterstereotype eine entscheidende Rolle. Wer die „richtigen“ geschlechtlich konnotierten Verhaltens­weisen zeigt, bekommt die besseren Evaluationen, so Psychologie-aktuell.

12. Dezember 2013: Bibliometrics: Global gender disparities in science
Wissenschaftliche Veröffentlichungen von Frauen werden seltener zitiert als die von Männern. Außerdem, so eine Studie, die in Nature veröffentlicht wurde, sind sie sel­te­ner an internationalen Kooperationen beteiligt.

18. Dezember 2013: Von Anfang an diskriminiert
Eine Studie des schweizerischen Nationalen Forschungsprogramms findet den Gen­der Pay Gap ab dem ersten Tag bei gleicher Qualifikation. Besonders ausgeprägt ist die Schere in Berufen mit ausgewogenem Geschlechterverhältnis, mit dem Verlauf des Berufslebens weitet sie sich.

19. Dezember 2013: Young Women Face Barriers to Workplace Advancement
Laut einer Studie des Conference Board of Canada werden junge Frauen im Berufs­leben seltener als „High Potentials“ eingeschätzt als ihre männlichen Kollegen. Darauf folgen weniger Angebote für berufliche Verbesserungen. Und das obwohl sie häufiger als „High Performer“ bewertet werden.

14. Januar 2014: Educated Black Men Remembered as ‘Whiter’
Wird Proband_innen das Wort “educated” (gebildet) zusammen mit dem Bild eines Scharzen Mannes gezeigt, erinnern sie sich später an eine hellere Person. Das Be­wusst­sein von Stereotypen über Schwarze Männer werde also nicht aufgebrochen, sondern die unpassende Information nachträglich im Kopf angepasst, so Eurek Alert.

18. Januar 2014: Google, Tell Me. Is My Son a Genius?
Eine Auswertung von Google-Suchanfragen durch Seth Stephens-Davidowitz zeigt, dass US-Amerikaner_innen häufiger nach Anzeichen googlen, ob ihr Sohn hoch­begabt, ihre Tochter allerdings zu dick sei. Insgesamt werden häufiger positive Be­griffe in Verbindung mit dem Begriff „Sohn“ als mit „Tochter“ gesucht, berichtet er in der New York Times.

31. Januar 2014: Why Women Are Living in the Discomfort Zone
Im Wall Street Journal detailliert Judy Foreman die Forschung zu Ge­schlechter­unter­schieden beim Schmerzempfinden. So beurteilen Ärzt_innen Frauen häufig anders bzw. weniger krank als Männer oder vermuten eher psycho­so­ma­tische Probleme – selbst wenn es der gleiche hypothetische Patient mit verschiedenen Namen ist. Sie werden außerdem zu wenig behandelt und bekommen bei chro­ni­schen Schmerzen eher Beruhigungsmittel, während Männer Schmerzmittel erhalten.

24. Februar 2014: Uncovering Racial Discrimination in the ‘Sharing Economy’
Forscher der Harvard Business School haben sich die Preise bei Airbnb angeguckt und vermuten, dass die Nutzer_innen (un)bewußt diskriminieren. Schwarze Ver­mieter­_innen verlangen weniger Miete als weiße für ähnliche Wohnungen – während Airbnb vorschlägt, bei der Preisgestaltung den Markt im Auge zu haben. Der Grund könnten die sehr prominenten Nutzer_innenbilder sein.

10. März 2014: Study: Women Who Can Do Math Still Don’t Get Hired
Die New York Times berichtet von einer Kooperationsstudie dreier Business Schools. In dieser sollten Manager_innen Leute für die Lösung von Mathe-Aufgaben aus­wählen – Aufgaben, die Frauen und Männer durch­schnittlich gleich gut lösen. Stets wählten sie eher die Männer, egal ob sie nur ein Bild, eine Selbst­einschätzung oder Ergebnisse früherer Aufgaben zum Bedenken hatten. Während die Kandidatinnen sich bei der Selbsteinschätzung eher negativ betrachteten, über­schätzten die Kan­di­da­ten eher ihre Fähigkeiten. Letzteres war außerdem Mana­ger_innen nicht bekannt, die aber an „Frauen sind schlechter in Mathe“ glauben.

14. März 2014: Analyzing Babysitter Price & Gender Data
Nach einer Analyse der Online-Babysitterseiten für die größten Städte der USA sind nur 2.9% der Babysitter männlich. Aber, so Priceonomics, sie verlangen durch­schnitt­lich 50 Cent mehr pro Stunde.

14. April 2014: Diskriminierung im Jura-Studium: Im Zweifel für den Mann
Spiegel Online beschreibt eine Studie, die die Examensnoten von Jura-Studierenden untersucht hat. Inzwischen nur noch wenig überraschen beeinflußen diese Ge­schlecht und Herkunft. Männliche Studenten mit deutsch klingenden Namen schnei­den am besten ab. In mündlichen Prüfungen ist der Geschlechterunterschied deutlicher als in schriftlichen. Verlinkt ist außerdem ein Best-Of der sexistischen Darstellung von Klausuren und Übungsaufgaben aus Bayern.

9. Mai 2014: Professors Are Prejudiced, Too
Drei Wissenschaftlerinnen verschiedener Business Schools berichten in der New York Times von ihrer Forschung zu Vorurteilen gegenüber Studierenden. In insgesamt 6.500 E-Mails fragten fiktive Studierende mit dem gleichen Text bei Professor_innen nach einem Termin um eine mögliche Doktorarbeit zu diskutieren; lediglich die an­ge­ge­be­nen Namen variierten. Die meisten Antworten erhielten jeweils die weiß und männ­lich klingenden Namen. Besonders stark ausgeprägt war der Effekt in gut be­zahl­ten Disziplinen und bei privaten Universitäten.

14. Mai 2014: Women Get Interrupted More — Even By Other Women
Die New Republic berichtet von einer Stude im  Journal of Language and Social Psychology, laut der Frauen in Gesprächen häufiger unterbrochen werden – von Frauen und Männern gleichermaßen. Außerdem nutzen die Proband_innen eher Sätze mit Nebensätzen.

2. Juni 2014: Study: Women with creaky voices — also known as ‘vocal fry’ — deemed less hireable
Frauen mit einer quietschigen Stimme werden als weniger kompetent, weniger ge­bildet, weniger vertrauenswürdig, weniger attraktiv and weniger einstellbar ein­ge­stuft, als Männer mit quietschiger Stimme oder Personen mit „normaler“ Stimme, berichtet die Washington Post. Frauen sind gegenüber ihren Ge­schlechts­ge­nossinnen noch einmal kritischer als Männer.

3. Juni 2014: Smile, Baby! A New Study Shows How Often Women and Gay Men Are Sexually Harassed on the Street.
Slate zeigt eine neue US-Studie zu Belästigung im Alltag: Über die Hälfte aller be­frag­ten Frauen gaben an, diese erfahren zu haben, sowie ein Viertel der Männer. Über­durch­schnitt­lich betroffen sind allerdings schwule, bisexuelle und Trans-Männer. Während Frauen häufig sexualisierte Kommentare oder Bemerkungen zu ihrem Äußeren bekommen, sind es bei Männern eher homo- oder trans-feindliche Äuße­rungen.

7. Juli 2014: A New Study Helps Explain Why Some People Get Enraged When Women Have Sex
Die Idee, dass Frauen möglichst nur mit ihrem (einen) Ehemann Sex haben sollten, hält sich hartnäckig. Wer daran festhält, verrät das New York Magazine mit einer Studie der Bru­nel University: Menschen, die heterosexuelle Frauen als abhängig vom Geld eines Mannes betrachten.

14. Juli 2014: Seven Studies That Prove Mansplaining Exists
Das Bitch Magazine zum Forschungsstand über (dominantes) Redeverhalten. So werden Frauen (selbst Ärztinnen) mehr von Menschen aller Geschlechter unter­brochen, von Männern besonders, um ihre Macht zu festigen. In Klassen­zimmern und beruflichen Meetings reden Männer und Jungen mehr als Frauen und Mädchen, ebenso haben sie mehr Platz in Print- und Online-Journalismus.

18. Juli 2014: Women and Minority Leaders Are Penalized For Fostering Diversity, Study Finds
Für Diversität in Unternehmen zu sorgen ist traditionell die Aufgabe aller derjenigen, die nicht weiß und männlich sind. Tatsächlich aber führt dies zu schlechteren Bewertungen ihrer Arbeit, wie eine Untersuchung von 362 Führungskräften zeigt. Weiße Männer profitieren dagegen von ihren Bemühungen um Diversität. Eine zweite Studie mit fiktiven Bewerbungsgesprächen, so Mashable, unterstreicht den Doppelstandard in der Bewertung.

29. Juli 2014: One Reason Women Fare Worse in Negotiations? People Lie to Them.
Nach einer gemeinsamen Studie der University of California–Berkeley und der Uni­versity of Pennsylvania werden Frauen in Finanzverhandlungen eher belogen als Männer. Dies vermutlich, da sie auch stets als weniger kompetent eingestuft wurden, während die als kompetent angesehenen Männer eher in geheime Informationen ein­ge­weiht wurden. Dieser Doppelstandards waren sich die Proband_innen dabei durch­aus bewußt, berichtet Slate.

5. August 2014: Study: LGBT youths harassed online ‘three times more often’ than rest of population
PinkNews verweist auf eine Studie des britischen Gay, Lesbian and Straight Education Network. Danach sind LGBT-Jugendliche 4x öfter als Heterosexuelle von Online-Mobbing und 2x so oft von SMS-Mobbing betroffen. Niedriges Selbstwertgefühl, er­höhtes Risiko von Depressionen und schlechte Schulnoten sind die Folgen.

5. August 2014: In Science, It Matters That Women Come Last
Die Statistikerin Emma Pierson hat für FiveThirthyEight die Autor_innen wissen­schaft­licher Paper der Mathematik, Physik und Informatim in arXiv aus­ge­wertet. Über­repräsentiert sind Autorinnen an der ersten Stelle der Autor_innenschaft – also als Personen, die die meiste Arbeit geleistet haben. Unter­repräsentiert sind sie an der letzten Stelle, der ver­antwortlichen Person. Über­durch­schnittlich viele Mehr-Autoren-Paper weisen keine einzige Autorin auf. Hat ein Paper dagegen Autorinnen, steigt wieder­um die Wahr­schein­lichkeit der Über­re­prä­sen­ta­tion. Autoren haben nicht nur insgesamt mehr Paper, sie haben auch mehr alleinige Paper vorzuweisen.

20. August 2014: Why We Martyr Single Dads, But Demonize Single Moms (And What To Do About It)
Alleinerziehende Väter werden insgesamt und in ausgesuchten Situationen (die Studien mit den 2 Vornamen) positiver eingeschätzt und ihr Verhalten besser bewertet als alleinerziehende Mütter. Everyday Feminism berichtet von zwei Studien zum Thema.

18. August 2014: Men viewed more favorably than women when seeking work-life balance
Eine Studie der Furham University bestätigt, dass bei fiktiven Nachfragen nach flexiblen Arbeitszeiten Männer eher Erfolg haben – wenn der Grund Kinderbetreuung ist. Sie werden außerdem als loyaler und sympathischer eingeschätzt, berichtet Phys.org.

26. August 2014: The abrasiveness trap: High-achieving men and women are described differently in reviews
Eine linguistische Untersuchung von MitarbeiterInnenbewertungen für Fortune zeigt zwei markante Geschlechterunterschiede. Die Bewertungen von Frauen enthalten oft negative Punkte, während Männer nur konstruktive Kritik erfahren. Anders als Männer erhalten Frauen außerdem oft Kritik an ihrer Persönlichkeit.

30. Oktober 2014: For women, being 13 pounds overweight means losing $9,000 a year in salary
Je dicker eine Frau ist, umso weniger wahrscheinlich arbeitet sie in einer repräsentativen Position wie Verkäuferin oder Rezeptionistin. Dagegen arbeitet sie wahrscheinlich in einem körperlich anstrengenden Job, z.B. als Krankenschwester oder einer Küche. Bei Männern ist der Effekt nicht zu beobachten. Neben der Studie der Vanderbuilt University berichtet der Guardian auch über ältere Studien zum Thema.

9. Dezember 2014: Best Way for Professors to Get Good Student Evaluations? Be Male.
Slate berichtet von einer kleinen Studie der North Carolina State University, bei der Studierende die Lehrenden eines Online-Kurses bewerteten. Ein Mann und eine Frau unterrichteten dabei jeweils zwei Kurse und gaben ihr Geschlecht einmal als männlich und einmal als weiblich an. Die Studierenden bewerteten die (vermeintlich) männlichen Dozenten dabei jeweils besser.

3. Januar 2015: Racial Bias, Even When We Have Good Intentions
In der New York Times stellt Harvard-Professor Sendhil Mullainathan eine Reihe an Studien vor, die rassistische Diskriminierungen und Doppelstandards belegen.

8. Januar 2015: Men (on the Internet) don’t believe sexism is a problem in science, even when they see evidence
In den Kommentaren zu Berichten über Studien zu Diskriminierung in der Wissenschaft zeigen sich deutliche Geschlechterunterschiede, so die Washington Post. Kommentatoren waren eher der Meinung, Diskriminierung gäbe es nicht oder sei gerechtfertigt. Alle Kommentare, die ihre Dankbarkeit über die Studien ausdrückten, stammten von Kommentatorinnen.

12. Januar 2015: Vorgesetzte zerstören Frauenkarrieren
Neben wenigen Vorbildern und ausbleibender Förderung durch Chefs identifiziert eine Studie der Unternehmensberatung Bain & Company das Idealbild des Karrieremanns als eines der Haupthindernisse für Karrierefrauen. Während Berufsanfängerinnen sich noch als kompetent für eine Karriere einstufen, sinkt nach fünf Jahren die Einschätzung deutlich, die Voraussetzungen für den Aufstieg zu erfüllen, berichtet das Manager Magazin.

12. Januar 2015: Speaking While Female: Sheryl Sandberg and Adam Grant on Why Women Stay Quiet at Work
In der New York Times gibt es einen Überblick zu Studien, die sich Sprachanteilen beschäftigen. Mehrfach bewiesen ist, dass Männer, die in Meetings viel reden, als kompetenter wahrgenommen werden – bei Frauen zeigt sich keine Veränderung oder ihre Bewertung wird sogar negativer. Mitarbeiterinnen, die Verbesserungsvorschläge in ihrer Firma machen, gelten laut einer Studie der University of Texas als weniger loyal und die Vorschläge werden seltener umgesetzt als von Mitarbeitern.

13. Januar 2015: Study reveals careers ‚gender gap‘ for university graduates
Die Seite Phys.org berichtet von einer Studie des Oxford University’s Careers Service, nach der britische Uni-Absolventen eher als Absolventinnen ihrem Abschluss angemessene Arbeit fanden. Außerdem verdienen sie ein halbes Jahr nach dem Abschluss bereits deutlich mehr als ihre ehemaligen Kommilitoninnen. Studentinnen und selbst Sechstklässlerinnen haben weniger Vertrauen (oder sind realistischer?) in ihre Jobaussichten.

16. Januar 2015: Brillanz hat ein Geschlecht
In dem sehr unglücklich betiteltem Artikel des Tagesspiegels geht es um eine Studie der Universitäten Princeton und Illinois zu Stereotypen in verschiedenen Wissenschaften. Danach weisen die Disziplinen einen niedrigeren Frauenanteil auf, in denen Genie-Kult betrieben wird, bzw. in denen für Erfolg vermeintlich Brillianz erforderlich ist. Hier greife der Stereotype Threat, gleichzeitig halten dort auch mehr Wissenschaftler an Vorurteilen gegenüber Frauen und Nicht-Weißen fest.

Januar 2015: Double Jeopardy? Gender Bias Against Women of Color in Science
Ein Report des UC Hastings College of the Law über die Diskriminierung von Frauen in der Wissenschaft sowie die speziellen Vorurteile, je nach Ethnizität und race erfahren. So hilft das Vorurteil, Asiatinnen seien gute Naturwissenschaftlerinnen im Umgang mit Studierenden, nicht aber Kolleg_innen. Latinas berichten, dass ihnen Durchsetzungskraft schnell als Nachteil angerechnet wird und sie als „zu emotional“ gelten. Die Hälfte der Schwarzen und Latina-Wissenschaftlerinnen gibt an, mit der Büro- oder Reinigungskraft verwechselt worden zu sein.

6. Februar 2015: How Elementary School Teachers’ Biases Can Discourage Girls From Math and Science
Eine Langzeitstudie der Tel Aviv University hat die Leistungen von Schüler_innen verfolgt. Danach werden Mathe-Aufgaben von Schülerinnen besser bzw. schlechter bewertet, wenn sie anonym oder mit bekannten Namen ausgewertet werden. Langfristig, so die New York Times, wirkt sich die unterschiedliche Einschätzung auf die Leistungen aus, die sich an die Erwartungen anpassen. (Siehe auch ein Interview bei npr.)

6. Februar 2015: Is the Professor Bossy or Brilliant? Much Depends on Gender
Die New York Times stellt eine Auswertung von 14 Millionen Bewertungen von Rate my Professors vor. Danach werden Professoren eher als brilliant oder sachkundig (knowledgeable) bewertet, während Professorinnen bossy und wahlweise hübsch (beautiful) oder hässlich (ugly) sind. Keine Unterschiede gab es bei faul (lazy) und inspirierend (inspiring).

13. Februar 2015: Study: Black Girls Are Being Pushed Out of School
In New York City und Boston werden Schwarze Mädchen öfter und strenger für Vergehen bestraft als Weiße Kinder, berichtet NPR. Ein Grund, so die Autorin Kimberle Williams Crenshaw der Columbia University-Studie, könne die Intersektion von Erwartungen an Schwarze Kinder und Mädchen sein: Aufgrund rassistischer Vorannahmen werde ihr Verhalten als aggressiver bewertet und stärker bestraft, da Mädchen weniger aggressiv sein dürfen. Außerdem berichteten viele Schülerinnen, ihre Leistungen würden oft übersehen.

28. Februar 2015: Gender Differences in Salary of Internal Medicine Residency Directors: A National Survey
Laut der Studie im The American Journal of Medicine verdienen Direktorinnen von Programmen der Inneren Medizin weniger als Direktoren, auch wenn auf Alter, Karriere etc. kontrolliert wird.

25. März 2015: Spielt das Geschlecht eine Rolle? – Erziehungsverhalten männlicher und weiblicher Fachkräfte in Kindertagesstätten
Eine Studie des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Danach gibt es kaum geschlechts­spezifische Unterschiede hinsichtlich pädagogischer Verhaltens­standards. Allerdings spielt das Geschlecht der Kinder eine Rolle, z.B. bei der Auswahl von Themen und Spielmaterialien: „Mit Jungen wird eher sachlich-gegenstandsbezogen kommuniziert, mit Mädchen eher persönlich und fantasiebezogen.“

28. Juli 2015: Study finds unexpected biases against teen girls‘ leadership
Schülerinnen und Schüler unterstützen laut einer Studie der Harvard Graduate School of Education die Befugnisse von Schüler_innenvertretungen stärker oder schwächer, je nachdem welches Geschlecht und race die Vertreter_innen haben. Besonders schwach ist die Unterstützung innerhalb weißer Mädchen.

7. August 2015: The truth about discrimination in science, from six female professors
Ein Übersichtsartikel bei Quartz über Vorurteile und Diskriminierung von Wissenschaftlerinnen, nachdem eine Studie eine Bevorzugung von Frauen feststellte – allerdings mit nur wenigen Antworten und vermutlich gut als Studie erkennbar.

31. August 2015: Syllabus Gender Gap
Eine Studie der Brown University hat die Literaturlisten von 73 Promotionsprogrammen im Bereich Internationaler Beziehungen untersucht. Die Listen von Hochschullehrerinnen enthielten dabei im Schnitt mehr Texte von Autorinnen, 5 pro Kurs. Hochschullehrer verlangten dagegen fast doppelt so häufig das Lesen ihrer eigenen Texte, berichtet Inside Higher Ed.

September 2015: A Gender Bias in the Attribution of Creativity
Eine Studie der Duke University untersuchte die Einschätzung kreativer Arbeiten nach Geschlechtern. Während bei Mode-Entwürfen kein Unterschied zu sehen ist, wird eine Arbeit als kreativer eingeschätzt, wenn sie angeblich von einem Architekten stammt. Männer profitieren ferner in der Einschätzung, wenn ihre Arbeit als risikoreich beschrieben wird.

15. October 2015: Anger Reduces Women’s Ability to Influence Others
Der Pacific Standard berichtet von einer Studie, die 210 Studierende das Verhalten eines fiktiven Mitglieds einer Gerichts-Jury bewerten ließ (ein Text, zwei Namen). Während Männer mit Wut andere mitreißen konnten, verlor die fiktive wütende Frau an Unterstützung.

2. November 2015: Fake Cover Letters Expose Discrimination Against Disabled
Menschen mit Behinderungen bekommen 25 Prozent weniger Antworten auf Bewerbungen, wenn sie ihre Behinderung erwähnen. Die New York Times berichtet von einer Studie der Universitäten Rutgers und Syracuse, in der Wissen­schafler_innen zu einem Lebenslauf jeweils verschiedene Anschreiben für eine Position in der Buch­haltung verschickten. Die Antwort­quote sank umso stärker, je mehr Berufserfahrung die fiktive Person hatte.

8. Januar 2016: When Teamwork Doesn’t Work for Women
Eine Wissenschaftlerin der Harvard University hat untersucht, welchen Einfluß Veröffentlichungen auf die Karriere von Wirtschafts­wissen­schaftler_innen haben. Nach ihrer Studie sinken die Chancen auf eine unbefristete Stelle deutlich, wenn Frauen Arbeiten mit Ko-Autoren publizieren. Der Effekt verschwindet bei Solo-Ver­öffent­lichungen oder Kooperationen mit anderen Wissen­schaft­lerinnen, so die New York Times.

11. Januar 2016: Mädchen erhalten schlechtere Physiknoten für gleiche Leistung
Erstmals wurde in einer Studie der ETH Zürich untersucht, wie deutsch­sprachige Lehrpersonen die Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler in Physik bewerten. Ihnen wurde eine nur teils korrekte Lösung gegeben, die sie benoten mussten. Je weniger Berufs­erfahrung eine Person hatte, umso schlechter schnitten fiktive Schüle­rinnen ab, berichtet die Neue Zürcher Zeitung.

24. Januar 2016: White students who endorse racial ‘color-blindness’ are less attracted to black women, study finds
Mehr noch als die Überschrift der PsyPostweiße und Schwarze Studenten bewerteten Schwarze Frauen als weniger attraktiv, wenn sie gleichzeitig angaben, „farbenblind“ zu sein. Laut diesem Konzept spielt Rasse als Diskriminierungsform heute kaum noch eine Rolle. Prinzipiell gaben in dieser Studie die befragten Studenten an, besonders Frauen ihrer eigenen Rasse attraktiv zu finden. Weniger ausgeprägt ist der Effekt bei denen, sie sich ausdrücklich zu einer multi-kulturellen Gesellschaft bekennen.

25. Januar 2016: Why Female Professors Get Lower Ratings
Die Studie von Dez 2014 wurde noch einmal aufgegegriffen und mit einem Datensatz aus Frankreich verglichen, berichtet npr. So wurden 2014 die (vermeintlichen) Dozentinnen als zu langsam bewertet, obwohl es keinen zeitlichen Unterschied bei der Notenvergabe gab. In Frankreich bewerteten Studierende ebenfalls Dozentinnen schlechter. In einer zentralen, anonymisierten Prüfung erhielten allerdings die Studierenden leicht schlechtere Noten, die von einem Dozenten unterrichtet wurden.

3. Februar 2016: Women are seen more than heard in online news
Eine britische Studie hat Onlinemedien auf die Repräsentation von Frauen untersucht – sie sind häufiger zu sehen, als sie zitiert werden, berichtet phys.org.

11. Februar 2016: Data analysis of GitHub contributions reveals unexpected gender bias
Auf GitHub werden die Beiträge von Programmiererinnen zu Open-Source-Projekten häufiger akzeptiert als von Programmierern – aber nur wenn ihr Profil keine Rückschlüsse auf ihr Geschlecht zulässt, berichtet Ars Technika.

16. Februar 2016: The remarkably different answers men and women give when asked who’s the smartest in the class
Die Washington Post berichtet von einer Studie der Uni Washington, nach der Studenten ihre Kommilitonen klüger einschätzen, als die Noten das hergeben – ihre Kommilitoninnen allerdings nicht.

19. Februar 2016: Men selling on EBay make 25% more than women
Eine Ebay-Analyse von Transaktionsdaten zeigt laut der LA Times, dass Accounts mit weiblich klingenden Namen weniger Erlöse und Gebote erhalten, als bei männlich klingenden Namen. Käuferinnen und Käufer behandeln die Verkäuferinnen dabei beide schlechter. Der Pay Gap ist besonders ausgeprägt bei neuen Gegenständen und kleiner bei Gebrauchtwaren. Für Spielzeug und Haustiersachen bekommen Frauen etwas mehr als Männer.

9. März 2016: Why Are Girls Less Physically Active than Boys? Findings from the LOOK Longitudinal Study
Die Studie, veröffentlicht in PLOS ONE, untersuchte die physische Aktivität von über 500 Kindern zwischen 8 und 12 Jahren. Danach sind Mädchen weniger aktiv als Jungen. Zu den möglichen Gründen zählen eine schlechtere Bewertung der eigenen sportlichen Kompetenz sowie schwindende Unterstützung durch die Eltern.

9. August 2016: Finding Good Pain Treatment Is Hard. If You’re Not White, It’s Even Harder
Die New York Times gibt einen Überblick über Studien, die sich mit der ungleichen Schmerzbehandlung von Männern und Frauen sowie Schwarzen und Weißen beschäftigen.

5. September 2016: Women ask for pay increases as often as men but receive them less, study says
Als einziges Land der Welt sammelt Australien systematisch Daten, ob Angestellte nach Gehaltserhöhungen fragen. Der Guardian berichtet von einer Auswertung dieser Daten, wonach Frauen genauso oft fragen wie Männer, aber seltener eine Erhöhung bekommen. Der Unterschied ist unter jungen Leuten allerdings nicht mehr zu beobachten.

7. September 2016: Subtle Increases in BMI within a Healthy Weight Range Still Reduce Womens Employment Chances in the Service Sector
Laut einer schottischen Studie, veröffentlicht in PLOS ONE, werden Frauen als weniger qualifiziert eingestuft, wenn ihr Gesicht mit Photoshop verändert wurde, und leicht runder aussieht. Bei Bildern von Männergesichtern ließ sich der Effekt nicht beobachten.

15. November 2016: Why Online Allies Matter in Fighting Harassment
Interventionen helfen gegen rassistische Tweets – aber nur wenn sie von einem Account stammen, der anscheinend einem weißen Mann gehört und außerdem einige Follower hat. Verglichen, so The Atlantic, wurden vier Bots, die entweder 10 oder run 500 Follower hatten und ein Profilbild eines weißen oder Schwarzen Mannes. Sie baten weiße Männer, die rassistische Sprache nutzten, auf diese zu verzichten.

27. Januar 2017: Study Shows Girls as Young as 6 Internalize Ideas That “Brilliance Is a Male Quality”
Ab sechs Jahren beginnen Mädchen, sich selbst nicht mehr als besonders klug, sondern nur noch als hart-arbeitend einzustufen. Eine Science-Studie bat Kinder erst, eines von vier Bildern als eine besonders kluge Person auszuwählen. Während Fünfjährige noch Frauen und Männer ausgewogen zeigten, verbanden Ältere Mädchen überwiegend Männer mit Intelligenz. In einer weiteren Studie wählten Mädchen lieber ein Spiel für hart-arbeitende Personen, als für kluge Personen, erklärt The Mary Sue.

6. Februar 2017: Study Shows Bias Against Black Women’s Natural Hair
Die Teen Vogue berichtet von einer Studie des Perception Institutes, das über 4.000 Leute einem Test nach impliziten Vorurteilen gegenüber Schwarzen Frauen unterzog, die ihre Haartextur unbehandelt lassen (“natural hair”). Während jüngere Menschen recht positive Einstellungen zeigten, sind insgesamt klare Vorurteile zu beobachten.

3. März 2017: Type ‚ceo‘ into your iPhone keyboard for a sexist surprise
Ein Reporter von Mashable zeigt auf, welche Emojis die Autokorrektur des iPhones vorschlägt: Selbst wenn im Satz “she” erwähnt wird oder “female doctor” wird dabei sowie CEO, CTO, CFO (Positionen der Geschäftsführung) nur das männliche Berufsemoji gezeigt. Eine Ausnahme ist die Feuerwehr. Bei “firefighter“ werden beide Emojis gezeigt.

19. März 2017: Men Grin and Women Scream: A New Analysis of Gendered Words in Fiction
Der Autor Benn Blatt hat in 300 Büchern – aktuell und Klassiker des 20. Jahrhunderts – untersucht, welche Verben mit männlichen und weiblichen Charakteren verwendet werden. Weibliche Charaktere zittern, weinen, säuseln, schreien und heiraten danach besonders häufig, während männliche Buchcharaktere brummeln, grinsen, rufen, kichern  und er/morden. Außerdem lassen Autoren ihre weiblichen Charaktere 75 Prozent eher ins Wort fallen, während außerhalb von Büchern Frauen in Gesprächen häufiger unterbrochen werden, berichtet The Mary Sue.

17. Mai 2017: We Recorded VCs’ Conversations and Analyzed How Differently They Talk About Female Entrepreneurs
Schwedische Wissenschaftler_innen berichten in der Harvard Business Review von ihrer Untersuchung von 125 Anträgen auf Venture Capital. Ein Fünftel der Anträge wurde von Frauen gestellt. Im Durchschnitt wurden sie von dem Entscheidungsgremium (fünf Männer, zwei Frauen) entsprechende weiblicher Stereotype eingeschätzt etwa als „gutaussehend und sorglos im Umgang mit Geld“ und deutlich negativer als die männlichen Antragsteller: Während diese „jung aber vielversprechend“ sind, heißt es bei Frauen „jung aber unerfahren“.

Alltagsrassismus.

Derzeit geht es in Frankfurt hoch her. Ein Deutscher wirft der Polizei vor, ihn bei einer Ausweiskontrolle verprügelt und bewußtlos geschlagen zu haben. Wegen Vorurteilen gegenüber seiner Hautfarbe. Die Polizei bestreitet dies, u.a. mit der Feststellung „Rassismus findet bei der Bundespolizei nicht statt“. (Ich bin jetzt Millionärin. Ich sag‘ Bescheid, wenn’s funktioniert.)

Ganz viele Flaschen BIER

Auch bei regelmäßigem Verzehr hilft dieses urdeutsche Kulturgut nicht gegen Rassismus. (CC BY-NC-SA Helga Hansen)

Die Frankfurter Rundschau berichtet darüber zum Glück sehr viel und sehr ausführlich, s.a. dieses Dossier. In einem Interview von heute findet sich dennoch ein Punkt, der den alltäglichen Rassismus demonstriert. So wird im Interview die Frage gestellt:

Spielt der Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen eine ausreichende Rolle in der Ausbildung?

Das ist eine wichtige Frage, hat aber nicht unbedingt mit Rassismus zu tun. Viele Menschen aus anderen Kulturkreisen machen in Deutschland keine rassistischen Erfahrungen, da sie als weiß angesehen werden. Viele Deutsche hingegen, also aus „unserem Kulturkreis“, begegnen Rassismus, weil sie eben nicht als weiß angesehen werden. Ob eine_r Weißwurst und Sauerkraut isst, wissen die Polizist_innen bei einer Kontrolle nämlich auch nicht. Weder ein deutscher Pass, noch deutsche Adoptiveltern oder gar ein „deutscher Name“ verhindert rassistische Vorfälle.

Ich hoffe, dass die Rundschau die Frage gestellt hat, weil interkulturelle Kompetenz durchaus wichtig ist – nicht, weil man glaubt, diese helfe gegen Rassismus. Denn bereits die Annahme, eine nicht-weiße Haut sei gleichbedeutend mit einem anderen Kulturkreis, ist ein Problem. So wird „Rasse“ erst konstruiert.

Die Relevanzblase im ZDF: weiß, deutsch, männlich und cisgender.

Immer wenn Du denkst, es ginge nicht schlimmer, kommen die deutschen „Qualitätsmedien“ und legen die Latte noch mal einen runter. Peinlicher geht schließlich immer. Am Beispiel der Proteste von Asylbewerber_innen und Flüchtlingen zeigt sich das seit einigen Tagen in ganz perfidem Ausmaß.

Blauer Hintergrund auf dem zwei Sticker mit Mainzelmännchen sind, die sich die Hand reichen

Symbolbild (CC BY-NC-SA Helga Hansen)

600 Kilometer sind Aktivist_innen durch Deutschland gewandert, von Würzburg nach Berlin, und protestieren nun auf dem Pariser Platz seit Tagen gegen Residenzpflicht, Unter-HartzIV-Versorgung und jetzt auch noch Polizeigewalt. Denn deren Auflagen untersagen alles, was den Protest gemütlich oder gar „bequem“ machen könnte. Denn sich im öffentlichen Raum mit einer Decke oder beschichtetem Sitzkissen gegen Kälte zu wappnen ist potentiell illegal.

Doch die gemeine Bürgerin erfährt davon nichts aus den deutschen Medien, sondern nur dank Twitter. Warum auch? Dass Menschen nach Polizeieinsätzen ins Krankenhaus mussten? Geschenkt. Dafür erklärt uns Dominik Rzepka vom ZDF nun, wann Nachrichten in Deutschland relevant sind: Weiterlesen

Niedersachsen. Peinlicher geht immer!

Die Charme-Offensive von Niedersachsen geht weiter. Nicht nur können hier Bürger_innen mittels „Stiller SMS“ überwacht werden und niemand weiß genau, wieviele betroffen sind und wer das wissen könnte – jetzt legt der Beliebteste Innenminister Aller Zeiten noch einen drauf, so das Migazin.

Muslimische Mitbürger_innen stehen künftig unter Dauerüberwachung. Auf „auffällige“ Muslime achten und diese melden sollen Schulen, Jugendämter, Ordnungsämter, Ausländerbehörden, Aufnahmeeinrichtungen, Gemeinschafts­unterkünfte für Flüchtlinge und Asylsuchende, Sozialverwaltungen, Finanzbehörden und sogar Arbeitgeber_innen! Im Zweifelsfall sollen sich diese auch untereinander austauschen. Aber Achtung, das könnte schwierig werden:

Die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus gehe ganz wesentlich nicht nur von Terrorgruppen wie Al Qaida, sondern auch von radikalisierten Einzeltätern aus. Oft handele es sich um vermeintlich gut integrierte Personen mit guten Sprachkenntnissen und guter Schulbildung.

Wie nun sollen ungeschulte Menschen wie Arbeitgeber erkennen, ob eine „vermeintlich gut integrierte Person“ wirklich gut integriert ist oder nicht? Was genau nun Integration bedeutet, darüber streiten derzeit auch Expert_innen. Der – in den Medien völlig falsch zitierte – Report des Bundesinnenministeriums wurde ob seiner einseitigen und veralteten Messung von Integration von Wissenschaftler_innen der HU Berlin kritisiert (PDF).

Was immer wieder betont wurde: „Integrationsunwilligkeit“ korreliert mit dem Gefühl, von der Mehrheitsgesellschaft abgelehnt zu werden und niemals akzeptiert zu werden. Künftig Institutionen von der Arbeitsstelle bis zur Schule einzuspannen, um muslimische Menschen zu überwachen, wird bestimmt total super funktionieren. Wenn man weniger Integration und mehr „Radikalisierung“ möchte.

Bloß nicht zuviel Nachdenken!

Ob die Blackface-Debatte um das Stück „Ich bin Rappaport“ oder nun der Shitstorm gegen E wie Einfach: Für die Medienberichte werden irgendwie immer nur die Pressestellen der betroffenen Unternehmen angerufen, ob Süddeutsche, t3n oder die Financial Times. Nachfragen bei den Kritiker_innen? Fehlanzeige. Zitiert werden lediglich Sprüche von Facebook-Pinnwänden oder aus YouTube-Kommentaren.

Was leider auch nicht passiert: Expert_innen zu den jeweiligen Themen befragen, wie Rassismus- oder Sexismusforscher_innen. Einordnungen der Vorfälle in einen breiteren, gar geschichtlichen, Kontext bleiben aus, die immer gleichen Mechanismen bleiben zugedeckt. Dann wird zurückgezogen, manchmal, und eine Erklärung rausgegeben, „man habe es ja nicht so gemeint“. Echte Auseinandersetzung? Fehlanzeige! Dabei wäre genau das viel wichtiger.

Warum die AXE-Werbung so rassistisch ist und warum das wirklich schlimm ist

Ob 2012 wirklich die Welt untergeht, wird sich noch zeigen. Untergegangen ist dieses Jahr schon mal der verantwortungsbewußte Umgang mit der Geschichte. Wer hat’s gemacht? Axe, bei deren Kampagnen jedes einzelne Mal Menschen die Mädchenmannschaft um eine Intervention bitten. Dieses Mal haben sie neben sexualisierter Gewalt auch gleich noch ein wenig Neo-Kolonialismus und Rassismus dazugepackt.

AXE-Werbeplakat mit einer Spraydose und dem Werbeslogan „Such Dir ne Stellung als Missionar“

„Such Dir eine Stellung als Missionar“ heißt es als Ziel bis zum Untergang der Welt. Während anscheinend langsam klar ist, was Sexismus ist, scheint bei rassistischen Motiven noch große Verwirrung zu herrschen. Neben dem üblichen Totschlagargumenten des Derailing 1×1 („Du bist rassistisch/sexistisch gegenüber weißen Männern, Du verstehst keinen Spaß und bist sexuell frustriert, als Weiße darfst Du Rassismus nicht kritisieren, es gibt viel schlimmere Probleme“) zeigte sich bei vielen auch ein großes Fragezeichen, sobald ich das Thema ansprach. Ebenfalls immer groß: „erklär mir persönlich jetzt, sofort und genau, was das Problem ist, aber erwarte nicht, dass ich wirklich interessiert bin“. Doch genug der Trolle und stattdessen eine Einführung, warum ich dieses Plakat so gruselig finde.

Oberflächlich betrachtet zielt „such Dir eine Stellung als Missionar“ auf die Missionarsstellung ab. Doch hinter diesem ersten Wortspiel verbirgt sich eine lange, problematische, rassistische und sexistische Geschichte, die besonders in Deutschland wenig beachtet wird. Eine treibende Kraft hinter der Kolonialisierung Afrikas waren Missionare, die „den Wilden“ endlich Gott näher bringen wollten:

1842 kamen die ersten Missionare aus Barmen nach Südwestafrika, in ein Gebiet, das von den Hereros und den Namas besiedelt war. Alle Bemühungen, sie zu »bekehren«, schlugen fehl; das »Wort des Evangeliums prallt an ihnen ab«, klagte ein führender Missionar der Missionsleitung nach Barmen. Das sollte sich bald ändern. Hier war nämlich gerade ein Mann zum Missionsinspektor ernannt worden, der für die nächsten 27 Jahre, von 1857 bis 1884, die Geschicke der Missionsgesellschaft bestimmte und zugleich den »Anstoß zur kolonialen Bewegung in Deutschland gab«, wie die evangelische Realenzyklopädie 1898 stolz vermerkt: der Pfarrer Friedrich Fabri. Dieser Missionstheologe hatte erkannt, daß es töricht sei, bei der »Heidenbekehrung« allein dem Worte Gottes zu vertrauen. Er entsann sich der erfolgreichen Missionspraxis früherer Jahrhunderte, als neben den Predigern immer auch Händler, Siedler und Soldaten eingesetzt worden waren, mit deren Hilfe die »Bekehrten« und ihr Land in die Abhängigkeit der christlichen Mutterländer und Kirchen kamen.

An den verheerenden Folgen der wirtschaftlichen Abhängigkeit, der Ausbeutung der Rohstoffe, den Toten des Widerstandes und der Auflösung sozialer und geografischer Strukturen knabbert Afrika bis heute, was sich dann in Spiegelserien wie „Der Fluch des Paradieses“ niederschlägt. Ein Beispiel aus dem Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung:

Mit Hilfe des Schienenverkehrs gelang die Überwindung des afrikanischen Transportproblems, das bis dahin das entscheidende Hemmnis einer beschleunigten wirtschaftlichen Entwicklung gewesen war. Die Eisenbahn senkte wesentlich die Transportkosten. Für die zukünftige Entwicklung Afrikas war jedoch von Nachteil, daß die Eisenbahnschienen nicht traditionellen Handelsrouten folgten oder die wirtschaftliche Erschließung des gesamten Kolonialgebietes zum Ziel hatten. Vielmehr dienten sie neben dem strategischen Zweck nun vor allem dazu, den Gütertransport aus landwirtschaftlich oder mineralisch begünstigten Regionen zu den Häfen oder politischen Zentren eines Kolonialgebietes sicherzustellen.

Zwar gibt es heute „Entwicklungshilfeministerien“, in Deutschland bekommt dieses gerade einmal die Hälfte (ca. 0,35 Prozent) dessen, was als Budgetanteil nach einer OECD-Vereinbarung vorgesehen ist (0,7 Prozent). Den größten Teil davon stellen tatsächlich Schuldenerlasse dar, ebenfalls ein großer Brocken sind Studienplatzkosten. Erstere sind, um es mit Karlheinz Böhm zu sagen, ein historischer Zynismus, zur Situation von ausländischen Studierenden sei ein Report des Deutschen Studentenwerks empfohlen (tl;dr Studierende aus Entwicklungsländern finanzieren sich überwiegend selbst/familiär und studieren vor allem MINT-Fächer, also das, wo immer Studienplätze unbesetzt bleiben). Viel Geld scheint auch auf Funktionär_innen der FDP zu entfallen… Speziell auf die USA bezogen hat Ampersand einst einen Cartoon gezeichnet, der zur deutschen Situation aber auch passt (Klick für großes Bild):

Ein weißer Mann steigt über den Rücken eines Schwarzen Mannes in Ketten auf einen Balken. Dor angekommen verweigert er dem Schwarzen Mann Hilfe, ebenfalls aufzusteigen.

Bleibt die Frage zu klären, welche sexistisch-rassistische Komponente die Werbung mit sich bringt. So konnten etwa die Besitzer von Sklavinnen über diese verfügen, daraus entstandene Kinder waren ebenfalls Sklav_innen und vergrößerten damit das Arbeitspotential. Legitimiert wurde das, wieder einmal, mit Religion:

Moral justification for the sexual oppression and exploitation of African American slaves stemmed from 15th century Christian missionary attitudes that vilified the „sexual appetite“ of Africans. Stereotypes about male African American sexual prowess and the sexual promiscuity of female African Americans linger to this day.

Die moralische Entschuldigung für die sexuelle Unterdrückung und das Ausbeuten afrikanisch-amerikanischer Sklav_innen rührte aus christlich-missonatischen Ansichten des 15. Jahrhunderts, die den „sexuellen Appetit“ von Afrikaner_innen verdammten. Stereotype über das sexuelle Können afrikanisch-amerikanischer Männer und die sexuelle Promiskuität der Frauen bestehen bis heute fort.

So wurde es in afrikanischen Kolonien toleriert, wenn weiße Männer mit Schwarzen Frauen (nicht-)eheliche Beziehungen eingingen, während vor dem Gegenteil gewarnt wurde (S. 208). Da man besonders Frauen der „Unterschicht“ ein Faible für Schwarze zuschrieb, an dieser Stelle auch noch Bonuspunkte für Klassismus.

Damit habe ich jetzt gerade einmal an der Oberfläche gekratzt, dennoch sehe ich schon die Kommentator_innen, die „Du liest da zuviel hinein“ posten wollen. Ja, ich habe viel gelesen und mich informiert. Weil es dringend nötig ist, dass wir uns daran erinnern, was in der modernen Menschheitsgeschichte passiert ist. Wie lange Menschenrechte nicht für alle Menschen galten. Weil Rassismus und Sexismus bis heute an jeder Ecke und auf viel zu vielen Plakaten sind. Weil diese Plakate die Toten und die Menschenrechtsverletzungen verdecken und die Kolonisationsgeschichte auf einen schlechten Wortwitz reduzieren. Weil sie das Vergessen und die Ignoranz normalisieren. Weil das Menschen weh tut und es erst aufhören wird, wenn jede_r den Rassismus entdeckt und aktiv dagegen vorgeht, statt sich hinter „ist doch nicht so schlimm“ zu verstecken.

Aus dem Leben einer Feministin: Intersektionalität

Bei Intersektionalität ging es mir lange wie vielen bei mathematischen Konzepten: Zusammenhang gehört, macht irgendwie Sinn, aber der letzte Funke fehlte noch.

Nun habe ich die letzten Tage viel Energie und Zeit auf die Kontroverse mit Rappaport verwandt (z.B. bei der Mädchenmannschaft). Ein Kampf, der irgendwann ermüdend wird und sinnlos scheint. Auf der Facebookseite überwiegen inzwischen die Kommentare mit „man wird doch wohl das N-Wort noch sagen dürfen“ und die meisten Presseberichte gehen in die gleiche Richtung. Weiße Menschen versichern sich allerorten, was nicht rassistische gemeint sei, könne halt nicht rassistisch sein. Im Offline-Leben sieht es etwas besser aus. Anstrengend ist es aber ohne Ende gewesen.

Was hat das nun mit Intersektionalität zu tun? Stop! Talking hat es mir richtiggehend in den Kopf gehämmert: Nach all der Aufregung kann ich nach Hause gehen und der ganze rassistische Scheiß betrifft mich nicht mehr. Sexistische Anfeindungen werde ich nicht los. Aber solange ich mich nicht explizit hinstelle und gegen rassistische Taten etwas sage, kriege ich keine Probleme. Vielleicht sehe ich noch Blackface-Plakate und rege mich darüber auf, aber sie greifen nicht meine Hautfarbe an.

Ich werde weiter Diskussionen aufgedrückt bekommen, ob kurze Röcke vielleicht doch eine Einladung zur Vergewaltigung sind – aber keine Diskussion, ob Schwarze Menschen vielleicht doch dümmer sind als Weiße. Nur, wenn ich dazu ausdrücklich Stellung beziehe und dann stehe ich auf einer ganz anderen Ebene. Anders als in Genderdiskussionen wird nicht mehr über mich geredet, als Weiße steht meine Intelligenz nicht zur Debatte. Wenn ich es mir anders überlege kann ich zurückflüchten in die Facebookkommentarwelt, in der weiße Menschen keine rassistischen Dinge tun.

Als Schwarze Frau könnte ich das nicht. Und ich müsste jederzeit damit rechnen, dass die Frau, mit der ich mich eben noch gegen Vergewaltigungsentschuldigungen eingesetzt habe, nicht gleich doch über meine Intelligenz redet. Genauso wie ich als behinderte Frau damit rechnen muss, dass auch Frauen*-Einrichtungen nicht barrierefrei sind.

Ich weiß, dass es schwer ist, immer mitzudenken, wer wo wie ausgeschlossen werden könnte. Es ist aufwendig, Bilder in Blogposts anständige Alt-Label zu versehen oder Transkriptionen von Audioaufnahmen zu erstellen. Irgendwann rutscht einer doch ein „das ist ja lahm“ heraus oder das Problem einer rassistischen Dekolampe erschließt sich nicht sofort. All das betrifft mich ja nicht. Und genau deshalb ist es so wichtig, trotzdem zuzuhören, Fehler einzugestehen und sich zu kümmern. Am Ende kann ich nach Haus gehen und mich nur noch mit Sexismus herumschlagen. Mehrfach diskriminierte Frauen* können das nicht.